Expertenkommentar

QE extrem: Übertreibt es die Bank of Japan mit ihren Aktienkäufen?

Die japanische Notenbank kauft Aktien in atemberaubenden Tempo. Das kann so nicht weitergehen, sagt inzwischen auch der Chef der Tokioter Börse.

Erwähnte Instrumente

  • Nikkei225 - WKN: 969244 - ISIN: XC0009692440 - Kurs: 21.199,96 Pkt (Commerzbank CFD)
  • Fast Retailing Co. Ltd. - WKN: 891638 - ISIN: JP3802300008 - Kurs: 271,124 € (Lang & Schwarz)

In der Bilanz der Notenbank fallen die gekauften Aktien fast nicht auf. Die Bilanzsumme ist inzwischen so groß, dass die 150 Mrd. Dollar an Aktien kaum ins Gewicht fallen (Grafik 1). Den Löwenanteil machen immer noch Staatsanleihen aus.

Seit Einführung der Zinskurvenkontrolle vor einem Jahr muss die Notenbank allerdings nicht mehr so viele Anleihen kaufen wie früher. Die Notenbank kauft derzeit Anleihen mit einer Jahresrate, die 250 Mrd. Dollar unter der Zielgröße liegt, welche sie sich selbst gegeben hat. Je weniger Anleihen gekauft werden, desto mehr fließt in den Aktienmarkt – zumindest gewinnt man diesen Eindruck.

Kaufte die Notenbank noch vor drei Jahren Aktien mit einer Jahresrate von 10 Mrd. Dollar, sind es heute schon 54 Mrd. Das gleicht die zurückgehenden Anleihekäufe nicht aus, schwächt den Rückgang aber ein wenig ab. Das scheint der BoJ wichtig zu sein.

Kritik an den Aktienkäufen über ETFs gibt es schon lange. Die BoJ hält aber an ihrem QE Programm fest. Sie ließ zwar durchblicken, dass es eventuell vorstellbar ist, die ETF Käufe zu verringern, bevor 2 % Inflation erreicht sind, doch einen greifbaren Plan gibt es dafür nicht.

Das wird für viele zum Problem. Die Notenbank hält zwar „nur“ ca. 2,4 % des gesamten Aktienmarktes (Grafik 2), doch der Teufel steckt im Detail. 2,4 % ist eigentlich noch nicht erschreckend viel. Im Einzelfall gilt das jedoch nicht. Die Notenbank kauft vor allem ETFs, die den Nikkei und Topix abbilden. Die Käufe sind also konzentriert.

Erschwerend kommt hinzu, dass einige Unternehmen nur einen geringen Free Float haben. An vielen Unternehmen halten einzelne Großaktionäre einen signifikanten Anteil. Diese Aktien sind nicht im freien Handel verfügbar. So gibt es etwa 106 Mio. Aktien der Fast Retailing Company. Wirklich verfügbar sind aber nur 57 Mio. Davon scheint die Bank of Japan inzwischen über 50 % zu halten.

Obwohl die BoJ weniger als 3 % vom Gesamtmarkt besitzt, hält sie von Einzeltiteln teilweise sehr viel und ist bisweilen der größte Aktionär. Geht die Kaufstrategie so weiter wie bisher, würde die BoJ bei einigen Unternehmen in den kommenden Jahren fast zum Einzelaktionär. Der Free Float wird praktisch komplett aufgesogen. Fast Retailing würde bis auf den Anteil der Gründer dann komplett der BoJ gehören.

Die Aktie von Fast Retailing hat sich seit Beginn der BoJ Käufe mehr als verdreifacht. Zwischenzeitlich lag der Faktor sogar bei 6. Inzwischen hat die Aktie korrigiert, doch das KGV liegt noch immer 50 % über dem Markt. Das Unternehmen wächst zwar, doch so ganz kann man nicht von der Hand weisen, dass auch die BoJ zu der Bewertung beiträgt.

Je mehr Free Float durch die BoJ Käufe vom Markt verschwindet, desto volatiler dürften einzelne Aktien werden. Am Ende, wenn kaum noch Free Float vorhanden ist, kann der Kurs einer Aktie vollkommen losgelöst von den fundamentalen Gegebenheiten durch die Decke gehen. Die BoJ kann das nicht verhindern, solange sie ETFs und nicht Einzelaktien kauft. Nachhaltig ist das nicht.

Clemens Schmale

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13 / 18 Kommentare

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  • 1 Antwort anzeigen
  • Marco S.
    Marco S.

    es wird noch einige jahre ins land gehen. aber es wird kommen. dann kann ich im garten wieder Kartoffeln anbauen. und wenn es durch krieg verursacht wird. Geschichte wird sich immer wiederholen. damals zu Weimarer Zeiten haben die Staaten gespaart usw. dadurch ist alles gecrasht. heute wird das Experiment umgedreht. wird auch crashen. weil der mensch einfach zu gierig ist. nimm einem Drogenabhängigen seine Drogen weg. gleiche Wirkung.

    20:26 Uhr, 13.10.2017
    1 Antwort anzeigen
  • Marco S.
    Marco S.

    irgendwann wird es crashen. warte ab. dann ist auch die Notenbank machtlos.

    20:23 Uhr, 13.10.2017
  • satyrsabra
    satyrsabra

    Die Antwort auf die Frage ob die BoJ das weiterhin kann, bei Geldschöpfung aus dem nichts und unproblematischen Verlustbuchungen(Zentralbanken können nicht pleite) gehen, ist ja ; sie wird es tun um die Inflationsrate auf indirekten Weg zu steigern.

    20:01 Uhr, 13.10.2017
  • Marco S.
    Marco S.

    Wenn die Banken das Geld nicht an die Bevölkerung weiter gibt lassen die Notenbanken sich einiges einfallen. Wenn der Markt irgendwann wieder Crasht geben sie die ETFs usw. am Tiefspunkt wieder in den Markt und fertig.BOJ lässt dann einfach die Verluste verschwinden -fertig mit dem Gelddrucken. so machen das alle Notenbanken. Es hat mal jemand gesagt die Notenbanken können keine Verluste fahren !!! so ist es !

    19:57 Uhr, 13.10.2017
    1 Antwort anzeigen
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Über den Experten

Clemens Schmale
Clemens Schmale
Finanzmarktanalyst

Clemens Schmale hat seinen persönlichen Handelsstil seit den 1990er Jahren an der Börse entwickelt.

Dieser gründet auf zwei Säulen: ein anderer Analyseansatz und andere Basiswerte. Mit anders ist vor allem die Kombination aus Global Makro, fundamentaler Analyse und Chartanalyse sowie Zukunftstrends gemeint. Während Fundamentaldaten und Makrotrends bestimmen, was konkret gehandelt wird, verlässt sich Schmale beim Timing auf die Chartanalyse. Er handelt alle Anlageklassen, wobei er sich größtenteils auf Werte konzentriert, die nicht „Mainstream“ sind. Diese Märkte sind weniger effizient als andere und ermöglichen so hohes Renditepotenzial. Sie sind damit allerdings auch spekulativer als hochliquide Märkte. Die Haltedauer einzelner Positionen variiert nach Anlageklasse, beträgt jedoch meist mehrere Tage, oft auch Wochen oder Monate.

Rohstoffe, Währungen und Volatilität handelt er aktiv, in Aktien und Anleihen investiert er eher langfristig. Die Basiswerte werden direkt – auch über Futures – oder über CFDs gehandelt, in Ausnahmefällen über Optionen und Zertifikate.

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