Analyse
06:43 Uhr, 09.03.2026

Ölpreis +27 %: G7 erwägt Freigabe strategischer Reserven

Der Ölmarkt erlebt einen historischen Preissprung. Brent-Rohöl steigt am heutigen Morgen um rund 27 % auf 117,65 USD je Barrel, während der US-Referenzpreis WTI um etwa 28 % auf 116,62 USD klettert. Zeitweise überschreiten beide Sorten sogar die Marke von 119 USD.

Erwähnte Instrumente

  • ISIN: XC0009677409Kopiert
    Kursstand: 93,170 $/bbl. (JFD Brokers) - Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung
  • ISIN: XC0007924514Kopiert
    Kursstand: 91,381 $/bbl. (JFD Brokers) - Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung
  • Brent Crude Öl - WKN: 967740 - ISIN: XC0009677409 - Kurs: 93,170 $/bbl. (JFD Brokers)
  • WTI Öl - WKN: 792451 - ISIN: XC0007924514 - Kurs: 91,381 $/bbl. (JFD Brokers)

Damit steuern die Notierungen auf den größten Tagesanstieg der Geschichte zu. Bereits in der Vorwoche waren Brent um 27 % und WTI um 35,6 % gestiegen.

Der Auslöser ist die eskalierende militärische Auseinandersetzung zwischen den USA, Israel und Iran. Parallel bereiten sich die G7-Finanzminister laut einem Bericht der Financial Times darauf vor, eine koordinierte Freigabe strategischer Ölreserven zu diskutieren. Die Maßnahme würde über die Internationale Energieagentur organisiert und soll die Versorgung stabilisieren.

Hormus-Schock trifft Energiemarkt

Der Markt reagiert besonders sensibel, weil sich der Konflikt rund um die Straße von Hormus abspielt. Durch die Meerenge fließt normalerweise etwa ein Fünftel der weltweiten Ölversorgung. Angriffe auf Infrastruktur und erhöhte Sicherheitsrisiken haben den Tankerverkehr bereits spürbar verlangsamt.

Vor allem asiatische Abnehmer geraten unter Druck. Viele Raffinerien in der Region sind stark von Rohöl aus dem Nahen Osten abhängig. Analyst Vasu Menon von OCBC warnt: "Wenn die Ölflüsse durch die Straße von Hormus nicht bald wieder anlaufen, dürfte der Aufwärtsdruck auf die Preise anhalten.“

Die Angebotsseite verschärft die Situation zusätzlich. Irak und Kuwait haben begonnen, ihre Produktion zu drosseln, nachdem Exporte blockiert wurden. Die irakische Förderung aus den südlichen Ölfeldern ist laut Branchenquellen bereits um 70 % auf 1,3 Mio. Barrel pro Tag eingebrochen, da Rohöl nicht mehr exportiert werden kann. Lagerkapazitäten sind weitgehend ausgelastet.

Saudi-Arabien und Emirate im Krisenmodus

Auch andere Produzenten reagieren. Saudi Aramco bietet ungewöhnlicherweise kurzfristige Spotlieferungen an und hat rund 4,6 Mio. Barrel verschiedener Rohölsorten über seltene Ausschreibungen angeboten. Hintergrund ist eine massive Umleitung der Exportströme: Statt über den Persischen Golf wird ein wachsender Teil der Lieferungen über eine Pipeline zum Rotmeerhafen Yanbu geschickt.

Die Ausfuhren über diese westliche Route liegen derzeit bei rund 2,3 Mio. Barrel pro Tag und damit etwa 50 % über dem höchsten Monatswert seit 2016. Gleichzeitig steigt der Druck auf weitere Förderländer wie Saudi-Arabien oder die Vereinigten Arabischen Emirate, ihre Produktion zu drosseln, falls Transportwege weiter blockiert bleiben.

Zusätzliche geopolitische Unsicherheit bringt der Machtwechsel in Teheran. Nach dem Tod von Ali Khamenei wurde dessen Sohn Mojtaba Khamenei zum neuen obersten Führer ernannt. Beobachter interpretieren die Entscheidung als Zeichen für eine harte politische Linie. Analyst Satoru Yoshida von Rakuten Securities erwartet deshalb anhaltende Spannungen und sieht kurzfristig Ölpreise von 120 bis 130 USD je Barrel als möglich.

Selbst wenn der Konflikt rasch abklingen sollte, könnten die Folgen für den Energiemarkt länger anhalten. Beschädigte Infrastruktur, gestörte Logistikketten und erhöhte Versicherungs- und Sicherheitskosten könnten die Preise noch Wochen oder Monate hochhalten.

ANZ-Stratege Daniel Hynes warnt zudem vor strukturellen Produktionsausfällen: Sollten Förderländer gezwungen sein, Ölquellen komplett stillzulegen, könnte sich die Rückkehr zum Normalbetrieb deutlich verzögern.

Vor diesem Hintergrund wächst der politische Druck. In den USA fordert der demokratische Mehrheitsführer im Senat, Chuck Schumer, eine Freigabe der strategischen Ölreserve (SPR), um die Preisschocks abzufedern.

Fazit: Der schwarze Montag ist da! Öl ist die Triebfeder der Wirtschaft und es ist nicht knapp, aber nicht da wo es gebraucht wird. Es droht ein wirtschaftlicher Schock, den wohl nur Trump abwenden kann, wenn er sich kurzfristig auf Verhandlungen mit dem Regime im Iran einlässt.

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