Kommentar
09:50 Uhr, 25.07.2025

Noch belasten die Zölle vor allem die Unternehmen

Die von der Regierung Trump eingeführten Zölle haben die US-Staatskasse im zweiten Quartal bereits mit zusätzlichen 55 Mrd. USD gefüllt. Die Last dieser Abgaben tragen vorerst überwiegend nicht die Endverbraucher, sondern vor allem die Unternehmenslandschaft, speziell auch die amerikanische.

Deswegen ist die Inflationsrate bisher auch kaum gestiegen. Die Frage ist aber, wie lange das so bleibt.

Die neuen Zölle schlagen sich zunehmend in den Bilanzen der Konzerne nieder. Und hier sind auch viele US-Unternehmen betroffen.

Die Gewinnwarnungen häufen sich deswegen. General Motors (GM) gab bekannt, im zweiten Quartal mehr als 1 Mrd. USD an Zöllen auf Automobilimporte gezahlt zu haben. Stellantis, der Mutterkonzern der US-Marken Ram und Jeep, bezifferte die Belastung durch Zölle auf 350 Mio. USD.

Der Rüstungs- und Luftfahrtkonzern RTX, der Spielzeughersteller Hasbro und viele weitere, sie rechnen alle für das laufende Geschäftsjahr mit erheblichen Belastungen.

Die Inflationsrate zieht bei einigen Warengruppen wie Möbeln und Spielzeug zwar leicht an. Der Großteil der Kosten bleibt aber bislang bei den Unternehmen hängen.

"US-Firmen tragen immer noch den größten Teil der Zollrechnung und haben bisher nur einen Bruchteil der Kosten an die Verbraucher weitergegeben", so Preston Caldwell, Chefökonom für die USA bei Morningstar.

Anpassungen und Preiserhöhungen

Es ist ein Dilemma: Wer die Preise anhebt, um die gestiegenen Kosten zu kompensieren, riskiert im Wettbewerb Marktanteile zu verlieren. Viele zögern daher, die Belastungen weiterzugeben, solange die zukünftige Handelspolitik unsicher bleibt. Doch erste Konzerne kündigen nun Preisanpassungen an.

Nike etwa rechnet im laufenden Geschäftsjahr mit Gewinneinbußen von rund 1 Mrd. USD durch die Zölle. Finanzvorstand Matthew Friend kündigte daher "gezielte Preiserhöhungen" an, die im Laufe des Jahres die Verbraucher erreichen sollen.

Auch bei Hasbro dürften die Preise für Spielzeug steigen. "Normalerweise dauert es fünf bis acht Monate, bis ein Spielzeug von der Fabrik ins Regal kommt", erklärte CEO Chris Cocks. Bis dahin versuche das Unternehmen, die höheren Kosten durch Einsparungen, neue Lieferanten und Produktinnovationen auszugleichen.

Auch kleine Händler sind natürlich betroffen. "Es ist ein schmaler Grat zwischen dem Verlust von Kunden und dem Erhalt des eigenen Geschäfts", sagt zum Beispiele eine Rosenhändlerin.

Auch in der Schuhbranche, wo 99 % der in den USA verkauften Produkte importiert werden, werden Preiserhöhungen wahrscheinlicher.

Der Chef eines Branchenverbandes sagt dazu: "Ein Großteil der Auswirkungen wurde bisher von der Marke und dem Einzelhändler absorbiert, aber das können sie nicht ewig durchhalten".

Die jüngsten Handelsabkommen geben ein wenig Hoffnung auf Stabilität. Gelingt ein ähnlicher Deal wie mit Japan (15 % Zoll) könnte dies für Klarheit sorgen. Aber mit der Klarheit kommen dann vielleicht auch bald die Konsequenzen: breitere Preiserhöhungen auf Importgüter. Die Auswirkungen auf die Inflationsrate könnten sich bis weit ins Jahr 2026 erstrecken, von Zweitrundeneffekten ganz zu schweigen.

Umso widersprüchlicher ist der massive Druck Trumps auf die Fed, die Zinsen zu senken. Er sorgt selbst für den Inflationsdruck und behauptet dann öffentlich, es gebe kaum Inflation. Das stimmt nicht, und auch der Nachfolger von Jerome Powell wird diese Wahrheit vorfinden.

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