Wochenausblick: "Krisen, welche Krisen?"
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4. Mai 2026. FRANKFURT (Deutsche Börse). Iran-Krieg, hoher Ölpreis, und dann auch noch neue US-Zölle auf Fahrzeuge aus der EU – die Nachrichtenlage ist alles andere als gut. „Ein Ende der Dominanz des Themas ‚Persischer Golf‘ ist nicht in Sicht“, stellt Helaba-Analyst Ulrich Wortberg fest. „Der Iran-Krieg und die Seeblockaden sind noch nicht beendet und die Energiepreise liegen weiterhin auf hohen Niveaus.“
An den Aktienmärkten ist davon kaum etwas zu spüren. Der DAX war am Donnerstag vor dem langen Wochenende mit 24.297 Punkten aus dem Handel gegangen, im März-Tief waren es unter 22.000 Zähler. An den am Freitag geöffneten US-Börsen sind S&P 500 und Nasdaq 100 abermals auf neue Allzeithochs gestiegen, diesmal getrieben durch gute Zahlen von Apple. „Das hohe Gewinnwachstum der Unternehmen stützte zusammen mit den positiven Gewinnrevisionen die amerikanischen Aktienmärkte“, erklärt Ulrich Kater von der DekaBank.
„Vorkriegsölpreis erst gegen Ende 2027“
Am Montagmorgen steht der DAX (DE0008469008) bei 24.267 Punkten. Der Ölpreis war am Freitag wieder deutlich gestiegen, aktuell liegt er immer noch bei 107 US-Dollar für das Barrel Brent. Auffällig ist die Bitcoin-Erholung: Der Preis ist gerade wieder über 80.000 US-Dollar gestiegen, der höchste Stand seit Ende Januar.
Moritz Kraemer von der LBBW warnt vor dem Glauben, dass mit einem Frieden im Iran Gas- und Ölpreise automatisch schnell sinken würden. „Die Folgen des Kriegs werden uns noch viel länger begleiten“, erklärt der Chefvolkswirt. Niemand wisse, was US-Präsident Trump als Nächstes vorhabe oder ob Iran vom Machtmittel Hormus lassen könne. „Der Mangel rationaler Berechenbarkeit beider Kontrahenten macht jeden Frieden brüchig.“ Doch auch unabhängig davon würden die ökonomischen Folgen des Kriegs noch lange anhalten, wegen der Schäden an den Förderanlagen und den Minen im Meer. „Wir halten es für wahrscheinlich, dass der Vorkriegsölpreis erst gegen Ende 2027 wieder erreicht wird, selbst unter der Annahme, dass die Blockade noch im Mai wegfällt.“
„US-Tech-Sektor weiter sehr attraktiv“
Für Jens Herdack von der Weber Bank ist es fundamental durchaus plausibel, dass in den USA neue Allzeithochs erreicht wurden und in Europa nicht. „Vergleicht man die Gewinnerwartungen dies- und jenseits des Atlantiks, so tut sich weiter eine deutliche Spreizung auf“, stellt er fest. Bislang hätten nach Marktkapitalisierung 20 Prozent der S&P 500-Unternehmen berichtet, in allen Branchen mit deutlich positivem Wachstum. Auch für die weitere Berichtssaison ist Herdack zuversichtlich. „Der Technologiesektor ist unseres Erachtens weiterhin sehr attraktiv“, meint er – zumal die Bewertungen hier zuletzt sogar zurückgegangen seien und nun deutlich näher an denen des breiten Marktes lägen.
Terminseitig geht es nach der Vorwoche mit zahlreichen Notenbanksitzungen und wichtigen Datenveröffentlichungen diese Woche eher ruhig zu. In Europa und Deutschland berichten weiter viele Unternehmen, unter anderem Infineon, BMW und Rheinmetall.
Wichtige Konjunktur- und Wirtschaftsdaten
Montag, 4. Mai
10.30 Uhr. Deutschland: sentix-Investorenvertrauen Mai.
Donnerstag, 7. Mai
8.00 Uhr. Deutschland: Auftragseingänge Industrie März. Im März scheint der Irankrieg die Geschäfte der deutschen Industrie kaum beeinträchtigt zu haben, meint die Commerzbank. Sie erwartet bei den Auftragseingängen ein Plus gegenüber dem Vormonat.
11.00 Uhr. Eurozone: Einzelhandelsumsätze März. Die Helaba rechnet mit einem Minus von 1 Prozent gegenüber dem Vormonat.
Freitag, 8. Mai
14.30 Uhr. USA: Arbeitslosenzahlen April. Der US-Arbeitsmarktbericht für März hinterließ der DekaBank zufolge auf den ersten Blick einen extrem starken Eindruck – insbesondere bei der Beschäftigungsentwicklung. Allerdings zeigten separate Berechnungen, dass hierfür der rekordwarme März verantwortlich gewesen sei. Dadurch drohe im April ein negativer Rückpralleffekt.
Von Anna-Maria Borse, 4. Mai 2026, © Deutsche Börse AG
Über die Autorin
Anna-Maria Borse ist Finanz- und Wirtschaftsredakteurin mit den Schwerpunkten Finanzmarkt/Börse und volkswirtschaftliche Themen.
Feedback und Fragen an live@deutsche-boerse.com
