Fundamentale Nachricht
11:02 Uhr, 05.02.2015

Chinesische Notenbank greift der schwachen Konjunktur unter die Arme

Die People's Bank of China (PBOC) senkte am Mittwoch den Mindestreservesatz, den Banken in Form von Einlagen bei ihr halten müssen. Der Zeitpunkt ist überraschend. Doch die Währungshüter sehen die Notwendigkeit, der schwachen Konjunktur und abbröckelnden Kreditvergabe der Banken zu begegnen.

Peking (BoerseGo.de) - Die Notenbank in China hat am Mittwoch ihre Geldpolitik überraschenderweise recht zügig erneut gelockert. Die People’s Bank of China (PBoC) senkte den Mindestreservesatz, den Banken in Form von Einlagen bei der Zentralbank halten müssen, um 50 Basispunkte und gibt damit dem Finanzsektor die Möglichkeit, einen größeren Anteil der liquiden Mittel für die Kreditvergabe zu verwenden. Insofern muss der Schritt zur Wachstumsstimulierung gedacht sein, was letztlich als klares Indiz dafür zu werten ist, dass Peking, mit der aktuellen Dynamik nicht zufrieden ist. Eine üppigere Liquiditätsversorgung soll hier Abhilfe verschaffen.

Mit Wirkung zum heutigen 05. Februar gilt demnach nun ein Reservesatzsatz von 19,50 Prozent. Für kleinere, regionale Banken wurde der Mindestreservesatz um zusätzliche 50 Basispunkte reduziert. Die „Agricultural Development Bank of China“ profitiert von einer zusätzlichen Reduktion von 400 Basispunkte. Bislang hat die PBoC zur Bereitstellung von Liquidität dieses Jahr hauptsächlich auf nicht traditionelle Liquiditätsinstrumente zurückgegriffen wie Kreditfazilitäten und Repo-Reverse-Geschäfte.

Trotz der sich zuletzt stabilisierenden Wirtschaftsaktivität in China bestehen besonders in den großen Industriesektoren weiterhin Überkapazitäten. Neben dem Ziel, der nachlassenden Wachstumsdynamik zu begegnen, dürfte die Notenbank aber auch die rückläufigen (Jahres-)Inflationsraten von zuletzt 1,5 Prozent im Blick haben. Die Risiken einer anhaltenden Disinflation - eine Folge von Konjunkturschwäche und Ölpreisverfall - sind nach wie vor evident.

Ferner teilte die Regierung am Dienstag mit, dass das Land im vierten Quartal 2014 mit 91 Milliarden Dollar den größten Kapitalabfluss seit vielen Jahren verkraften musste. Das verringert den Spielraum der Banken, neue Kredite zu vergeben. Die Lockerung der Reserveanforderungen zielt insbesondere auf eine Förderung der Kreditvergabe bei kleinen Betrieben ab. So wurde angekündigt, dass Banken, die Kleinunternehmen Mittel zur Verfügung stellen, zusätzliche Freiräume erhalten sollen.

Im Jahresverlauf rechnen Experten noch mit weiteren Reduzierungen des Mindestreservesatzes. Auf der Währungsseite dürfte der Schritt dazu beitragen, dass der chinesische Yuan zum US-Dollar tendenziell weiter leicht an Wert verliert.

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Über den Experten

Bernd Lammert
Bernd Lammert
Finanzredakteur

Bernd Lammert arbeitet als Redakteur seit 2010 bei der BörseGo AG. Er ist studierter Wirtschafts- und Medienjurist sowie ausgebildeter Journalist. Das Volontariat absolvierte er noch beim Radio, beruflich fand er dann aber schnell den Weg in andere Medien und arbeitete u. a. beim Börsen-TV in Kulmbach und Frankfurt sowie als Printredakteur bei der Financial Times Deutschland in Berlin. In seinen täglichen Online-Berichten bietet er Nachrichten und Informationen rund um die Finanzmärkte. Darüber hinaus analysiert er wirtschaftsrelevante Entscheidungen der obersten deutschen Gerichte für eine Finanzagentur. Grundsätzlich ist Bernd Lammert der Ansicht, dass aktuelle Kenntnisse über die Märkte sowie deren immanente Risiken einem keine Erfolge schlechthin garantieren, aber die Erfolgschancen deutlich erhöhen können.

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