Wochenausblick: "Wieder in Moll"
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18. Mai 2026. FRANKFURT (Deutsche Börse). Fehlende Verhandlungsfortschritte in Nahost, hoher Ölpreis und Zinserhöhungssorgen setzen den Märkten zu. „Zum Ende der Woche waren vor allem die zunehmenden Zinssorgen in den USA ein wichtiges Thema“, erklärt Helaba-Analyst Ralf Umlauf. Da sich in der Straße von Hormus und an den Energiemärkten noch immer keine Entspannung zeige, spräche vieles für höhere Leitzinsen. Diese könnten die Konjunktur belasten.
Dazu kommen heute morgen schwache Konjunkturdaten aus China, konkret hinter den Erwartungen bleibende Zahlen zu Industrieproduktion und Einzelhandelsumsätzen. Der DAX (<DE0008469008>) steht am Montagmorgen bei 23.614 Punkten nach 23.906 am Freitag zu Handelsschluss. Auch der Stoxx Europe Europe 600 (<EU0009658202>) verliert. In den USA hatten S&P 500 und Nasdaq (<US6311011026>) am Donnerstag noch neue Allzeithochs erreicht, am Freitag ging es aber nach unten. Der Brent-Preis liegt jetzt wieder bei 110 US-Dollar das Barrel.
„Rentenmärkte im perfekten Sturm“
Noch mehr als Aktienmärkte signalisieren die Anleihemärkte Risiken: Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen liegt mit knapp 3,2 Prozent auf dem höchsten Stand seit 2011. Die Rendite zehnjähriger japanischer Staatsanleihen ist auf 2,8 Prozent gestiegen, so viel wie zuletzt im Oktober 1996. „Die Renten befinden sich weiterhin im perfekten Sturm“, kommentiert Leon Ferdinand Bost von Metzler. Einerseits heize die anhaltende Schließung der Straße von Hormus die Inflationssorgen an. Andererseits verstärke sie die Sorge, dass sich ohnehin hochverschuldete Staaten noch stärker verschulden würden.
„KI ist Wette auf die Zukunft“
Auch die Frage nach einer KI-Blase ist noch offen. Laut Dirk Schlüter von der Fondsgesellschaft DWS ist sie nicht so eindeutig zu beantworten. „Ein ganz wesentlicher Unterschied zu der Zeit der Dotcom-Blase liegt in der heute deutlich höheren Unternehmensprofitabilität“, erklärt er. Auf der Sollseite stehe dagegen die Umsatzentwicklung der Unternehmen. Damals hätten Umsätze Schritt gehalten mit Investitionen. Heute dagegen seien sie im Durchschnitt nur um 10 Prozent gestiegen. „Was wir momentan sehen, ist eine Wette auf die Zukunft“, so Schlüter.
In Deutschland hängt Schlüter zufolge viel vom Nahost-Konflikt ab. Deutschland sei in Europa davon besonders stark betroffen – entsprechend schwach habe sich der DAX im laufenden Jahr entwickelt. „Sollte sich eine dauerhafte Entspannung abzeichnen, dürfte der DAX erhebliches Aufholpotenzial haben.“
„Aussichten für Europa gemischt, aber nicht unattraktiv“
Nach Einschätzung von Sören Wiedau von der Weber Bank bietet Europa ein gemischtes, aber keineswegs unattraktives Bild. Die Bewertungen seien im Vergleich zu den USA günstiger und schafften damit eine solide Ausgangsbasis. Zwar bremsten höhere Energiepreise und eine verhaltene Konjunktur aktuell die Dynamik, zugleich eröffne genau dieses Umfeld Spielraum für positive Überraschungen. „Insgesamt bleibt das Umfeld für Aktien aus unserer Sicht freundlich“, lautet sein Fazit.
Nvidia-Zahlen: „Ausblick entscheidend“
Die Berichtssaison neigt sich dem Ende zu, nur noch wenige Unternehmen legen die Zahlen für das erste Quartal vor. Ulrich Kater von der DekaBank erwartet für diese Woche aber einen wichtigen Realitätscheck: Am Mittwoch berichtet mit Nvidia das derzeit mit Abstand wertvollste Unternehmen der Welt. „Insbesondere der Ausblick wird entscheidend sein.“
Außerdem steht jetzt der Termin für einen möglichen Rekordbörsengang fest: Elon Musks will mit seinem Raumfahrtunternehmen SpaceX am 12. Juni an die Börse gehen. Laut Wall Street Journal könnten dabei bis zu 80 Milliarden Dollar eingesammelt werden – so viel wie noch nie.
Wichtige Konjunktur- und Wirtschaftsdaten
Montag, 18. Mai
G7-Treffen (bis Dienstag). Die Finanzminister der G7-Staaten kommen zusammen, Themen sind unter anderem die wirtschaftlichen Folgen des Nahost-Konflikts.
Mittwoch, 20. Mai
20.00 Uhr. USA: Protokoll der letzten US-Notenbanksitzung. Nachdem es bei der letzten Fed-Sitzung so viele abweichende Haltungen von der Mehrheitsmeinung gab wie seit über 20 Jahren nicht, dürften die Protokolle etwas mehr Aufschluss über die internen Diskussionen geben, erklärt Metzler Research.
Donnerstag, 21. Mai
10.00 Uhr. Eurozone: Einkaufsmanagerindex Mai. Der Konflikt im Nahen Osten bleibt der DekaBank zufolge bestimmendes Thema. Erst bei substantiellen Fortschritten zur Beilegung des Konflikts und bei spürbarer Energiepreisentspannung werde sich die Stimmung in den Unternehmen wieder nachhaltig verbessern. Die Bank prognostiziert 48,7 Punkten nach 48,8 im Vormonat.
Freitag, 22. Mai
10.00 Uhr. Deutschland: ifo Geschäftsklimaindex Mai. Die Commerzbank geht davon aus, dass sich das ifo Geschäftsklima angesichts der anhaltenden Sperrung der Straße von Hormus weiter verschlechtert hat. Dabei werde der Rückgang wohl erneut in erster Linie auf einen pessimistischeren Blick in die Zukunft zurückzuführen sein.
Von Anna-Maria Borse, 18. Mai 2026, © Deutsche Börse AG
Über die Autorin
Anna-Maria Borse ist Finanz- und Wirtschaftsredakteurin mit den Schwerpunkten Finanzmarkt/Börse und volkswirtschaftliche Themen.
Feedback und Fragen an live@deutsche-boerse.com
