Benzin und Diesel werden zum Inflationsbrandbeschleuniger
- Lesezeichen für Artikel anlegen
- Artikel Url in die Zwischenablage kopieren
- Artikel per Mail weiterleiten
- Artikel auf X teilen
- Artikel auf WhatsApp teilen
- Ausdrucken oder als PDF speichern
Erwähnte Instrumente
- WTI Öl - WKN: 792451 - ISIN: XC0007924514 - Kurs: 94,644 $/bbl. (GBE brokers)
- Brent Crude Öl - WKN: 967740 - ISIN: XC0009677409 - Kurs: 99,802 $/bbl. (GBE brokers)
Alter Schwede. Aktuelles Research der National Bank of Canada. (Die National Bank of Canada ist eine börsennotierte Geschäftsbank und gehört mit rund 635 Mrd. CAD Bilanzsumme zu den 6 systemrelevanten Banken Kanadas). Demnach sendet der Ölmarkt ein deutlich größeres Warnsignal, der Energieschock droht sich zu einem dauerhaften Inflations- und Zinsproblem zu entwickeln. Der Verkehr durch die Straße von Hormus ist eingebrochen, länger laufende Öl-Futures steigen, die Lagerbestände sind niedrig und die Raffineriemargen explodieren.
Vor der Eskalation liefen durch Hormus sichtbar meist rund 3 bis 4 Mio. Tonnen Fracht pro Tag. Seit März ist dieses Volumen eingebrochen und bewegt sich zeitweise nahezu bei null. Ein Teil des Verkehrs läuft zwar offenbar ohne sichtbares AIS Signal, doch selbst unter Berücksichtigung dessen bleibt die Versorgung deutlich unter dem Vorkriegsniveau. Umleitungen können die Ausfälle nur teilweise kompensieren.
Wichtiger ist, was am Terminmarkt passiert. Der kurzfristige Ölpreis WTI schwankt extrem und reagiert sofort auf Kriegsmeldungen. Zeitweise ging es über 110 USD je Barrel. Viel aussagekräftiger ist jedoch laut National Bank of Canada der sogenannte Calendar 2027 Strip, also der durchschnittliche WTI-Futurespreis für Lieferungen im Jahr 2027. Dieser lag zu Jahresbeginn noch ungefähr bei 55 bis 60 USD und ist inzwischen auf knapp 80 USD gestiegen. Der Markt preist damit ein Higher for Longer Szenario bei Öl ein.
Gleichzeitig sind die weltweiten kommerziellen Bestände an Rohöl und flüssigen Energieträgern auf ungefähr 2,6 bis 2,7 Mrd. Barrel gefallen. Historisch lagen sie zeitweise deutlich über 3 Mrd. Barrel. Der Puffer gegen weitere Ausfälle ist damit vergleichsweise klein.
Noch brisanter wird es bei Benzin und Diesel. Der sogenannte 3 2 1 Crack Spread misst grob die Bruttomarge der Raffinerien, also die Differenz zwischen Rohölkosten und dem Wert der daraus produzierten Kraftstoffe. Dieser Spread ist zeitweise auf über 60 USD je Barrel gestiegen. Historisch lag er häufig nur im einstelligen oder niedrigen zweistelligen Bereich. Nicht nur Rohöl ist knapp, vor allem die fertigen Produkte sind extrem teuer geworden.
Hier liegt die eigentliche Inflationsgefahr. Hohe Benzin und Dieselpreise treffen Verbraucher direkt und verteuern gleichzeitig Logistik, Landwirtschaft, Industrie und Flugverkehr. Dazu kommt, dass viele Raffinerien bereits stark ausgelastet sind und saisonale Wartungsstillstände bevorstehen. Selbst wenn mehr Rohöl verfügbar wäre, lässt sich deshalb nicht beliebig schnell mehr Benzin oder Diesel produzieren.
Tja, damit landet laut dem kanadischen Bankenriese das Thema beim Zinsmarkt. OIS steht für Overnight Index Swap und bildet vereinfacht die Erwartungen des Marktes über zukünftige Zentralbankzinsen ab. Bleibt Öl nur kurz teuer, können Notenbanken darüber hinwegsehen. Bleiben Energiepreise jedoch monatelang hoch, steigt das Risiko dauerhaft höherer Inflation. Dann müssen Fed, EZB und andere Zentralbanken die Zinsen länger hoch halten oder weiter anheben.
Öl hoch, Inflation hoch, Zinsen hoch. Energieproduzenten und teilweise Raffinerien können profitieren. Airlines, Chemie, Logistik und andere energieintensive Branchen leiden unter höheren Kosten. Gleichzeitig belasten höhere Zinsen besonders hoch bewertete Wachstumaaktien, Immobilienwerte und stark verschuldete Unternehmen.
Kernbotschaft. Aus einem geopolitischen Ölproblem entwickelt sich zunehmend ein strukturelles Energieproblem.
Anbei nun ein kurzer Hinweis von mir.
Meine technische Bewertung habe ich zuletzt zurückgezogen. Wenn geopolitische Narrative Haupttreiber des Ölpreises sind, werden größere Projektionsziele nicht voll nach oben abgefahren und abgearbeitet. Das Big Picture von Brentöl ist eigentlich bullisch. Mit dem hochdynamischen Anstieg im März dieses Jahres über das Cluster bei 82 USD pro Barrel wurde ein mittel- bis langfristiges Kaufsignal generiert. Eine bullische Projektionszielkaskade wurde getriggert. ABER. im 108 USD Projektionszielbereich ist der Ölpreis hängen geblieben. Der Grund ist multifaktoriell. Die USA geben aus ihren strategischen Reserven Öl auf den Weltmarkt, China ebenso. Öl konnte bisher gut gedeckelt werden. Die Zielkaskade im Big Picture geht in Richtung 157 und im Extrem sogar 180 USD pro Barrel. ABER nochmals. Ist der Hauptpreistreiber die Geopolitik, werden solche Zielmarken nicht alle abgearbeitet! Man sollte die USA und im vorliegenden Fall auch China nicht unterschätzen, welche Möglichkeiten diese Gorillas an den Märkten haben.
Öl-Aktien sehe ich langfristig durchaus bullisch. Exxon Mobile, Shell, OMV, etc. Aber beim Öl halte ich mich zunächst mal mit Einschätzungen zurück. OHNE Geopolitik-Trigger wäre ich übergeordnet bullisch für Brentöl mit Zielen mittel- bis langfristig bei 157 und eventuell später sogar 180 USD. MIT dem Trigger aber nicht!
Ich selbst beobachte derzeit Öl, Benzin, Diesel, habe aber keine konkrete Meinung und Prognose! Zuletzt war übrigens auch im Research von JP Morgan zu lesen, dass sie derzeit ohne Basisszenario für Öl arbeiten. Das ist ein Novum.


Wenn Ihr Interesse habt, folgt mir gerne genauso wie bereits 123.590 Börsianer auf dem Terminal und der stock3 App: https://terminal.stock3.com/#c/harald_weygand und Direktlink Android Direktlink iOS.
Ich kann Anlegern unter euch, die gerne Aktien handeln, die von meinem Kollegen Oliver Baron gemanagten Depots (in Select und Ultimate) nur wärmstens empfehlen. Er ist fundamental ausgerichtet, arbeitet stark mit statistischen Ansätzen und hat ein unglaublich gutes Händchen, die Aktien auszuwählen und zu kaufen, die dann auch steigen. Er outperformt Index-ETFs und er liefert sich mit Dirk Siebenhaar ein Kopf-an-Kopf-Rennen in Bezug auf Performance.
Außerdem sehr zu empfehlen: Valentin Schelbert vom Aktienpuls360.
Sehr guter junger Kollege! Mit "sehr gut" meine ich seine Performance, die ist top notch!
Finance26: Triff die stock3-Experten live vor Ort
Am 25. - 26. September findet die Finance in Frankfurt statt & stock3 ist mit dabei. Wir laden Dich ein, uns & unsere Experten näher kennenzulernen. Mit dabei sind u.a. Bastian Galuschka, Rene Berteit, Valentin Schelbert u.v.m.
Passende Produkte
| WKN | Long/Short | KO | Hebel | Laufzeit | Bid | Ask |
|---|


Für mich deutet alles auf einen Kollaps im brent hin, das ist mur meine persönliche Meinung, alles kurzfristig da es nicht mehr möglich ist diese Preise der großen Massen weltweit zu verkaufen, bzw zu zu muten,egal ob Industrie oder privat, Reaktion wird sich zeigen was geht
Die normalen Einkommen können sich bald die tägliche Fahrt zur Arbeit, heizöl nicht mehr leisten, auf Dauer wird das nicht gehen und die 100 Marke ist hier ein guter Weg das brent scharf Korrigiert
Brent kollabiert ab heute also jetzt kurzfristig