Kommentar
14:38 Uhr, 25.04.2014

Treppe abwärts...

Man muss kein Experte sein, um zu sehen, dass billiges Geld die erhoffte Wirkung immer deutlicher verfehlt. Ein Blick nach Japan zeigt das...

Börsianer können ziemlich stur sein. Oder vielleicht sollte man besser von Dummheit sprechen, wenn uns einige Kollegen (immer noch) weismachen wollen, Japan sei der beste Beweis dafür, dass die Geldpolitik der Notenbanken ein voller Erfolg sei.

Tatsächlich trifft das genaue Gegenteil zu:

In Japan lässt sich anschaulich studieren, was auf die Weltwirtschaft in den kommenden Jahren zukommen wird: Trotz einer bespiellosen Geldflut ist die fundamentale Entwicklung des Landes bestenfalls als Stillstand zu bezeichnen. Konkret präsentiert sich die Lage folgendermaßen:

Seit Bekanntgabe eines Programms zur „Quantitativen Lockerung“ (QE) in Höhe von 1,4 Billionen US-Dollar durch die Bank von Japan vor genau einem Jahr, nebenbei bemerkt der größten Geldflut der Menschheitsgeschichte, ist folgendes passiert:

Die Wirtschaftsleistung Japans legte zwei Quartale lang zu, bevor sie wieder in sich zusammenfiel. Die Preise kletterten neun Monate in Folge. Die japanischen Lebenshaltungskosten erreichten kürzlich ein Fünfjahreshoch.

Gleichzeitig sanken die Ausgaben der Privathaushalte im Jahresvergleich real um 2,5 Prozent.

Der Yen taumelte um atemberaubende 25 Prozent in die Tiefe. Dennoch entwickeln sich die Exporte „unerwartet schwach“. Japan hangelt sich von einem Rekord-Außenhandelsdefizit zum nächsten.

Fast 80 Prozent der Japaner haben mittlerweile den Eindruck, dass sich der Zustand der japanischen Wirtschaft verschlechtert.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/japans-konjunktur-wirtschaft-waechst-langsamer-als-erhofft-a-957764.html

http://de.reuters.com/article/topNews/idDEKBN0D70FP20140421

Dies alles wohlgemerkt vor dem Hintergrund einer Geldorgie, wie sie die Welt noch nicht gesehen hat. Ursprünglicher Zweck der Veranstaltung war es, Japan aus einer jahrzehntelangen Deflationsspirale zu befreien und die Wirtschaft anzukurbeln.

An der Börse hat das trübe Zahlenwerk nun dazu geführt, dass der Nikkei225 entgegen der vollmundigen Prognosen sogenannter Experten einfach nicht von der Stelle kommt. Im April 2014 notiert der Index in etwa auf dem Niveau des Vorjahres. Und: Wer genau hinsieht, der erkennt, dass sich hier gerade eine „Treppe abwärts“ herausbildet.

Dazu die beiden folgenden Abbildungen. Auf dem Point & Figure Chart liegt das Kursziel für den japanischen Aktienmarkt (vorerst) bei 12.600 Punkten. Das entspricht einem weiteren Abschlag zum Freitagsschlusskurs in Höhe von fast 13 Prozent.

Treppe-abwärts-Kommentar-Andreas-Hoose-GodmodeTrader.de-1

Die beginnende Abwärtstreppe des Nikkei225 zeigt sich sinnigerweise bei der Betrachtung in der japanischen Kerzencharttechnik:

Treppe-abwärts-Kommentar-Andreas-Hoose-GodmodeTrader.de-2

Erschwerend kommt hinzu, dass der gleitende 50-Tage-Durchschnitt (blau) die langfristig bedeutende 200-Tage-Linie (rot) vor wenigen Tagen von oben nach unten durchkreuzt hat. Damit ist ein langfristiges Verkaufssignal entstanden.

Noch braucht man einen scharfen Blick, um das zu erkennen, aber das wird sich ändern. Achten Sie auf die blaue Markierung in der Abbildung oben.

Um es auf den Punkt zu bringen. Die noch vor Jahresfrist mit viel Brimborium gefeierten „Abenomics“ sind gescheitert. Bei aller Bescheidenheit: Wir haben das an dieser Stelle und völlig konträr zum Mainstream vor ziemlich genau einem Jahr exakt so angekündigt.

Unsere Kommentare haben uns seinerzeit jede Menge Hohn und Spott eingebracht. Dabei hätte es genügt, wenn all die Schlaumeier einfach nur ihren gesunden Menschenverstand eingeschaltet hätten, anstatt die blumigen Prognosen diverser Banken nachzuplappern: Dass die Wirkung des billigen Geldes immer deutlicher nachlässt, das war schon damals klar zu erkennen. Und übrigens nicht nur in Japan...

Was wir daraus lernen können, wenn wir denn etwas lernen wollten?

Es ist vollkommen sinnlos, eine darbende Wirtschaft mit immer mehr Geld zu fluten. Auch eine Abwärtstreppe an den Börsen lässt sich damit nicht verhindern. Behalten Sie das im Hinterkopf, auch mit Blick auf DAX und Dow Jones.

Den Notenbanken wird diese Erkenntnis freilich nicht besonders gut gefallen. Und sie würden das natürlich auch niemals so formulieren.

Aber es kann ja nicht schaden, auf diese Zusammenhänge hinzuweisen, damit sich jeder Leser seinen eigenen Reim auf die „Rettungspolitik“ dieser Leute machen kann, die in Europa spätestens nach den Wahlen Ende Mai wieder fröhliche Urstände feiern wird...

Und noch etwas kann man daraus lernen:

Nur selber denken macht schlau...

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Zum Autor:

Andreas Hoose ist Chefredakteur des Antizyklischen Börsenbriefs, einem Service der BörseGo AG, und Geschäftsführer des Antizyklischen Aktienclubs. Börsenbrief und Aktienclub, das komplette Servicepaket für die Freunde antizyklischer Anlagestrategien! Informationen finden Sie unter www.antizyklischer-boersenbrief.de und www.antizyklischer-aktienclub.de

33 Kommentare

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  • bananenbully.
    bananenbully.

    Wenn man doch permanent die niedrigen Zinsen und das viele billige Geld verachtet, warum schauen diejenigen nie auf M3 auf die tatsächliche Geldmenge, bevor sie schreiben, es wäre viel zu viel billiges Geld im Umlauf, was zu Inflation führen würde? Ich kapier Euch einfach nicht! Noch nicht mal Studenten, die das eigentlich studiert haben müssten, fällt das auf.

    Klar, als die EZB letztes Jahr die Zinsen senkte, war mir klar, oh da ist irgendwas im argen, die Geldmenge reicht nicht aus. Das Argument, dass sie damit die Zeit zur Inflation verkürzen wollte, war tatsächlich nur vorgeschoben. Aber warum soll sie denn auch die Wahrheit sagen? Dir Wahrheit ist, die Banken sind nach wir vor dabei Ihre Bilanzen zu konsolidieren, da von Ihnen immer mehr Eigenkapital verlangt wird. Deshalb kann die Geldmenge auch nicht weiter extrem steigen, trotz niedriger Zinsen, trotz billig versprochenem Geld der EZB. Die Geldmenge M3 ist in den letzten Monaten mühseelig schwach gestiegen. Da kann noch keine Inflation aufkommen und wird auch nicht, da von den Banken immer mehr Eigenkaptial gefordert wird. Also ist die EZB gezwungen solange bis dieser Prozess abgeschlossen ist, billiges Geld bereit zu stellen, um eben die Geldmenge nicht ganz wegbrechen zu lassen.

    Es findet gerade die Veränderung bei den Banken statt, die von vielen Skeptikern gefordert werden. Das ganze braucht nur nun ein wenig Zeit. Gebt die Zeit und meckert nicht dran rum. Die EZB hat genug Möglichkeiten den Markt vor einem Fall nach unten zu retten und hat es auch vor kurzen wieder getan. Ich würde daran lieber nicht zweifeln. Sondern mit ihr handeln. Der Markt ist bullish und wird nach oben ausbrechen und ihr vielen Hoose Skeptiker werdet im Regen stehen, wie wohl schon in den letzten Jahren und die Welt noch immer nicht verstehen.

    Sorry, ich will Euch nicht angreifen mit den Argumenten, betrachtet die Märkte bitte nicht mit soviel Skeptik und verachtet sie nicht, es ist besser zu verstehen was wirklich passiert. Klar die Medien sagen uns nicht die Wahrheit, ist aber auch kein Grund jetzt plötzlich an genau das andere Extrem zu glauben.

    16:47 Uhr, 27.04.2014
    1 Antwort anzeigen
  • MDADVISORY
    MDADVISORY

    Das ist korrekt - wenn der Gold Standard noch wäre, hätten wir den aktuellen Schlamassel nicht.

    15:19 Uhr, 27.04.2014
  • student
    student

    Sehr geehrter Herr Hoose, Geld ist nicht das Problem an sich, es gibt nur dann ein Problem, wenn die Versorgung der Bedürfnisse der Menschen durch reale Güter und Dienstleistungen nicht mehr aufrecht erhalten werden kann. Die EZB und die FED ist für mich nur noch eine Freakshow, deren Chef läßt immer mehr und neues Geld regnen, das aber den Boden der Realwirtschaft gar nicht mehr berührt, weil es im undurchsichtigen Nebel des virtuellen globalen Finanzcasinos verdunstet.

    Die einzig vernünftige Lösung wäre eine Streichung der riesigen irrealen Summen an Staatsschulden. Durch diesen geordneten Staatsbankrott aller westlichen LÄnder würde die Realwirtschaft nur profitieren. Selbst das aktuelle Schuldgeldsystem könnte weiter bestehen bleiben. Nur . . . eine Schuldenstreichung bedeutet auch immer eine Streichung der ebenso hohen Vermögen, die sich durch Zins und Zinseszins besonders bei den reichsten 10 % der Bevölkerung fast von allein angesammelt haben. Was naturgemäß auf Widerstand trifft. . .

    02:53 Uhr, 27.04.2014
    1 Antwort anzeigen
  • ZockFreak
    ZockFreak

    Herr Hoose, und Sie sind demzufolge kein "sogenannter Experte" ?

    Lesen Sie sich doch mal Ihre Prognosen der letzten 5-6 Jahre nochmal in Ruhe durch! Wie lange prophezeien Sie schon den Einbruch der Märkte und den Untergang des Papiergeldsystems? Zwischendurch haben Sie Aktienkäufer schon auch mal als Idioten bezeichnet, jedenfalls sinngemäß.

    Von den von Ihnen angekündigten Militärputschen in Portugal und Griechenland ganz zu schweigen. Wenn Sie dann einmal doch richtig lagen, dann ist das wohl eine statistische Notwendigkeit, denn niemand kann sich IMMER irren.

    Legen Sie doch mal eine andere Platte auf.

    17:59 Uhr, 26.04.2014
    1 Antwort anzeigen
  • 3433
    3433

    Es ist wirklich sehr erfrischend,zwischen den meist steigungssüchtigen Kollegen auch mal Kommentare zu lesen,welche sich an der Realität orientieren.

    Es bringt ja auch nicht viel, mit einer Leiter auf den Mount Everest zu klettern,damit man noch mal 5 Meter höherkommt.

    09:47 Uhr, 26.04.2014
  • Investor
    Investor

    Herr Hoose,

    ist das Problem im Japan und dem westlichen Staaten nicht ein strukturelles anstatt eines finanziellen Problemes?

    Generell mögen Staaten keine Inflation nicht, da dann die Steueraufkommen sich nicht erhöhen. Ohne mehr Geld auszugeben, können Politiker keine goodies an Industrie & Bürger verteilen und eine Wiederwahl wird schwerer.

    Generell hat es Inflation in D (analoges gilt auch für Japan) momentan schwer:

    - Es herrscht Überproduktion

    - Beschäftigung wird in Länder verlagert, mit niedrigeren Löhnen

    - Das Verhältnis Rentner/Beschäftigte wächst in den nächsten Jahren von rd 0,3 auf 0,7 (d.h. 7 Renter auf 10 Beschäftigte). Dies wird die möglichen Ausgaben weiter senken und die Nachfrage reduzieren. Ähnliches gilt zeitversetzt auch für China)

    - Die Staaten sind strukturell überschuldet und bisherige Aufgaben werden an kommerzielle Firmen verlagert. Dies reduziert das verfügbare Einkommen weiter. Analoges gilt für staatliche Regelungen (e.g. EEG, maut, Altenpflege, Krankenhäuser, ....)

    - Über die EU werden mehr und mehr Lebensbereiche abgeglichen. Die nationalen Regelungen für Steuern und Soziales führen zu mehr "Wettbewerb" zwischen den Ländern und zur Senkung der Standards

    Solange die strukturellen Probleme nicht gelöst werden, wird mehr Liquidität nichts bewirken. Wenn Konsumenten erwarten, daß die Zinsen fallen und/oder ihr Einkommen nicht steigt, werden Sie keine Kredite nachfragen. Ohne Kredite wird es kein nachhaltiges Wachstum geben.

    Aber die Lobbypolitik der Notenbanken wird gut verkauft ......

    18:13 Uhr, 25.04.2014
  • By blicker
    By blicker

    Sehr geehrter Herr Hoose,

    ihre Beiträge sind immer wieder ein Lichtblick in der Dunkelheit der Dummheit. Machen sie weiter so und lassen sie sich nicht in ihrer Meinung beirren. Behalten sie dabei immer im Hinterkopf:Intelligenz war noch nie ansteckend.

    Mit den besten Grüßen

    Matthias Müller

    17:48 Uhr, 25.04.2014
    3 Antworten anzeigen