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Kreditvergabe in der Eurozone könnte nach Bankenstresstest anziehen

Die Kreditvergabe in der Eurozone könnte nach Veröffentlichung der Ergebnisse des EZB-Bankenstresstests wieder anziehen. David Moss, Head of European Equities bei F&C Investments, erklärt warum.

Frankfurt (BoerseGo.de) - Nach der Veröffentlichung der Ergebnisse des Bankenstresstests der Europäischen Zentralbank (EZB) am kommenden Sonntag könnte auch die Kreditvergabe in der Eurozone wieder anziehen. Dieser Ansicht ist David Moss, Head of European Equities bei F&C Investments. „Viele Banken sind bei der Kreditvergabe restriktiver geworden, da dies der einfachste Weg ist, die Eigenkapitalquote zu stärken“, erklärt er. Daher dürfte mit dem Ende des EZB-Programms zur Aktiva-Prüfung auch eines der Haupthindernisse für die Vergabe von Bankkrediten in der Eurozone wegfallen.

Ziel des Stresstests ist es, alle potenziellen Risiken im Bankensektor der Eurozone zu verstehen, bevor die Europäische Zentralbank die Aufsichtspflicht für die 130 größten Banken der Eurozone übernimmt. Zu diesem Zweck hatten die Banken für mehrere Monate an einem Programm zur Überprüfung ihrer Aktiva teilgenommen, das die EZB mit Hilfe der Zentralbanken durchgeführt hat. Dabei wurden für jede Bank rund 12.000 Datenpunkte überprüft.

Moss hält die unter Investoren verbreitete Sorge für übertrieben, dass die Banken in der Region infolge des Stresstests umfangreiche Kapitalerhöhungen vornehmen werden. „Zweifellos werden einige Banken von der EZB zu Kapitalerhöhungen gezwungen werden. Aber das ist positiv zu sehen, da so das Bankensystem insgesamt gestärkt wird“, bewertet er die möglichen Maßnahmen. Der Experte schätzt außerdem, dass der Großteil der Kapitalerhöhungen nun bereits erfolgt ist. „Mit dem Stresstest stellt die EZB sicher, dass notwendige Kapitalerhöhungen stattfinden, bevor sie die Verantwortung für die Bankenaufsicht für die größten Banken der Eurozone übernimmt“, erklärt Moss. Damit werde die Unabhängigkeit der Regulierungsbehörde sichergestellt, die Transparenz erhöht und das Vertrauen in die Zahlungsfähigkeit der Banken in der Eurozone insgesamt gestärkt. Dies sei Teil des langfristigen Plans, die europäischen Institutionen zu harmonisieren und den Sektor in Richtung Bankenunion weiterzuentwickeln.

Der Experte erwartet, dass sich die Entwicklung einer solchen Union auf lange Sicht sowohl für die Banken als auch für die Volkswirtschaften als positiv erweisen wird. „Wenn die Aktien- und Anleiheinvestoren Vertrauen in die Unabhängigkeit und Qualität der Bankenaufsicht haben, dürften sich damit auch die Kapitalflüsse und die gegenseitige Finanzierung zwischen den europäischen Banken wieder beleben“, schätzt Moss. Damit dürften auch die Risikoprämien im Bankensektor sinken.

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Über den Experten

Bernd Lammert
Bernd Lammert
Finanzredakteur

Bernd Lammert arbeitet als Redakteur seit 2010 bei der BörseGo AG. Er ist studierter Wirtschafts- und Medienjurist sowie ausgebildeter Journalist. Das Volontariat absolvierte er noch beim Radio, beruflich fand er dann aber schnell den Weg in andere Medien und arbeitete u. a. beim Börsen-TV in Kulmbach und Frankfurt sowie als Printredakteur bei der Financial Times Deutschland in Berlin. In seinen täglichen Online-Berichten bietet er Nachrichten und Informationen rund um die Finanzmärkte. Darüber hinaus analysiert er wirtschaftsrelevante Entscheidungen der obersten deutschen Gerichte für eine Finanzagentur. Grundsätzlich ist Bernd Lammert der Ansicht, dass aktuelle Kenntnisse über die Märkte sowie deren immanente Risiken einem keine Erfolge schlechthin garantieren, aber die Erfolgschancen deutlich erhöhen können.

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