Kommentar
15:12 Uhr, 07.12.2012

Mid Cap Report: Gerry Weber im Rampenlicht

Lang ließ die Jahresendrally auf sich warten, nun scheint sie richtig Fahrt aufzunehmen. Gezielte Käufe institutioneller Investoren im Hinblick auf eine möglichst positive Jahresschlussbilanz sorgten für kräftige Kursgewinne an den Märkten. Dabei ließen sich die Anleger die Kauflaune auch nicht von widersprüchlichen Signalen von der Konjunkturfront verderben. Während sich der Auftragseingang in der deutschen Industrie im Oktober deutlich um 3,9 Prozent erhöhte, musste die Produktion im Verarbeitenden Gewerbe im gleichen Zeitraum den stärksten Rückschlag seit dreieinhalb Jahren verkraften. Experten hatten eine gegenüber dem Vormonat unveränderte Produktion erwartet. Den Window-Dressing-Aktivitäten der Fondsmanger tat dies jedoch keinen Abbruch. Dass die Investoren die Jahresschlussbilanz bei ihren Käufen im Blick haben dürften, zeigt auch die Tatsache, dass die bisherigen Jahresgewinner derzeit eher dazugekauft und die Verlierer 2012 tendenziell aus den Depots entfernt werden.

Einer der Nutznießer dieser kosmetischen Maßnahmen war auch die Aktie des Modeherstellers Gerry Weber, die mit einem Jahresplus von über 50 Prozent zu den stärksten Titeln im MDAX zählt. Neuen Auftrieb erhielt die Aktie auch durch die Meldung, wonach Unternehmensgründer Gerhard Weber weiterhin an der Spitze des Konzerns bleiben werde. Der Aufsichtsrat verlängerte den Vertrag des Vorstandsvorsitzenden vorzeitig bis Oktober 2014. Weber führt die Geschäfte des Modeherstellers seit der Gründung im Jahr 1973. Ursprünglich wäre der Vertrag des 71-Jährigen im Herbst des nächsten Jahres ausgelaufen. Offensichtlich macht dem Firmengründer das Geschäft derzeit richtig Spaß. Dabei scheint der Expansionskurs des Unternehmens mit 56 neuen Geschäften allein in diesem Jahr zunehmend Früchte zu tragen. In den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres stieg der Konzernumsatz um 13,9 Prozent auf 554,4 Millionen Euro. Das operative Ergebnis (EBIT) kletterte um 17 Prozent auf 66,7 Millionen Euro. Das Umsatzziel für das Geschäftsjahr 2011/12 wurde daraufhin von 795 auf 800 Millionen Euro bei gleichbleibender EBIT-Marge zwischen 14,5 und 14,6 Prozent erhöht.

Gerry Weber gehört zu den wenigen Unternehmen der Modebranche, die ihre Umsätze und insbesondere die Gewinne auch in der gegenwärtigen Eurokrise steigern können. Dabei konnte die Umsatzrendite in den vergangenen Jahren mehr als verdoppelt werden. Die gesamte Logistik wurde an externe Dienstleister vergeben und die Produktion auf kostengünstige Standorte verlagert. In den letzten Jahren wurde die IT zudem gezielt optimiert. Das zahlt sich jetzt aus, auch für die Aktionäre: Die Aktie zog nach der Vertragsverlängerung von Gerhard Weber kräftig an und erreichte im Wochenverlauf ein neues Jahreshoch. Obwohl die technischen Indikatoren wie der große Abstand zur 200-Tage-Linie eine leicht überkaufte Situation signalisieren, dürfte sich der Kursanstieg infolge der zu erwartenden Window-Dressing-Aktivitäten der Fondsmanger zum Jahresende hin tendenziell fortsetzen

Ralf Rockenmaier
Experte für Small-und Midcaps

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Über den Experten

Ralf Rockenmaier
Ralf Rockenmaier

Ralf Rockenmaier ist Mitgründer des Münchner FINANZEN-Verlags und langjähriges Mitglied der Chefredaktion von EURO am Sonntag. Er beschäftigt sich seit über 25 Jahren beruflich mit den Finanzmärkten. Als Partner eines Family Offices sowie Berater des Wikifolio-Depots „Selectplus Dynamics“ (WF23072001) konzentriert sich der erfahrene Portfolio-Manager heute vor allem auf aussichtsreiche Small Caps. Regelmäßige Besuche von Unternehmen und Branchenkonferenzen, die ganztägige Beobachtung der Märkte sowie ein umfangreiches Netzwerk bilden das Grundgerüst für eine erfolgreiche Anlagestrategie. Im Rahmen der Selectplus-Strategie stellt Ralf Rockenmaier aussichtsreiche Werte aus dem Mid und Small Cap-Bereich vor. Durch die Auswertung von Analysen, Nachrichten und außerbörslichen Aktivitäten wie Blocktrades sowie Momentum- und Chartsignalen werden attraktive Aktien herausgefiltert. Aufgrund der Fokussierung auf kleinere Werte eignet sich die Strategie für erfahrene und risikofreudige Anleger, wobei die Kursrisiken durch die strikte Einhaltung von Stop-Loss-Limits begrenzt werden. Offenlegung gemäß §34b WpHG wegen möglicher Interessenkonflikte: Der Ersteller und die für die Erstellung der Finanzanalyse verantwortliche Gesellschaft könnten in folgenden Geschäftsbereichen aus finanziellen Interessen Interessenkonflikten unterliegen: Finanzportfolioverwaltung: Es besteht das finanzielle Interesse, Interessenten und Kunden für einen Erwerb des beworbenen Wikifolio-Zertifikats zu gewinnen. Die im Rahmen einer fiktiven Depotverwaltung erhobene Performance-Gebühr, die von der Höhe des verwalteten Depotvermögens abhängt und den Kursstand des Zertifikats bedingt (High-Watermark-Prinzip), fließt der Gesellschaft zu.

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