Analyse
21:57 Uhr, 10.09.2026

ÖLPREIS (WTI) - Erneute brutal dynamische Ausbruchbewegung

Der wichtigste Treiber ist derzeit eindeutig das physische Angebot. Der Krieg zwischen den USA und Iran ist erneut massiv eskaliert, beide Seiten greifen Tanker an, der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus ist eingebrochen

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  • ISIN: XC0007924514Kopiert
    Kursstand: 102,807 $/bbl. (GBE brokers) - Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung
  • WTI Öl - WKN: 792451 - ISIN: XC0007924514 - Kurs: 102,807 $/bbl. (GBE brokers)

Und mit den jüngsten Aktionen der Huthi im Jemen steigt zusätzlich das Risiko rund um die Route über Bab el Mandeb und das Rote Meer. Schätzungen zufolge fehlt weiterhin rund ein Drittel der früheren Ölexporte aus der Golfregion. Der geopolitische Risikoaufschlag ist inzwischen nicht mehr nur Angst an den Terminmärkten. Öl fehlt tatsächlich an bestimmten Orten, Transportwege werden länger, Tanker knapp und Versicherungen absurd teuer. Für einzelne Hormuspassagen werden inzwischen zusätzliche Transport- und Versicherungskosten von 10 bis 20 Mio. USD genannt.

Aktuelles Research von JP Morgan. Seit dem Hormus-Schock hat sich die Ölversorgung im Nahen Osten massiv neu organisiert. Vor Beginn des Konflikts Ende Februar liefen enorme Ölmengen durch die Straße von Hormus. Mit der Eskalation brachen die bestätigten Transporte durch die Meerenge zeitweise nahezu vollständig weg.

ABER: Ein erheblicher Teil dieses Öls verschwindet nicht einfach vom Weltmarkt. Saudi-Arabien verlagert zusätzliche Exporte Richtung Rotes Meer, die Vereinigten Arabischen Emirate nutzen verstärkt ihre Pipeline zum Hafen Fujairah, und gleichzeitig gewinnen Ship-to-Ship-Transfers an Bedeutung, bei denen Öl auf See zwischen Tankern umgeladen wird. Saudi-Arabiens Exporte über Yanbu am Roten Meer stiegen zeitweise von rund 2 auf mehr als 5 Mio. Barrel täglich, während die Emirate über die Habshan-Fujairah-Pipeline bis zu 1,8 Mio. Barrel pro Tag an Hormus vorbeischleusen können.

Im Frühjahr und Sommer entstand laut JP Morgan damit faktisch eine neue Öl-Logistik rund um den wichtigsten Energie-Chokepoint der Welt. Neben alternativen Pipelines und Häfen wurden zunehmend Tanker eingesetzt, die Ladungen außerhalb der besonders kritischen Zone an andere Schiffe übergaben. Solche Ship-to-Ship-Transfers machen die tatsächlichen Handelsströme zugleich schwieriger nachvollziehbar.

Meine Stimme aus dem Off: Am aktuellen Ölpreisverlauf lässt sich aber ablesen, dass der Hormuz-Öltransfer dann doch relevant ist. Der Ölpreis (WTI, also US-Leichtöl) bricht seit 2 Wochen zunehmend dynamisch über die mehrmonatige deckelnde (rot gestrichelt dargestellte) Abwärtstrendlinie aus. Normalerweise triggert das eine mittelfristige Anstiegsphase. Wenn Geopolitik das vordergründige den Kurs bewegende Narrativ ist, sind solche technischen Signalmuster aber mit Vorsicht zu genießen. Wenn US-Präsident wieder "TACO macht", die militärischen Maßnahmen einstellt und das Ganze entsprechend verbal garniert, kann das die Ausbruchbewegung schlagartig brechen. So schon mehrfach im Verlauf dieses Jahres geschehen.

Im November sind die US-Zwischenwahlen. Deutlich davor, muss Trump den Ölpreis wieder einfangen.

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