Kommentar
14:45 Uhr, 15.05.2015

Gold: Die Bären sitzen in der Falle...

Erreichen die völlig absurden Entwicklungen in unserem Finanzsystem jetzt etwa auch die Edelmetall-Märkte?

Ziemlich still war es in den vergangenen Monaten bei den Edelmetallen. Kein Wunder, schließlich hatte sich bei Gold und Silber seit Sommer 2013 so gut wie nichts mehr getan. In den langfristigen Kursverläufen ist bestenfalls ein zäher Seitwärtstrend erkennbar. Viele Anleger werden da vermutet haben, dass nur ein Test der 1.000-Dollar-Marke wieder Bewegung in den Goldpreis bringen würde.

Und jetzt das: Mit einer veritablen „Bärenfalle“ hat das Gold in dieser Woche all jene auf dem falschen Fuß erwischt, die auf weiter fallende Notierungen gesetzt hatten: Der Goldpreis ist nach oben ausgebrochen - einfach so, und ohne das zuvor groß anzukündigen. Auf dem Point & Figure Chart liegt ein erstes Kursziel jetzt bei 1.320 US-Dollar je Feinunze. Die folgende Abbildung zeigt das:

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Bemerkenswert ist das jüngste Lebenszeichen beim Gold insbesondere vor dem Hintergrund, dass die Edelmetalle während der Sommermonate traditionell in den „Winterschlaf“ fallen. Die folgende Grafik zeigt den Verlauf des Goldpreises im Jahresverlauf. Wie man sieht, tritt der Goldpreis seit 30 Jahren von Mai bis Juli auf der Stelle.

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Was ist diesmal also anders?

Die Vermutung liegt nahe, dass die völlig abnormalen Entwicklungen, die sich in unserem Finanzsystem an immer mehr Stellen zeigen, allmählich auch die Edelmetall-Märkte erreichen. Und da wichtige Entwicklungen an der Börse mit Vorliebe genau dann geschehen, wenn niemand damit rechnet, wäre es nur konsequent, wenn auch beim Gold die Dinge ausgerechnet dann in Bewegung kommen, wenn alle davon ausgehen, dass sich erstmal sowieso nichts tut. Also beispielsweise während der Sommerpause...

Vollbremsung...

Weil wir gerade von Dingen gesprochen haben, die erkennbar aus dem Ruder laufen: Sehen Sie sich in diesem Zusammenhang einmal die folgende Grafik an. Abgebildet ist die Geldumlaufgeschwindigkeit in den USA. Wie man sieht, hat dieser Indikator für wirtschaftliche Aktivität in den vergangenen Monaten eine veritable Vollbremsung hingelegt. Achten Sie auf die rote Linie. Die blaue Linie zeigt die Entwicklung der Geldmenge.

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Die Grafik lässt wenig Raum für Interpretationen: Obwohl die US-Notenbank die Geldschleusen weit aufgerissen hat, nimmt die Geldumlaufgeschwindigkeit immer weiter ab. Es gibt nur wenige Kursverläufe, die den völlig verrückten Zustand unseres Wirtschafts- und Finanzsystems auf einen einzigen Blick zutreffender charakterisieren.

Ein weiteres Problemfeld, das bezeichnenderweise derzeit kaum jemand auf der Rechnung hat, zeigt sich gerade bei den Staatsanleihen. Wir hatten in der vergangenen Woche darüber berichtet.

Der jüngste Absturz beim Bund Future wurde in dieser Woche in der Nähe der langfristig außerordentlich bedeutenden 200-Tage-Linie gestoppt. Das heißt, die Renditen zehnjähriger bundesdeutscher Staatsanleihen sind vorerst nicht weiter gestiegen. Die Bundesregierung kann weiterhin zu vergleichsweise niedrigen Zinsen Schulden machen. Jedenfalls vorerst.

Dass das dicke Ende nicht nur bei den Staatsanleihen erst noch kommt, das hat Egon von Greyerz im folgenden Interview mit King World News deutlich gemacht.

Der Schweizer Vermögensverwalter von Matterhorn Asset Management sagt:

„Meiner Ansicht nach wird ein sich beschleunigender Absturz der Bonds im Herbst beginnen. Das Problem ist, dass es jetzt keinerlei Liquidität gibt und die Zinsen steigen. Dies wird einen enormen Engpass schaffen, während Investoren in ETFs und anderen Fonds anfangen reinen Tisch zu machen. Im weiteren Verlauf dieses Jahres dürfen wir also Zeuge des unglaublichsten Liquiditätsengpasses überhaupt werden. Wenn das passiert, werden die Zentralbanken weltweit den Geldhahn aufdrehen. Die brutale Abwärtsspirale der Bonds und Aktien wird, begleitet von endlosem Gelddrucken, zu zusammenbrechenden Währungen und Hyperinflation führen“.

Sollte die Prognose zutreffen, dann wäre man gut beraten, die Edelmetalle einzusammeln, solange sie sich noch in der Nähe ihrer Zweijahrestiefs befinden. Gar nicht zu reden von den Minenaktien. Die kommen nämlich auch gerade in Schwung und wer den Sektor kennt, der weiß, dass dort nicht lange gefackelt wird:

Wenn es zur Sache geht, dann richtig...

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Zum Autor:

Andreas Hoose ist Chefredakteur des Antizyklischen Börsenbriefs, einem Service der BörseGo AG. Informationen unter www.antizyklischer-boersenbrief.de

100 Kommentare

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  • Chronos
    Chronos

    "Die kritische Größe ist, wie gut sind chinen. Statistiken."

    Vermute auch nicht viel schlechter als unsere (oft politisch in einer Richtung getriggerten)

    Hatte heute eine Überlegung, die ich schon im Studium hatte.

    Man nimmt aus der Zwiebel/Pyramide ein Altersscheibe. (egal welche decade, je jünger desto radikaler die Auswirkung und projektiert das auf die darauffolgenden 3-4 Dekaden) da wird sich

    die komplette Form verändern. Mir wäre sogar so gut wie klar wie. (der aber nach Sex getrennt werden muss, zumindest im zeugungsfähigem Alter)

    Bei China sehe ich einen Umkehrschluss zu RU und auch EU.

    Rentenversicherung fast egal, sie besteht aber auch schon seit 30 Jahren auf breiter Ebene.

    Die alten Chinesen sind aber bescheiden und kaufen nichts auf pump/credit und Pharma/Medizin ist billig. Das ändert sich mental nur mit der jetzigen Jugend.

    Total anders als bei uns. Und bei unserer Jugend werden Pensionen geschrottet und die Jugend lebt selbst bei Konsum auf credit.

    Würde mir da mehr um uns Gedanken machen, noch mehr Japan.

    Das schönste Land ist Kiwi/NZL, Singapore kann ich mir nicht vorstellen, HK auch nicht.

    Als Frau würde ich Asien wählen. Logisch. Als Mann BRA oder Cuba.

    Es wird aber weltweit mehr Biedermeier.

    Trockene Hitze geht noch, LFT killt alles, technische Geräte, Putz, Gebäude.

    Würde mir da mehr Gedanken um med. Versorgung machen, als um shopping/wellness/spa.

    Merci und eine schöne Zeit. Kommt ja wieder etwas Dynamik in den Markt.

    17:37 Uhr, 26.05.2015
  • 1 Antwort anzeigen
  • Bradley
    Bradley

    Guten Abend Sonnenschein, wenn ich die drei von Ihnen genannten "Spitzenpolitiker" nehme, dann sieht man doch das ganze "Dilemma" in Deutschland, was haben diese denn an den wirklichen Problemen, wie Gesundheitssystem, Rentensystem, Bildungssystem und Sozialsystem bisher angepackt, in Wirklichkeit gar nichts. Um die wirklichen "Zeitbomben" in Deutschland zu verschleiern wird eine Nebelkerze nach der anderen gezündet um die Bevölkerung von den wahren Problemen abzulenken. Als ein Beispiel nenne ich die "ADAC-Affäre", dabei ging es um manipulierte Zahlen hinsichtlich des beliebtesten Auto's des Jahres, dies interessiert keinen Menschen ob es nun 3400 oder 34000 dabei abgestimmt haben, aber es ist ein beliebtes Thema am "Stammtisch", dabei ist für ADAC-Mitglieder nur interessant, dass der Pannendienst funktioniert (diese Aussage stammt übrigens von dem bekannten Kabarettisten Volker Pisper). Ein anderes Bespiel wäre die PKW-Maut, bei der jedes Wort überflüssig ist.

    21:11 Uhr, 16.05.2015
    1 Antwort anzeigen
  • Bradley
    Bradley

    Wenn solche obskuren Vorschläge sogar von einem sogenannten "Wirtschaftsweisen" kommen, dann sollte man eigentlich die Zeichen der Zeit erkannt haben, diese sind, wie hier einige bereits geschrieben haben, dass das Verfallsdatum von unserem bisher gekannten Geld- und Finanzsystems ziemlich nahe ist. Denn wie sonst sollte man auf den Gedanken kommen, dass man ein System, nämlich dies des Bargeldes, dass seit mehr als 4000 Jahren Bestand hat, abschaffen zu wollen. Der einzige Grund der mir dazu einfällt, ist der, dass dies der letzte Strohhalm ist, denn die Zentralbanken und die Regierungen noch haben um ihr "marodes" Finanzsystem noch einige Jahre länger am Leben zu erhalten. Aber wer soll sich gegen solche "wahnwitzigen" Gedanken und vielleicht auch Taten stellen, nehmen wir das Beispiel der Bremer Landtagswahl, Wahlbeteiligung 50%, in Bremerhaven sogar nur 40%. Was lernen wir daraus, die Dinge werden ihren Lauf nehmen, da die Mehrheit der Bevölkerung in Deutschland gerade so über die Runden kommt und sich nicht mehr für die Politik interessier und dies vielleicht zu Recht, da alle Parteien mittlerweile in ihren Ansichten nahezu nicht mehr zu unterscheiden sind und wenn ich mich in die Lage eines Hartz IV-Empfängers oder eines "Aufstockers" oder eines Rentner der nicht weiß, wie er über die Runden kommen soll, versetze, dann verstehe ich dies auch. Ich befürchte, dass unsere schlimmsten Befürchtungen sich bewahrheiten werden und jeder, auch ich, sich in einigen Jahren fragen lassen muss, warum er gegen solch einen Irrsinn nicht auf die Straße gegangen ist, dann wird es aber zu spät sein. Zu meiner Schande muss ich leider auch gestehen, dass ich auch nicht "den Arsch in der Hose habe" dagegen aufzustehen und auf der Straße meinen Protest freien Lauf zu lassen, auch wenn ich dabei am Anfang wahrscheinlich damit ziemlich alleine dastehen würde und dafür schäme ich mich jetzt schon.

    20:35 Uhr, 16.05.2015
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  • Sonnenschein
    Sonnenschein

    Wer heute das Bargeld abschafft, tut sich bei einer kommenden Währungsreform - in mehrfacher Hinsicht - leichter ...

    Und auch ohne Währungsreform: Der Staat hat - ohne die Existenz von Bargeld - die vollständige Kontrolle auch über das Geldvermögen seiner Staatsbürger etc. ...

    Also eine geniale Idee ...

    Wer vor 5-10 Jahren die Meinung geäußert hätte, dass es in 10-15 Jahren aus diesen Gründen kein Bargeld mehr geben wird, wäre für verrückt erklärt worden !

    19:42 Uhr, 16.05.2015
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  • Sonnenschein
    Sonnenschein

    Wirtschaftsweiser Bofinger fordert Abschaffung des Bargelds

    heute 12:45 von Dow Jones News

    HAMBURG (Dow Jones) - Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger spricht sich für die Abschaffung des Bargelds aus. "Bei den heutigen technischen Möglichkeiten sind Münzen und Geldscheine tatsächlich ein Anachronismus", sagte Bofinger dem Nachrichten-Magazin Der Spiegel.

    Fielen diese weg, könnten die Märkte für Schwarzarbeit und Drogen ausgetrocknet werden. Zudem hätten es die Notenbanken einfacher, ihre Geldpolitik durchzusetzen.

    Der in Würzburg lehrende Volkswirtschaftsprofessor forderte die Bundesregierung auf, auf internationaler Ebene für die Abschaffung des Bargelds zu werben. "Das wäre jedenfalls ein gutes Thema für die Agenda des G-7-Gipfels in Elmau", sagte er.

    Kontakt zum Autor: konjunktur.de@dowjones.com

    DJG/cln

    Copyright (c) 2015 Dow Jones & Company, Inc.

    (Yandaya-Meldung von heute)

    13:09 Uhr, 16.05.2015
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