Fundamentale Nachricht
12:06 Uhr, 11.03.2022

Steht dem Nickelmarkt das nächste Feuerwerk bevor?

Der Tycoon, dessen große Short-Wette auf Nickel einen der dramatischsten Preisanstiege in der Geschichte des Metallmarktes mit auslöste, hat seinen Banken mitgeteilt, dass er nicht beabsichtigt, seine Position zu reduzieren. Das ist wahrer Sprengstoff, sollte der Handel in London von der LME wieder eröffnet werden.

New York/ London (Godmode-Trader.de) - Am Dienstag dieser Woche stieg der Preis für eine Tonne des Industriemetalls Nickel auf zeitweise über 110.000 US-Dollar. Innerhalb von zwei Tagen explodierte die Notiz um 250 Prozent. Der Handel an der Londoner Rohstoffbörse wurde daraufhin vom Betreiber LME ausgesetzt.

Der extreme Preisanstieg lag vor allem an Spekulanten, in der Hauptsache an einem: Xiang Guangda, dem Eigentümer der Tsingshan Holding Group Co. Makler beeilten sich bis Dienstagmorgen, Short-Positionen zu schließen, nachdem Inhaber von Baisse-Wetten, darunter vor allem die Tsingshan Group von Xiang Guangda, Schwierigkeiten hatten, Einschusszahlungen zu leisten. Die Glattstellungs-Kaskade heizte die Preisexplosion immer weiter an.

Xiang Guangda ließ nun seinen Banken und Brokern wissen, dass er bis auf Weiteres nicht beabsichtige, seine Position zu reduzieren, berichtete Bloomberg am Freitag. „Dieser Schritt ist eine charakteristische Demonstration des Selbstbewusstseins von Xiang Guangda und könnte bedeuten, dass dem Nickelmarkt nach seiner Wiedereröffnung ein weiteres Feuerwerk bevorsteht“, kommentierte die New Yorker Nachrichtenagentur.

Die Londoner Metallbörse erklärte am Dienstag, sie werde versuchen, Short-Positionen zu schließen, indem sie Marktteilnehmer mit Long- und Short-Positionen vor der Wiedereröffnung des Marktes zusammenbringt, um das Risiko zu minimieren, dass sich der Engpass von dieser Woche bei der Wiederaufnahme des Handels wiederholt. Doch Xiang, dessen Short-Position durch Tsingshan nach Informationen von Bloomberg sich immer noch in der Größenordnung von 150.000 Tonnen bewegt, hat demnach wenig Interesse an diesem Angebot gezeigt.

In den letzten Gesprächen habe Xiang den etwa 10 Banken und Brokern, über die die Tingshan Group seine Nickelposition halte, mitgeteilt, dass er nach wie vor von fallenden Preisen ausgehe und seine Short-Position deshalb aufrecht erhalten möchte, berichtete Bloomberg unter Bezug auf Insider. Die Gespräche mit den Banken seien allerdings noch nicht abgeschlossen, und es sei nicht klar, welche Haltung Tsingshans Banken einnehmen werden.

Die LME räumte am späten Donnerstagabend ein, dass die Inhaber von Long- und Short-Positionen wenig Bereitschaft zeigten, die Anzahl der Positionen vor der Wiedereröffnung des Marktes freiwillig zu reduzieren - „insbesondere die Inhaber von Short-Positionen". Es hieß zudem, dass es „beträchtliche Meinungsverschiedenheiten über den angemessenen Preis“ gäbe.

Tsingshans Schwierigkeiten bei der Begleichung seiner Einschusszahlungen haben seine Banken und Makler in eine Zwickmühle gebracht, da sie selbst hohe Einschusszahlungen an der LME leisten mussten, um ihre Short-Positionen an der Börse zu decken.

Einige der Banken sind jedenfalls besorgt, dass sich der brutale Short-Squeeze von Anfang dieser Woche wiederholen könnte, wenn der Markt mit Tsingshans Short-Position wieder geöffnet wird, so Bloomberg weiter. Aber es könnte schwierig für sie sein, Xiang zu eine Aufgabe zu nötigen: Wenn er von Tsingshans Verpflichtungen abrückt, könnten die Banken Milliarden verlieren.

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Über den Experten

Bernd Lammert
Bernd Lammert
Finanzredakteur

Bernd Lammert arbeitet als Redakteur seit 2010 bei der BörseGo AG. Er ist studierter Wirtschafts- und Medienjurist sowie ausgebildeter Journalist. Das Volontariat absolvierte er noch beim Radio, beruflich fand er dann aber schnell den Weg in andere Medien und arbeitete u. a. beim Börsen-TV in Kulmbach und Frankfurt sowie als Printredakteur bei der Financial Times Deutschland in Berlin. In seinen täglichen Online-Berichten bietet er Nachrichten und Informationen rund um die Finanzmärkte. Darüber hinaus analysiert er wirtschaftsrelevante Entscheidungen der obersten deutschen Gerichte für eine Finanzagentur. Grundsätzlich ist Bernd Lammert der Ansicht, dass aktuelle Kenntnisse über die Märkte sowie deren immanente Risiken einem keine Erfolge schlechthin garantieren, aber die Erfolgschancen deutlich erhöhen können.

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