Wochenausblick: „Für USA und Schwellenländer spricht mehr als für DAX“
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11. Mai 2026. FRANKFURT (Deutsche Börse). Nach einem Frieden im Iran sieht es weiterhin nicht aus. Die Antwort des Irans auf den jüngsten US-Lösungsvorschlag ist laut US-Präsident Trump „völlig inakzeptabel". Zu größeren Einbrüchen an den Börsen kommt es aber nicht. „Es ist erstaunlich, mit welcher Gelassenheit die Märkte weiterhin auf den Krieg und die damit einhergehende faktische Sperrung der Straße von Hormus reagieren“, kommentiert Ulrich Kater von der DekaBank.
In den USA waren S&P 500 und Nasdaq am Freitag erneut auf neue Rekordstände gestiegen. Der DAX (<DE0008469008>) tendiert nach einem kurzen Ausbruch über 25.000 Punkten vergangenen Mittwoch weiter seitwärts: Am Montagmorgen steht der Index bei 24.267 Punkten nach 24.396 am Freitag zu Handelsschluss. Der Ölpreis liegt mit 106 US-Dollar für das Barrel Brent immer noch weit über den 70 Dollar vor Kriegsausbruch.
„DAX-Berichtssaison leicht enttäuschend“
Kater verweist auf die „ausgezeichneten Gewinnzuwächse“ der US-Unternehmen im ersten Quartal. Die Berichtssaison des DAX sei hingegen bisher leicht enttäuschend verlaufen und bleibe spürbar hinter der des S&P 500 und des Stoxx 600 (<EU0009658202>) zurück. „Die aggregierte Gewinnüberraschung liegt bei minus 4,5 Prozent. Das Gewinnwachstum von 0,7 Prozent ist geringer als die Prognosen zu Beginn der Berichtssaison“, stellt er fest. Der Konsens erwarte nun für das laufende Jahr 11 Prozent Gewinnwachstum und für 2027 rund 15 Prozent. „Diese Zahlen sollten den DAX zwar grundsätzlich unterstützen, trotzdem sind andere Märkte wie die USA und die Emerging Markets momentan fundamental besser unterstützt.“
„Wirklich günstig sind Aktien nicht“
Auch Markus Reinwand von der Helaba blickt auf die Berichtssaison. „Im Falle der USA scheinen die guten Zahlen die in Form höherer Bewertungen verteilten Vorschusslorbeeren ansatzweise zu rechtfertigen – hierzulande den Bewertungsabschlag“, bemerkt er. Wirklich günstig seien Aktien jedoch weder dies- noch jenseits des Atlantiks. „Das Chance-Risiko-Verhältnis ist gegenwärtig nicht sonderlich attraktiv“, meint er. Die Bank rät weiter nur zum „Halten“.
Markus Reinwand
USA: Verbraucherstimmung im Keller
Doch auch in den USA ist die Wirtschaft angeschlagen: Während sich der US-Arbeitsmarkt relativ robust zeigt, ist die Stimmung der US-Verbraucher auf ein neues Rekordtief gefallen. „Die Haushalte blicken so pessimistisch auf ihre aktuelle Lage wie seit der Finanzkrise 2009 nicht mehr“, stellt Rolf Schäffer von der LBBW fest und schaut auf den am Freitag veröffentlichten Index der Universität Michigan fest. Hauptgrund: die Teuerung. „Der durchschnittliche Benzinpreis liegt mehr als 50 Prozent über dem Niveau zu Beginn des Iran-Kriegs.“
Die Berichtssaison läuft in den USA aus, hierzulande ist aber noch viel los. Zwölf DAX-Werte berichten, etwa Siemens, Deutsche Telekom, Bayer, Münchener Rück und Allianz. Außerdem wichtig: US-Präsident Trump wird von Mittwoch bis Freitag China besuchen und mit Präsident Xi Jinping sprechen, unter anderem über die Wirtschaftsbeziehungen.
Wichtige Konjunktur- und Wirtschaftsdaten
Dienstag, 12. Mai
11.00 Uhr. Deutschland: ZEW Konjunkturerwartungen Mai. Die Commerzbank rechnet mit einem Rückgang auf minus 35 (nach minus 17), was einem Mehrjahrestief entspräche.
14.30 Uhr. USA: Verbraucherpreise April. Der Iran-Krieg hat bereits im März die US-Inflation deutlich von 2,4 auf 3,3 Prozent steigen lassen, wie die Commerzbank feststellt. Die Zahlen für April würden nun wohl einen weiteren Sprung auf 3,7 Prozent zeigen. Hauptgrund sei die starke Verteuerung von Öl.
Mittwoch, 13. Mai
11.00 Uhr. Eurozone: Industrieproduktion März. Die Helaba rechnet mit einem Plus von 0,5 Prozent gegenüber dem Vormonat, gegenüber dem Vorjahr aber mit einem Minus von 2,6 Prozent.
Donnerstag, 14. Mai
8.00 Uhr. Großbritannien: BIP erstes Quartal. Nach zwei schwachen Vorquartalen dürfte das BIP laut DekaBank im ersten Quartal kräftig gewachsen sein. Allerdings könnten Verzerrungen durch Vorzieheffekte im Vorfeld des Iran-Kriegs die zugrundeliegende Wachstumsdynamik überzeichnen.
14.30 Uhr. USA: Einzelhandelsumsätze April. Die Einzelhandelsumsätze werden solide erwartet und sprechen gegen die Notwendigkeit einer lockeren Geldpolitik in den USA, erklärt die Helaba.
Freitag, 15. Mai
USA: Neuer Notenbankchef. Kevin Warsh übernimmt den Vorsitz des Fed-Direktoriums.
Von Anna-Maria Borse, 11. Mai 2026, © Deutsche Börse AG
Über die Autorin
Anna-Maria Borse ist Finanz- und Wirtschaftsredakteurin mit den Schwerpunkten Finanzmarkt/Börse und volkswirtschaftliche Themen.
Feedback und Fragen an live@deutsche-boerse.com
