Expertenkommentar

ETF-Simulation: Einmalanlage oder Sparplan?

In drei Zeitabschnitten simuliere ich einen 100,00 EUR - Sparplan auf den DAX gegen eine Einmalanlage. Mit spannenden Ergebnissen.

Erwähnte Instrumente

Vorgehensweise: Für drei Zeiträume habe ich einen fiktiven DAX-ETF zu 100,00 EUR je Anteilsschein erstellt, sodass der Einfachheit halber mit Beginn der Sparphase für 100,00 EUR genau 1 Anteil am DAX gekauft worden wäre. In diesem kleinen Experiment arbeitet mein ETF in einem nahezu perfekten Umfeld.

  • Der DAX-Index wird 1:1 abgebildet, es entsteht kein Tracking-Error zur Benchmark.
  • Es fallen keine Verwaltungsgebühren und keine Transaktionskosten an.
  • Da der simulierte ETF den DAX-Performance-Index abbildet, sind die Dividenden der DAX-Unternehmen bereits enthalten.
  • Es findet keine steuerliche Berücksichtigung von Erträgen statt.

Die Einzahlungen in den Sparplan und die Rendite- sowie Verlustmessungen erfolgen auf Monatsbasis. Bei der Gegenüberstellung von Sparplan und Einmalanlage unterstelle ich, dass bei der Einmalanlage der gleiche Sparbetrag, der über die monatlichen Einzahlungen im Laufe der Zeit angespart wird, theoretisch zu Beginn zur Verfügung gestanden hätte. Das investierte Sparvermögen ist daher in Summe immer gleich.

Sparplan vs. Einmalanlage Januar 2000 – August 2018

Sparplan

Einmalanlage

Fondsanteile

249,34

224

Sparvermögen

22.400 EUR

22.400 EUR

Gesamtvermögen

45.319,03 EUR

40.714,12 EUR

Rendite

102,32 %

81,76 %

Maximaler Verlust

-46,43 %

-68,29 %

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ETF-Simulation-Sparplan-oder-Einmalanlage-Kommentar-Jakob-Penndorf-GodmodeTrader.de-2

Gleich in unserem ersten Zeitraum schlägt der Sparplan die Einmalanlage deutlich – und das auf mehreren Ebenen.

Nicht nur die Gesamtrendite des Sparplans wäre höher gewesen, sondern diese Rendite wäre auch bei einem niedrigeren Draw-Down (maximalem Vermögensverlust) erreicht worden. Die Erklärung dafür ist schnell gefunden. Der Einmalanleger wäre zu Beginn der Investitionsphase sofort mit seinem kompletten Kapital in die schwierige Marktphase (2000-2003) geraten. Der Sparplananleger hätte diese Phase zu Beginn hingegen nicht so stark bemerkt, da die negativen Renditen des Marktes die regelmäßigen positiven Einzahlungen erst ab einem höheren Gesamtvermögen spürbar tangieren.

Getoppt wird dieses Ergebnis aber von der Gesamthöhe der in diesem Zeitraum erworbenen Fondsanteile. Durch den Cost-Average-Effekt und die zugegebenermaßen für diese Strategie sehr günstigen Auf- und Abschwünge des DAX in der Phase 2000-2008 konnte der Sparplananleger für das gleiche Sparvermögen mehr Fondsanteile kaufen. Das dürfte langfristig den Vorsprung gegenüber der Einmalanlage weiter ausbauen.

Wie wir noch sehen werden, ist das reine Vorhandensein des Cost-Average-Effekts in bestimmten Marktphasen jedoch kein gültiger Beweis dafür, dass eine Sparplanstrategie grundsätzlich die bessere Investmentstrategie gegenüber der Einmalanlage ist.

Sparplan vs. Einmalanlage Januar 2007 – August 2018

Sparplan

Einmalanlage

Fondsanteile

123,34

141

Sparvermögen

14.100 EUR

14.100 EUR

Gesamtvermögen

22.571,71 EUR

27.475,91 EUR

Rendite

60,08 %

83,00 %

Maximaler Verlust

-21,22 %

-52,35 %

ETF-Simulation-Sparplan-oder-Einmalanlage-Kommentar-Jakob-Penndorf-GodmodeTrader.de-3
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Wie hätten sich ein Sparplan oder eine Einmalanlage verhalten, wenn man kurz vor der Finanzkrise in den DAX-ETF investiert hätte?

Das Ergebnis ist auch hier überraschend. Denn trotz der starken Abschwünge in 2008 und 2011 konnte die Einmalanlage sich gegen den Sparplan behaupten. Es wurde eine höhere Gesamtrendite erzielt und es konnten mit dem Gesamtvermögen von 14.100 EUR auch insgesamt mehr Fondsanteile erworben werden. Dies dürfte langfristig den Renditevorsprung weiter ausbauen. Der Preis für den Renditevorteil der Einmalanlage war eine deutlich höhere Volatilität mit starken Abschwungphasen, die bis zu 52,35 % des Vermögens ausmachen konnten.

Sparplan vs. Einmalanlage Januar 2015 – August 2018

Sparplan

Einmalanlage

Fondsanteile

42,21

45

Sparvermögen

4.500 EUR

4.500 EUR

Gesamtvermögen

4.903,28 EUR

5.227,87 EUR

Rendite

8,96 %

16,18 %

Maximaler Verlust

-3,76 %

-20,65 %

ETF-Simulation-Sparplan-oder-Einmalanlage-Kommentar-Jakob-Penndorf-GodmodeTrader.de-5
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Wie hätte sich eine Anlage verhalten, die Anfang 2015 gestartet worden wäre?

Nun immerhin stehen sowohl beim Sparplan als auch bei der Einmalanlage positive Vorzeichen vorm Ergebnis. Auch hier liegt die Einmalanlage wieder bei Rendite und Fondsanteilen vorne. Die höhere Rendite gibt es aber nur gegen einen höheren maximalen Verlust, der bei -20,65 % lag. Insgesamt fehlten in dieser Marktphase die notwendige Zeit und die entsprechenden Marktrücksetzer, damit der Sparplan einen Vorteil hätte herausarbeiten können.

Fazit: Einmalanlage oder Sparplan?

  1. Unabhängig vom Einstiegszeitpunkt war es in den letzten knapp 20 Jahren eine gute Idee in einen diversifizierten Aktienindex wie den DAX zu investieren.
  2. Mit einem Sparplan konnten auch kleine Beträge von dieser langfristig positiven Tendenz des Aktienmarktes über alle Krisen hinweg profitieren und teilweise höhere Endergebnisse erwirtschaften als große Einmalanlagen.
  3. Aber auch Anleger, die bereits über ein Sparvermögen verfügen, sollten sich anhand der Zahlen bestärkt fühlen breit gestreut in die Märkte zu investieren, immer natürlich mit einem Blick auf die zu erwartenden Risiken.
  4. Auffallend in diesem Experiment ist, dass die Sparpläne insgesamt bessere Risiko-Rendite-Profile aufweisen als die Einmalanlagen. Desto länger die Zeitreihen fortgesetzt werden, desto eher sollten sich diese Parameter an die der Einmalanlagen anpassen. Dennoch ein nicht uninteressanter Punkt, den es in weiteren Untersuchungen zu prüfen gilt.

Bei Fragen bin ich gerne behilflich!

Viele Grüße
Jakob Penndorf

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11 / 12 Kommentare

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  • Chronos
    Chronos

    Ohhh Jakob, es ist peinlich. Aussagen derart zu verdrehen.

    Zitat: "Das Ergebnis: Die Einmalanlage schlägt den Sparplan nahezu immer. "

    Dabei macht Herr Unger zumindest mit dem DAX die selben statistischen Datenfehler.

    1) Je älter das Zahlenmaterial, desto größer wird die Fehlerquote und die Toleranz (alleine spread und Gebühren).

    2) Je länger der Betrachtungszeitraum desto größer werden Systemfehler. Das Ergebnis komplett verfälscht, da sich Rechenfehler zumindest über die Laufzeit potenzieren.

    Wir könnten sonst auch gleich mit der Reichsmark und IG Farben anfangen.-)

    Wer hat noch Einstandskurse von einer : BASF, BAYER, BMW, Daimler, Dt.Bank, Dt.Lufthanse, Siemens, Adidas, Henkel, Beiersdorf? (mehr fallen mir adHoc nicht ein und das reicht auch, da damit sicher über 65% des DAX abgebildet werden) mit lückenloser Dividendenhistory?

    Die wären alle abgezahlt und daher ist eine derartige Auswertung nicht einmal akademisch sinnvoll.

    Das (habe ich von den Dino´s) Depotgebühren und gerade Spreads und Kosten damals sicher das zwanzigfache von heute betragen haben ist nur eines der fehlenden verstecken Fehler.

    Warum haben sich die Leute damals wohl effektive Stücke (die Aktien hatten noch einen Nennwert) in die Tresore gelegt und geschnippelt?

    Auch der Dow ist ein Newspaper-Index, sprich die Kurse hatte man als EoD rund eine Woche oder zumindest einige Tage später.

    Bei ETF´s trifft ja alleine die unerwähnte Vorabpauschale zukünftig jegliche Performance, vom Aufwand ganz zu schweigen!

    Daher ist die Diskussion darum vllt. noch zumindest unterhaltsam, aber wer bitte schön soll das nur halbwegs ernst nehmen?

    15:39 Uhr, 18.08.2018
  • andycare
    andycare

    Hallo Herr Penndorf,

    da ich interessanterweise exakt die selbe Betrachtung in den letzten Tagen gemacht habe, muss ich jetzt auch mal eine kleine Anmerkung los werden.

    Wie Mathematiker geschrieben hat, fehlt diesem Artikel leider ein wenig die Statistik. Es werden ja nur 3 diskrete Einstiegszeitpunkte / Zeithorizonte betrachtet. Ich habe ein Skript geschrieben, das über alle möglichen Einstiegszeitpunkte seit z.B. 1950 (je nach Datenverfügbarkeit) und Zeithorizonte (1 - 20 Jahre) in 1-Jahresschritten iteriert. Ausgewertet habe ich den Profit in % und den max. Drawdown in %. Die drei von Ihnen genannten Fallbeispiele kommen bei mir fast identisch raus (Daten habe ich von Stooq.com). Getestet habe ich NQ100, SP500, DAX30 und weitere.

    Das Ergebnis: Die Einmalanlage schlägt den Sparplan nahezu immer. Der über alle Einstiegszeitpunkte / Zeithorizonte gemittelte Profit ist bei der Einmalanlage deutlich größer und der gemittelte maximale Drawdown ist beim Sparplan nur leicht geringer, bzw. fast identisch. Nur bei ausgewählten Einstiegszeitpunkten (die man echt gut suchen muss), wie z.B. im Jahre 2000, hat der Sparplan die Nase vorne.

    Es gibt eigentlich auch eine völlig intuitive Erklärung dafür: Wann einen ein heftiger Rückschlag trifft ist nicht abzuschätzen. Über längere Zeit ist allerdings immer einer dabei. Der Sparplan schützt vor dem Drawdown nur am Anfang, wenn noch nicht viel investiert ist. Am Ende einer 20-jährigen Ansparphase trifft einen ein Rückschlag genauso, wie jemanden, der von Anfang an investiert war. Da der Gesamtmarkt im Mittel aber exponentiell wächst, verliert der Sparplan am Anfang einiges an Profit.

    Vielleicht haben Sie ja Zeit Ihre Betrachtung nochmal auszuweiten und das Ergebnis nachzuschärfen. Es würde mich freuen demnächst nochmal einen Artikel zu diesem Thema von Ihnen zu lesen.

    Viele Grüße

    Andreas Unger

    18:02 Uhr, 16.08.2018
    1 Antwort anzeigen
  • Chronos
    Chronos

    Hallo Jakob,

    ich finde die Aufspaltung ungelungen, warum ist mehrfach dargestellt.

    Auch der Vergleich mit automotive zieht nicht wirklich, die simulieren wenigstens aus der Branche die eigenen Produkte. So schlecht sind die Simulationen demnach auch nicht. Zumindest reicht es für Erlkönige und die Modelvarianten werden motortechnisch ja auch immer magerer, im wahrsten Sinne des Wortes. Auch in der Elektronik klappt eine Simu immer besser. Prototyp gemacht, Schwingungsverhalten angesehen, Field Try und gut.

    In der Finanzindustrie kenne ich leider die Rechnungen und auch die Gründe dafür (Provisionierung), auch kurzfristige HS auf unter 1-day-Basis. Da funktioniert es besser, da es leichter ist, das Wetter für einen Tag als für Wochen zu bestimmen. (woher kommt wohl mein nick?)

    Alleine daher ist der Zeitraum für einen backtest falsch gewählt, noch dazu im falschen Index.

    Sollte so eine Simu stimmen, MUSS sie auch mit einem CAC oder SMI stimmen.

    Ich kenne solche aufgerollten Vergangenheits-Checks selbst für das einzige Argument Cost-Average-Effekt, nur ist davon keine einzige eingetreten. Wenn Sie schon im Zeitraum 5-10 Jahre nicht stimmt, wie soll das rechnerisch eingeholt werden können? Wenn schon allein das Setup nicht stimmt. Ich simuliere eben keinen Traktor und will dann einen Roadster. Beides Cabrios, beides Zweisitzer.-)

    So arbeiten Versicherungen und beschäftigen ganze Abteilungen, die kennen vor allem die Ausfallquoten.

    Im Umkehrschluss kann man auch eine Immobilien-Finanzierung so berechnen (mit PAN; keine Gebühren, 100% Tilgungsoption -und möglichst kurzer Zinsbindung gegen Langfrist). Auch da habe ich die letzten 15 Jahre jede Wette gewonnen. Auch hier geben Profis nur privat zu, das meine Variante risikoärmer ist, als eine lange Bindung an einen festen Zins. Gelehrt wird das selten, oder gar nicht. Warum? Einfach weil anderes verkauft wird und die Provision umso höher ausfällt je länger der Vertrag läuft.

    Für den Erfolg braucht es Schweiß oder Arbeit. Ich sehe ja hier so gut wie alle Anfängerfehler.

    Meinen Sie, ich habe kein Lehrgeld bezahlt? Es gibt Basis-Invests und das richtige Timing dafür.

    Daher ist die Spaltung zwischen Fundi und Chartist grundsätzlich eine Glaubens- keine Wissensfrage.

    Wo ist den bitte der durchschnittliche EK bei einem Sparplan am Ende? Wenn das nicht ausgewiesen (gerechnet) wird, fehlen zwei Dinge: (ist es eine halbwegs brauchbare Anlage steigt der Buchkurs alleine durch Inflation ständig, selbst bei Gold)

    EK-Schnitt versus Risk.

    Und wo ist bitte eine Dividenden-Rendite bei einer ALV, (von mir aus ALVA für die Kinderdepots und um beim USD zu bleiben), MüRü nach 10 Jahren und das Risiko bei einem EK von 14€ oder 42€?

    Werte die sich bereits abbezahlt haben (teils durch lahmes Chargentrading (jawohl reines Charting) dürfen ja alleine mathematisch nicht mehr gerechnet werden, da Teiler mit 0 verboten sind.

    Das ist Praxis, für backtests (Theorie) bedarf es erstmal ein realistisches Setup und keinen Verkaufskatalog aus der Versicherungsbranche.

    Viel Erfolg!! - scheint noch ein langer Weg für Sie zu werden.

    16:25 Uhr, 16.08.2018
  • Jakob Penndorf
    Jakob Penndorf

    Hallo Chronos,
    vielen Dank für Ihre kontroverse Replik :-)

    Da sind einige Dinge Punkte enthalten, die - erlauben Sie mir die Formulierung - in der Argumentation etwas zusammengewürfelt sind und tendenziell gegen ETFs Position beziehen (als die hier vorgestellte Anlagestrategie).

    Lassen Sie mich daher einige Punkte aufgreifen bzw. in die "richtige" Schublade stecken.

    Nachfolgend meine Kommentare zu Ihren Punkten:

    1) Währungsformat: Mir ist leider nicht ganz klar, warum es einen Unterschied machen soll, ob ich als Währung auf ein (fiktives) indexiertes Instrument, dass die reine DAX-Perfomance abbildet Euro, DM oder Dänische Kronen draufschreibe... Die Grundlage des Backtests im Artikel ist der Index - kein reales Finanzinstrument. Um Ihrer Argumentation zu folgen, müsste ich davon ausgehen, dass die Deutsche Börse die Währungsumstellung DM-EUR im DAX falsch berechnet hat.
    Zu 2) kann ich leider nichts zu sagen. Ich vertraue hier auf die Daten des Index-Anbieters.
    3) Einen Sparplan als Bauernopfer zu bezeichnen halte ich für falsch. Es ist sicher ein Unterschied, ob man vor der Frage Einmalanlage oder Sparplan steht oder ob man nur die Möglichkeit hat, in einen Sparplan zu investieren, da noch kein Vermögen vorhanden ist.
    Grundsätzlich stimme ich Ihnen zu, ist die Einmalanlage aus den von Ihnen und mir zusammengetragenen Punkten zu bevorzugen. Interessanterweise gab es jedoch diese Marktphase, in denen der Sparplan besser gewesen wäre, das hat mein Backtest gezeigt. Wobei eben eine Schwalbe noch keinen Sommer macht. :-)
    4) Steuerliche Betrachtungen sind immer eine Herausforderung für einen Backtest, da sich die Gesetzgebung regelmäßig ändert. Diese zu berücksichtigen wäre ein großer Aufwand und wird auch von Kollegen im PM so gut wie nie in Kalkulationen involviert.
    5) Einen iShares Core DAX® UCITS ETF gibt es bereits seit dem Jahr 2000. Die Breite des ETF-Marktes stand aber erst später Privatanleger zur Verfügung, das ist korrekt. Dennoch können wir ja anhand der Index-Daten zurückschauen und feststellen, dass sowohl eine Einmalanlage als ein Sparplan auf einen Index-Basket grundsätzlich eine gute Idee war.

    Einzelwerte-Depot: Ihre Annahme unterstellt, dass ein Anleger ein Einzelwerte-Depot managt, das bessere oder vergleichbare Renditen wie der Index erzielt. Tatsächlich liegen in der Realität die meisten Depots unter der Benchmark, Ausnahmen vorbehalten. Es winken zwar auf der Einzeltitel-Seite höhere Renditen, aber kaum jemand schafft diese risikoadjustiert abzuschöpfen. Wie gesagt, Ausnahmen bestätigen die Regel - aber daraus eine allgemeine Empfehlung für Einzeltitel auszusprechen, halte ich für gewagt. Man schaue sich alleine die Zusammensetzung des DAX vor der Finanzkrise und heute an. Ein Anleger müsste den Aufstieg und Abstieg einzelner Unternehmen tracken und umsetzen - spätestens für einen Sparplan sicher keine geeignete Methode.

    Ist der DAX ein finanzlastiges Basket: Nun im DAX sind 16% Titel aus dem Finanzsektor enthalten. Zum Vergleich, im Euro Stoxx 50 19,6%, Dow Jones 15,5%, MSCI World 16,6%... Ich denke das liegt im Durchschnitt, wie der DAX konstruiert ist. Wer keine Finanztitel mag, kann auch einen DAX ex Financials als ETF kaufen.

    Home-Bias-Argument - OK. Ein ordentliches Portfolio ist breit gestreut, am besten global. Hier geht es aber nicht um einen Entwurf zur Asset-Allokation, sondern um eine technische Betrachtung der Anlagestrategie.

    Herzlichen Dank nochmals für Ihre Punkte und die spannende Diskussion! :-)
    Viele Grüße
    Jakob Penndof

    09:44 Uhr, 16.08.2018
    1 Antwort anzeigen
  • Chronos
    Chronos

    Die Simulation ist von vorne bis hinten nicht nur akademisch, sondern auch statistisch falsch und inhaltlich komplett unbrauchbar. Selten so einen miserablen backtest gesehen.

    1) Einmal braucht es Zyklen in einem einheitlichen Währungsformat. Sprich Historie max. ab Euro-Einführung.

    2) Das mit einem Performance-Index zu machen ist wohl einer der schlimmsten Anfängerfehler.

    Der P-DAX hat Rechenfehler die gegen den Anleger laufen, diese positiv auszuweisen ist grob fahrlässig.

    3) Lockt man mit Cost-Average-Effekt nur Anfänger und Bauernopfer. Ich habe viele Bücher und Abhandlungen darüber gelesen und vor allem Profis gefragt, warum sie im Marketing (nix anders ist das) immer noch mit so Taschenspielertricks arbeiten. In ROI-Kalkulationen würde man damit in den ersten Minuten des Platzes verwiesen!

    Die Einmalanlage ist hier sehr klein, selbst kreditfinanziert, holt man das Sparmodell ein. Gebührentechnisch und in der Performance (alleiniger Buchkurs). Die Einmalanlage kann von Anfang an mit der Kapitalstärke und zweitens mit der Wiederanlage arbeiten, was nur leider bei deutschen Aktien schwierig ist, da die thesaurierenden Beträge einfach sehr klein sind. Wie soll das bei einem Sparplan alleine chronologisch (zeitlich) funktionieren, da wirksame Erträge erst am Schluß entstehen!

    4) Verbietet sich ein Vergleich schon allein aus steuerlichen Gründen, da sich die Grundlagen geänderten haben (Stichwort Altlasten)

    5) Wie lange gibt es ETF´s? Sicher nicht im abgebildeten Zeitraum, der Umstieg von Fonds zu ETF´s ist ebenfalls nicht kostenneutral.

    Grundlagen: Ein halbwegs diversifiziertes Einzelwerte-Depot wirft (ohne Altlasten vor 2008) eine gebührenfreie Dividendenrendite von rund 4% ab (der Dax 2018 bis Mai nur rund 3,3 Prozent), dies nach Steuer und Kosten.

    Selbst ein ETF hat hier nur Kosten vor Steuer plus Verwaltungsaufwand und Gebühren.

    Das ein Index-Invest auf einen Bank lastigen und Technologie armen Markt mit Homebias keine wirklich gute Idee ist, darf nebenbei auch noch hinterhergeworfen werden.

    21:55 Uhr, 15.08.2018
  • Mathematiker
    Mathematiker

    Das Sparpläne bei kürzeren Laufzeiten bei den Renditen hinterherhängen wundert mich nicht. Langfristige Aspekte zeigen sich insbesondere beim ersten Beispiel. Interessant wäre gewesen, Sparpläne und Einmalanlagen mit gleicher Laufzeit und unterschiedlichen Startpunkten zu benutzen, also 1990-2010, 1991-2011 in 20 Jahren Abständen und dann noch mit 10 Jahren.

    Was man hier aber nicht vergessen sollte, ist die Kostenseite, sprich die Gebühren für einen Sparplan bzw. die steuerliche Belastung bei Einmalanlage. Ohne diese Faktoren wird bzw. kann die Betrachtung enorm verzerrt werden, dass habe ich bei eigenen Simulationen bei meinen Anlagestrategien festgestellt.

    Aber wie immer von Ihnen ein interessanter Artikel...

    09:34 Uhr, 15.08.2018
    1 Antwort anzeigen
  • Wolfi81
    Wolfi81

    Interessante Beispiele, die aber vernachlässigen, dass der Einmalanleger quasi länger investiert ist. Ein fairer Vergleich wäre, wenn das im Sparplan nicht sofort angelegte Kapital z.B. als Tagesgeld verzinst angelegt worden wäre.

    21:51 Uhr, 14.08.2018
    1 Antwort anzeigen
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Über den Experten

Jakob Penndorf
Jakob Penndorf

Jakob Penndorf teilt seit 2015 seine Expertise als Finanz- und Tradingexperte auf GodmodeTrader und Guidants, den Finanzportalen der BörseGo AG. Er startete seine Karriere als Börsenhändler und Analyst bei einer Wertpapierhandelsbank, war Berater und Fondsmanager für Asset Manager in Frankfurt am Main und Gründer eines Finanztechnologie-Unternehmens in Berlin. Jakob Penndorf hat zahlreiche Lehrgänge absolviert, u.a. ist er akkreditierter Berater der namhaften Investmentgesellschaft Dimensional Funds Advisors (DFA) aus den USA, deren Vorstand und Verwaltungsrat führende Finanzforscher wie Kenneth French, Roger Ibbotson oder Eugene Fama angehören. Jakob Penndorf veröffentlichte zahlreiche Fachartikel über Börsenstrategien, Anlegerverhalten und technische Handelssysteme. Er trainiert Unternehmer, Börsenhändler und Investoren im Umgang mit Risiken an den Finanzmärkten.

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