Kommentar

"Der perfekte Zeitpunkt, um einzusteigen"

Der ehemalige Credit-Suisse-Chef Oswald Grübel preist nach dem dramatischen Kursrutsch die Aktien seines Ex-Arbeitgebers an. Sollten Anleger darauf hören?

Erwähnte Instrumente

  • Credit Suisse Group AG
    ISIN: CH0012138530Kopiert
    Kursstand: 4,530 Fr (SIX) - Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung
    VerkaufenKaufen
  • Credit Suisse Group AG - WKN: 876800 - ISIN: CH0012138530 - Kurs: 4,530 Fr (SIX)

Zumindest bis vor rund einer Woche hat der Kursverlauf der Credit-Suisse-Aktie so manchen Anleger an Charts der US-Investmentbank Lehman Brothers erinnert, die auf dem Höhepunkt der Finanzkrise 2008 kollabiert war. Und auch Händler sprachen mit Blick auf die Risiken in der Bilanz der Schweizer Großbank von einem drohenden Lehman-Moment.

Seit ungefähr einer Woche hat sich der Kurs allerdings kräftig erholt und am Wochenende trommelte auch der ehemalige Credit-Suisse-Chef Oswald Grübel für seinen Ex-Arbeitgeber. "Die Behauptungen, dass die CS am Abgrund stehe und dringend auf neues Kapital angewiesen sei, entbehren jeglicher Grundlage. Die Bank verfügt mit einer Kernkapitalquote von 13,5 Prozent über ein solides Polster", sagte Grübel in einem Interview mit der Schweizer Sonntagszeitung "SonntagsBlick".

Für die starken Kursverluste macht Grübel "Gerüchte und Unwahrheiten" verantwortlich, die von Hedgefonds gestreut und von britischen Finanzmedien weiterverbreitet worden seien. Auch die seriösen britischen Finanzmedien betrachte er sehr kritisch und er habe bereits 1967, als er das erste Mal in England war, eine große Antipathie gegen Schweizer Banken wahrgenommen, so Grübel.

Er selbst habe letzte Woche Aktien der Credit Suisse gekauft, sagte Grübel in dem Interview. "Die Bank ist aktuell massiv unterbewertet. Der Börsenwert entspricht nur einem Viertel des Buchwerts der Bank, also dem Unternehmenswert gemäß Geschäftszahlen. Der perfekte Zeitpunkt, um einzusteigen."

Credit-Suisse-Aktien
Statischer Chart
Live-Chart
Chart in stock3 Terminal öffnen

Anleger sind sicher gut beraten, die Worte Grübels zur Kenntnis zu nehmen, sollten sie aber gleichzeitig nicht überbewerten. Dass ein Topmanager für seinen Ex-Arbeitgeber trommelt, ist alles andere als ungewöhnlich, zumal Grübel auch ein finanzielles Interesse am Wohlergehen seines ehemaligen Arbeitgebers hat.

Hinzu kommt, dass bisher jeder Kollaps einer Großbank von Dementis und Hinweisen auf die angebliche finanzielle Gesundheit der Bank begleitet war. Auch Lehman-Brothers-Chef Richard Fuld machte für die Kursverluste beim Aktienkurs öffentlichkeitswirksam Shortseller verantwortlich, bevor die Bank tatsächlich kollabierte.

Der Buchwert und das Kernkapital einer Bank können sich erfahrungsgemäß schnell in Luft auflösen, wenn die von der Bank gehaltenen Vermögenswerte rapide an Wert verlieren und/oder die Bank wegen austrocknender Märkte sich nicht mehr refinanzieren kann. Beides brach auch Lehman Brothers seinerzeit das Genick. Als die Bank Insolvenz anmeldete, verfügte sie auf dem Papier über Vermögenswerte von 639 Milliarden Dollar und Verbindlichkeiten in Höhe von 619 Milliarden Dollar, war aber trotz des positiven Saldos zahlungsunfähig, weil die Märkte an der Werthaltigkeit der Vermögenswerte in der Bilanz zweifelten und Lehman Brothers deshalb keinen Zugang zu frischer Liquidität mehr hatte.

Fazit: Anleger sollten die Worte des ehemaligen Credit-Suisse-Chefs Oswald Grübel zur Kenntnis nehmen, aber nicht überbewerten. Eine weitere Erholung des Aktienkurses der Credit Suisse ist nicht ausgeschlossen, aber auch keine ausgemachte Sache. Die Aktien der Credit Suisse (die in Deutschland nur außerbörslich gehandelt werden können) sollten nur von spekulativen Anlegern angefasst werden, die sich des erhöhten Risikos bewusst sind.


Tipp: Testen Sie jetzt PROmax! Sie finden dort jede Menge Tradingideen, Musterdepots, einen direkten Austausch mit unseren Börsen-Experten in einem speziellen Stream und spannende Tools wie den Formel-Editor oder den Aktien-Screener. Auch stock3 PLUS ist inklusive. Jetzt PROmax 14 Tage kostenlos testen!

Passende Produkte

WKNLong/ShortKOHebelLaufzeitBidAsk
GH75CCShort9,088 Fr0,09open end
PE0NGBShort2,398 Fr0,46open end
GZ4D9DLong0,528 Fr2,93open end
HC4RH2Short2,794 Fr0,38open end
Zur Produktsuche

Keine Kommentare

Sie wollen kommentieren?

Die Kommentarfunktion auf stock3 ist Nutzerinnen und Nutzern mit einem unserer Abonnements vorbehalten.

  • für freie Beiträge: beliebiges Abonnement von stock3
  • für stock3 PLUS-Beiträge: stock3 PLUS-Abonnement
Zum Store Jetzt einloggen

Das könnte Sie auch interessieren

Über den Experten

Oliver Baron
Oliver Baron
Experte für Anlagestrategien

Oliver Baron ist Finanzjournalist und seit 2007 als Experte für stock3 tätig. Er beschäftigt sich intensiv mit Anlagestrategien, der Fundamentalanalyse von Unternehmen und Märkten sowie der langfristigen Geldanlage mit Aktien und ETFs. An der Börse fasziniert Oliver Baron besonders das freie Spiel der Marktkräfte, das dazu führt, dass der Markt niemals vollständig vorhersagbar ist. Der Aktienmarkt ermöglicht es jedem, sich am wirtschaftlichen Erfolg der besten Unternehmen der Welt zu beteiligen und so langfristig Vermögen aufzubauen. In seinen Artikeln geht Oliver Baron u. a. der Frage nach, mit welchen Strategien und Produkten Privatanleger ihren Börsenerfolg langfristig maximieren können.

Mehr über Oliver Baron
  • Anlagestrategien
  • Fundamentalanalyse
  • Value Investing und Momentum-Ansatz
Mehr Experten
Genau hinschauen lohnt sich: stock3-Talk zu SVB, Credit Suisse & CoHarald Weygand und Sascha Gebhard können gemeinsam etwa 40 Jahre Börsenerfahrung verzeichnen. Kein Wunder, dass sie zur aktuellen Lage rund um angeschlagene Banken, erhöhte Zinsen und Co. einiges zu sagen haben. Finde im exklusiven Livestream am 30. März gemeinsam mit ihnen heraus, was die Zukunft bringen könnte.Schließen