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Traden mit ETFs: Bis zu 30% Steuern sparen?

ETFs sind vor allem als Langfristinvestition bei Anlegern sehr beliebt. Aber man kann "Exchange Traded Funds" auch kurzfristig handeln - und dabei sogar steuerliche Vorteile einheimsen!

Erwähnte Instrumente

Die Besteuerung von Fonds wurde 2018 im Investmentsteuergesetz geändert. Die vorher recht komplexen Regeln wurden etwas vereinfacht. Details können Sie hier nachlesen.

Was vielen Tradern auch heute noch nicht bewusst sein dürfte, ist ein steuerliches "Goodie", das der Gesetzgeber einbaute.

Steuern sparen im kurzfristigen Handel mit ETFs - es ist wirklich so!

Hintergrund ist, dass Fonds seit der Reform des Gesetzes inländische Dividenden versteuern müssen (Kursgewinne aber nicht!). Auch können seither Anleger Quellensteuern auf die ausgeschütteten ausländischen Erträge des Fonds im Rahmen der Steuererklärung nicht mehr anrechnen lassen.

Um dafür einen Ausgleich zu schaffen, wurde die sogenannte "Teilfreistellung" eingeführt. 30 % der Erträge mit den Fonds sind steuerfrei. Voraussetzung dafür ist lediglich, dass der Aktienanteil im Fonds mindestens 50 % beträgt.
Es kommt nun auf die Struktur der erwirtschafteten Erträge an, ob man dadurch wirklich Steuern spart.

Denn bei Dividenden gibt es durch die 15 %ige Vorabbesteuerung im Fonds kaum einen steuerlichen Spareffekt.

Die Kursgewinne sind der Steuer-Turbo, nicht die Dividenden

Aber anders sieht es mit Kursgewinnen aus, denn diese kann der Fonds steuerfrei vereinnahmen. Je höher der Anteil an Kursgewinnen an der Gesamtperformance des Fonds, desto höher ist der Steuerspareffekt. Und es ist wirklich eine Minderung der Steuerlast, nicht nur eine Stundung!

Wenn man alle anderen Faktoren ausblendet (Orderkosten, Spread) dann ist eine bis zu 30 %ige Steuerersparnis möglich.

Man stelle sich dazu einen Trade auf den DAX vor, der einen Monat läuft. In dem Beispiel-Monat soll der DAX 10 % zulegen und es fallen keine Dividenden an.

Eine Investition in einen DAX-ETF in Höhe von 100 TSD EUR würde dann brutto 10 TSD EUR Ertrag abwerfen. Der Besteuerung unterworfen würden aber nur 7 TSD EUR, da 30 % freigestellt sind.

Die Abgeltungsteuer hierauf lässt sich so berechnen: 26,375 % (Abgeltungsteuer plus Solidaritätszuschlag)* 7 TSD EUR= 1846,25 EUR.

Eine gleich hohe Investition in ein Indexzertifikat würde ebenso zu einem Brutto-Gewinn von 10 TSD EUR führen, die Abgeltungsteuer betrüge aber 2637,5 EUR.

(Die Berechnung berücksichtigt keine Ordergebühren und verfolgt nicht die Frage, ob die Spreads im ETF und Zertifikat gleich gut sind. Außerdem wird der Sparerfreibetrag ignoriert, derzeit 801 EUR jährlich für Ledige und 1602 EUR für Verheiratete).

Man sieht sofort: Es lohnt sich.

Auch die Spreads zeigen: ETF-Trading kann sehr sinnvoll sein

Da wir gerade beim DAX sind: Hier ist eine Liste von DAX-ETFs. Es gibt gar nicht besonders viele. Man erkennt auf dem Screenshot auch gleich: Die Spreads sind so gestaltet, dass man damit auf jeden Fall traden kann.

Diese Liste lässt sich hier live einsehen.

Zur Erläuterung: Thesaurierend bedeutet, dass Dividenden reinvestiert werden; ausschüttend heißt, dass die Dividendenzahlungen der im ETF befindlichen Unternehmen in regelmäßigen Abständen an die ETF-Halter weitergereicht werden.

Steuerlich ergibt sich dadurch außer einem Stundungseffekt kein Unterschied.

Ein anderes steuerliches Thema habe ich hier bewusst unterschlagen: die Vorabpauschale. Das ist ein fiktiver Ertrag als Grundlage für eine jährlich zu zahlende Steuer auf die Erträge aus Fonds, die aber insgesamt die Steuerlast nicht tangiert. Aufgrund der Art der Berechnung, die ich hier nicht weiter ausführe, fällt in 2022 keine Vorabpauschale an.

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Fazit: Traden mit ETFs macht Sinn!

Nicht nur spart man Steuern - der eine oder andere wird es auch nicht unangenehm finden, mit Sondervermögen statt Derivaten von Emittenten zu handeln. Im Zweifelsfall kann man so einen ETF dann eben auch mal viele Jahre liegen lassen.

Sicherlich ist aufgefallen, dass hier nur ETFs erwähnt wurden. Die Ausführungen gelten für aktiv gemanagte Fonds genauso. Sie sind nur deutlich teurer, was die Gebühren angeht.

Die laufenden Kosten eines DAX-ETF liegen im Bereich von 0,08 % bis 0,16 % p.a, während aktiv gemanagte Fonds sehr viel teurer sind, teil auch über 2 % p.a., plus Performance-Fee.
Wer einfach nur Indizes günstig handeln will, fährt mit ETFs am besten.

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Über den Experten

Daniel Kühn
Daniel Kühn
Chefredakteur

Daniel Kühn ist seit 1996 aktiver Trader und Investor. Nach dem BWL-Studium entschied sich der vielseitig interessierte Börsen-Experte zunächst für eine Karriere als freier Trader und Journalist. Seit 2012 leitet Daniel Kühn die Redaktion von stock3 (vormals GodmodeTrader)
Besondere Interessenschwerpunkte des überzeugten Liberalen sind politische und ökonomische Fragen und Zusammenhänge, Geldpolitik, Aktien, Hebelprodukte, Edelmetalle und Kryptowährungen sowie generell neuere technologische Entwicklungen.

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