Kommentar
20:54 Uhr, 29.04.2026

US-Notenbank belässt Leitzins unverändert

Wie erwartet bleibt der Leitzins in einer Spanne von 3,50 % bis 3,75 %. Allerdings gab es zum ersten Mal seit Oktober 1992 vier Gegenstimmen gegen die Mehrheitsentscheidung. Auf der Pressekonferenz kündigte Fed-Chef Jerome Powell an, vorübergehend als Mitglied im Verwaltungsrat zu bleiben.

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Hinweis: Updates von der laufenden Pressekonferenz mit Fed-Chef Jerome Powell gibt es am Ende des Artikels.

Die US-Notenbank Fed hat im Rahmen ihres Zinsentscheids am Mittwoch wie erwartet die Zinsen unverändert belassen. Das Zielband für die Fed Funds Rate bleibt bei 3,50 % bis 3,75 % , wie der Offenmarktausschuss (FOMC) der US-Notenbank Fed mitteilte.

Die Entscheidung wurde mit ungewöhnlich vielen Gegenstimmen getroffen. Gegen den Beschluss stimmten Stephen Miran, Beth Hammack, Neel Kashkari und Lorie Logan. Es handelt sich damit um den ersten Fed-Zinsentscheid mit vier Gegenstimmen seit Oktober 1992.

Die Gegenstimmen hatten unterschiedliche Gründe: Das von Trump nominierte Fed-Direktoriumsmitglied Stephen Miran sprach sich für eine Zinssenkung um 0,25 Prozentpunkte aus. Beth Hammack, Neel Kashkari und Lorie Logan unterstützten zwar den unveränderten Leitzins, lehnten aber die bevorzugte Signalisierung einer Zinssenkung ("easing bias") im Statement zum Zinsentscheid ab.


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Inflation bleibt erhöht

Die Fed beschreibt die Konjunktur weiter als robust. "Jüngste Indikatoren deuten darauf hin, dass die Wirtschaftsaktivität in einem soliden Tempo expandiert", heißt es im Statement. Die Beschäftigungszuwächse seien im Durchschnitt niedrig geblieben, während sich die Arbeitslosenquote in den vergangenen Monaten kaum verändert habe.

Die Inflation bleibt aus Sicht der Notenbank erhöht, auch wegen des jüngsten Anstiegs der globalen Energiepreise. Zudem verweist die Fed auf die Lage im Nahen Osten. Diese trage zu hoher Unsicherheit über die wirtschaftlichen Aussichten bei. Der Ausschuss beobachte die Risiken für beide Seiten seines dualen Mandats aufmerksam.

Damit bleibt die Fed in einem schwierigen Zielkonflikt. Einerseits sprechen die eher schwachen Beschäftigungszuwächse für eine vorsichtigere Geldpolitik. Andererseits begrenzen die erhöhte Inflation und höhere Energiepreise den Spielraum für schnelle Zinssenkungen.

Die Fed betont weiterhin ihr Ziel, maximale Beschäftigung zu unterstützen und die Inflation auf 2 % zurückzuführen. Eine klare Vorfestlegung für die nächsten Sitzungen enthält das Statement nicht. Vielmehr will der Offenmarktausschuss weiterhin Daten zum Arbeitsmarkt, Inflationsdruck, Inflationserwartungen sowie Finanzmarktentwicklungen und internationale Faktoren berücksichtigen.

Im Statement heißt es, die Fed werde bei weiteren Anpassungen des Zielbands die eingehenden Daten, die Konjunkturaussichten und die Risikobalance sorgfältig prüfen. Damit hält sich die Notenbank grundsätzlich die Option von Zinsschritten in beide Richtungen offen.

Zuletzt haben neue Inflationssorgen die Hoffnung auf weitere Zinssenkungen in diesem Jahr stark verringert. Der Iran-Krieg führte zu einem starken Anstieg der Öl- und Gaspreise, was die Inflation in den kommenden Monaten weiter befeuern dürfte.

Powell bleibt im Verwaltungsrat

Auf der Pressekonferenz (siehe unten) kündigte Powell an, nach dem planmäßigen Ende seiner Amtszeit als Vorsitzender Mitte Mai vorübergehend im Verwaltungsrat der Fed zu bleiben. Er habe gesagt, dass er Mitglied bleiben werde, bis die Ermittlungen gegen ihn vollständig und endgültig abgeschlossen seien, und das werde er tun. Er werde den Verwaltungsrat verlassen, wenn er es für angemessen halte. Powells Amtszeit als Mitglied des Verwaltungsrates endet erst im Januar 2028.

Das US-Justizministerium hatte die strafrechtlichen Ermittlungen am Freitag der vergangenen Woche zwar eingestellt, sich aber neue Ermittlungen vorbehalten. Am Wochenende habe es Zusicherungen gegeben, dass es unter bestimmten Bedingungen nicht dazu kommen werde, sagte Powell. Er sei ermutigt von den jüngsten Entwicklungen und beobachte die weiteren Schritte mit Interesse, so Powell.

Der scheidende Fed-Chef sparte nicht mit Kritik an den fortgesetzten Angriffen auf die Unabhängigkeit der Fed und deutete an, dass seine Entscheidung zum Verbleib im Verwaltungsrat damit zu tun habe. Die juristischen Verfahren gegen die Fed seien einmalig in der Geschichte der Fed.

Powell kündigte an, sich als Mitglied des Verwaltungsrates zurückhaltend zu verhalten. Es gebe nur einen Vorsitzenden, und dies sei Kevin Warsh.

Update: Sinngemäße Aussagen von Fed-Chef Powell auf der Pressekonferenz

Besondere Spannung erhält der heutige Zinsentscheid auch dadurch, dass es sich voraussichtlich um den letzten in der Amtszeit von Fed-Chef Jerome Powell handelt. Es folgen Aussagen von Powell auf der Pressekonferenz:

  • Meine Kollegen und ich bleiben fest entschlossen, unser doppeltes Mandat aus Vollbeschäftigung und stabilen Preisen zu erreichen.
  • Die US-Wirtschaft ist zuletzt mit solidem Tempo gewachsen. Während der Beschäftigungszuwachs gering ausgefallen ist, bleibt die Arbeitslosigkeit niedrig.
  • Die Inflation ist erhöht, unter anderem wegen des Anstiegs der Energiepreise.
  • Die Entwicklungen im Nahen Osten tragen zur stark erhöhten Unsicherheit bei.
  • Konsumausgaben bleiben robust.
  • Die PCE-Inflationsrate in den zwölf Monaten bis März 2026 voraussichtlich bei 3,5 % gelegen, die PCE-Kerninflationsrate bei 3,2 %.
  • Dies ist meine letzte Pressekonferenz als Fed-Chef. Ich gratuliere Kevin Warsh, für den heute morgen der Bankenausschuss des Senats gestimmt hat.
  • Ich begrüße, dass das US-Justizministerium die strafrechtlichen Ermittlungen gegen mich eingestellt hat. Am Wochenende hat das Justizministerium zugesichert, dass die Ermittlungen (abseits bestimmter Bedingungen) nicht wieder aufgenommen werden. Ich habe gesagt, dass ich als Mitglied im Verwaltungsrat bleibe, bis die Ermittlungen endgültig eingestellt sind, und das werde ich tun. Ich bin ermutigt von den jüngsten Entwicklungen und beobachte die weiteren Schritte.
  • Nachdem meine Amtszeit als Vorsitzender endet, werde ich für eine bestimmte Zeit weiter als Gouverneur dem Verwaltungsrat angehören. Ich werde mich zurückhaltend verhalten als Gouverneur. Es gibt nur einen Vorsitzenden des Fed-Boards, das ist Kevin Warsh, und er wird auch zum Vorsitzenden des Offenmarktausschusses gewählt werden.
  • Mein Verbleiben im Fed-Board hat mit den fortgesetzten Angriffen auf die Unabhängigkeit der Fed zu tun. Dabei geht es nicht um verbale Kommentare von Amtsträgern, sondern um juristische Maßnahmen, die einmalig sind in der Geschichte der Fed. Die jüngsten Ereignisse haben mir keine Wahl gelassen, zu bleiben.
  • Wir hatten eine ausführliche Diskussion über die Guidance. Die Anzahl derjenigen, die explizit eine neutrale Guidance wollen, bei der Zinssenkungen so wahrscheinlich sind wie Erhöhungen, hat zugenommen. Aber dafür ist es noch zu früh und die Unsicherheit ist noch zu groß. Die Bedingungen könnten sich in den kommenden 40 bis 60 Tagen deutlich ändern.
  • Es ist normal, dass ein neuer Fed-Chef die Kommunikationsstrategie überprüft.
  • Erwarte eine normale Übergabe beim Amt des Vorsitzenden.
  • Das Verfahren um Fed-Gouverneurin Lisa Cook ist nicht verantwortlich für meine Entscheidung, im Verwaltungsrat zu bleiben, es geht um die Aspekte, die ich genannt habe.
  • Mitglieder des Offenmarktausschusses haben nicht jetzt eine Zinserhöhung gefordert.
  • Ich warte darauf, dass die strafrechtlichen Ermittlungen gegen mich endgültig, vollständig und transparent abgeschlossen werden. Ich werde den Verwaltungsrat verlassen, wenn ich es für angemessen halte, dies zu tun.
  • Werde mich nicht als "Schatten-Vorsitzender" im Verwaltungsrat verhalten.
  • Denke Kevin Warsh hat die richtigen Fähigkeiten, um für einen Ausgleich und Konsens im Offenmarktausschuss zu sorgen.
  • Will ein konstruktives Mitglied im Verwaltungsausschuss sein und ich respektiere das Amt des Vorsitzenden.
  • Befinden uns geldpolitisch an einem guten Ort, um abzuwarten, wie sich die Dinge entwickeln.
  • Die US-Wirtschaft ist von den negativen Effekten der höheren Energiepreise deutlich weniger stark betroffen als Asien oder Europa.
  • Ich nehme Kevin Warsh beim Wort, dass er für die Unabhängigkeit der Fed eintreten wird.
  • Zinsen befinden sich in der Nähe des neutralen Zinssatzes.
  • Ich denke, dass die Unabhängigkeit der Fed in Gefahr ist.
  • Erfolgreiche und entwickelte Länder haben Regeln für die Unabhängigkeit der Notenbank.

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