Wochenausblick: "Ölpreis höher, DAX tiefer"
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20. April 2026. FRANKFURT (Deutsche Börse). Der Euphorie folgt die Ernüchterung: Dass die Straße von Hormus nun doch wieder geschlossen ist, sorgt für höhere Ölpreise und Kursverluste bei Aktien. Zwar soll es wieder Verhandlungen zwischen Iran und USA geben, zuletzt hat das US-Militär aber einen iranischen Frachter angegriffen.
„Die scharfen amerikanischen Drohungen und die zurückhaltenden iranischen Reaktionen unterstreichen, wie fragil die Waffenruhe ist“, kommentiert Rolf Schäffer von der LBBW. „Die jüngste Rally an den Aktienmärkten hat eher auf Hoffnung statt auf belastbaren Vereinbarungen basiert.“
„Interesse der US-Regierung, möglichst schnell zu einem Abkommen zu gelangen“
„Trotz der erneuten Eskalation unterstreicht die Entsendung der Sondergesandten Witkoff und Kushner sowie Vizepräsident Vance zu neuen Gesprächen in Islamabad das Interesse der US-Regierung, möglichst schnell zu einem Abkommen zu gelangen“, erklärt Yannik Mosbach vom Bankhaus Metzler. Er hält die Entwicklungen in dieser und den kommenden Wochen für wegweisend für die weltwirtschaftliche Entwicklung im weiteren Jahresverlauf. „Je länger die Schließung der Straße von Hormus anhält, desto kräftiger fallen die Bremsspuren in der Realwirtschaft aus.“
Das Barrel Brent kostet am Montagmorgen 95 US-Dollar nach 90 US-Dollar am Freitag. Der DAX (<DE0008469008>) steht am Montagmorgen bei 24.400 Punkten nach 24.638 am Freitag zu Handelsschluss. Der Stoxx Europe 600 (<EU0009658160>) zeigt sich ebenfalls schwächer. An die US-Märkten hatten S&P 500 und Nasdaq am Freitag noch neue Allzeithochs erreicht.
„Keine Ölkrise wie in 70er Jahren“
Die Commerzbank hat die aktuelle Krise mit anderen Ölkrisen verglichen. Ihr Fazit: Trotz eines stärkeren Rückgangs der Ölförderung würden die Industrieländer unter der aktuellen Energiekrise wohl weniger leiden als während der beiden Ölkrisen der 1970er Jahre. „Dies liegt daran, dass die Preise weniger stark gestiegen sind als damals und die Wirtschaft heute deutlich weniger ‚ölintensiv‘ ist“, erläutert Bernd Weidensteiner. Selbst die Einbeziehung der Erdgaspreise ändere nichts an dieser Schlussfolgerung. Allerdings stellten Probleme in der Lieferkette ein erhebliches Risiko dar. „Daher ist es für eine Entwarnung noch zu früh.“
„Weitere Kursanstiege, insbesondere bei KI-Profiteuren“
Es geht aber nicht nur im Öl: Sascha Rehbein von der Weber Bank weist darauf hin, dass der Innovationsschub aus den USA durch die neuen KI-Modelle unverändert anhält. „Die Gewinnaussichten der Analysten werden konstant nach oben revidiert, was insbesondere auf den Tech-Sektor zutrifft“, erklärt er. Auch die Bilanzsaison in den USA sei unterstützend gestartet und habe sowohl auf Gewinn- und Umsatzseite positiv überrascht. Die Bank bleibt daher konstruktiv und erwartet weitere Kursanstiege – insbesondere bei KI-Profiteuren wie zum Beispiel Chipherstellern.
Auch Markus Reinwand von der Helaba schaut auf die Berichtssaison. „In den USA haben mehr als 80 Prozent der bereits veröffentlichten S&P 500-Berichte positiv überrascht. Der Auftakt ist somit schon einmal gelungen“, stellt er fest. In Deutschland seien zuletzt Schätzungen für die Nettoergebnisse der kommenden zwölf Monate schon mehrheitlich etwas nach unten revidiert worden. „Negative Überraschungen dürften sich daher in Grenzen halten.“ Diese Woche informieren unter anderem Beiersdorf, Sartorius und SAP über das erste Quartal, in den USA Flugzeugbauer Boeing und Autobauer Tesla.
Markus Reinwand
Wichtige Konjunktur- und Wirtschaftsdaten
Dienstag, 21. April
11.00 Uhr. Deutschland: ZEW-Konjunkturerwartungen April. Noch vor zwei Wochen hätten Finanzmarktanalysten ihre Konjunkturerwartungen drastisch nach unten revidiert, wie die DekaBank feststellt. Nun würden der Waffenstillstand und die Hoffnung auf eine Einigung die Konjunkturerwartungen stabilisieren.
14.30 Uhr. USA: Einzelhandelsumsätze März. Die Benzinpreise schieben laut DekaBank, sie prognostiziert ein Plus von 1,1 Prozent gegenüber dem Vormonat. In realer Rechnung erwartet die Bank aber einen Rückgang.
Mittwoch, 22. April
8.00 Uhr. Großbritannien: Verbraucherpreise März. Der Marktkonsens geht davon aus, dass sich die jährliche Inflationsrate von 3 Prozent im Februar auf 3,3 Prozent im März beschleunigt hat, wie die Deutsche Bank berichtet.
Donnerstag, 23. April
10.00 Uhr. Eurozone: Einkaufsmanagerindex April. Für die Umfragen unter europäischen sowie deutschen Einkaufsmanagern ist mit einer Stimmungseintrübung zu rechnen, meint die Helaba.
Freitag, 24. April
10.00 Uhr. Deutschland: ifo-Geschäftsklimaindex April. Wegen der enttäuschten Hoffnungen auf ein schnelles Kriegsende am Persischen Golf werde das ifo-Geschäftsklima im April deutlich fallen, erklärt die Commerzbank.
Von Anna-Maria Borse, 20. April 2026, © Deutsche Börse AG
Über die Autorin
Anna-Maria Borse ist Finanz- und Wirtschaftsredakteurin mit den Schwerpunkten Finanzmarkt/Börse und volkswirtschaftliche Themen.
Feedback und Fragen an live@deutsche-boerse.com
