Market Insights: Saisonale Warnzeichen, Nvidias neue Dimension
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Erwähnte Instrumente
- S&P 500 - WKN: A0AET0 - ISIN: US78378X1072 - Kurs: 7.675,91 Pkt (Cboe)
- DAX - WKN: 846900 - ISIN: DE0008469008 - Kurs: 26.336,37 Pkt (XETRA)
- Nasdaq-100 - WKN: A0AE1X - ISIN: US6311011026 - Kurs: -
- Dow Jones - WKN: 969420 - ISIN: US2605661048 - Kurs: 53.196,09 Pkt (NYSE)
- Bitcoin BTC/USD - WKN: A2YY63 - ISIN: XC000A2YY636 - Kurs: 77.998,50 $ (Coinbase Advanced)
Ich hatte letzte Woche geschrieben: „Anschnallen! Kommende Woche wird wild." Nvidia-Earnings, Jackson Hole mit Kevin Warsh, erneut verrückte Memory-Meldungen, Hot Chips Event, Marvell, Software-Earnings und natürlich der Iran als geopolitischer Dauerbegleiter.
Fangen wir mit dem Elefanten im Raum an. Nvidia lieferte 96,2 Mrd. US-Dollar Umsatz, +106 % YoY, davon 89 Mrd. im Data Center (+117 %). Für das kommende Quartal stehen 108 Mrd. Dollar in der Guidance. Wirklich spannend wurde es aber erst im Earnings Call. Für FY2028 stellt Nvidia rund 70 % Umsatzwachstum in Aussicht, während die Kundenprognosen laut Management eigentlich auf eine Verdopplung hindeuten würden. Warum also „nur" 70 %? Weil man schlicht nicht genug liefern kann. Supply constrained. Bei dieser Unternehmensgröße und bei dieser Bewertung.
Und wer noch Zweifel hatte, wo es gerade wirklich klemmt, bekam die Antwort gleich mitgeliefert. Nvidia bezeichnet das aktuelle Memory-Preisumfeld als „extreme", die Abnahmeverpflichtungen explodierten innerhalb eines Quartals von 119 auf 279 Mrd. US-Dollar, hauptsächlich wegen höherer Speicherbeschaffung. SK Hynix erwartet die Memory-Knappheit inzwischen bis Ende 2030, UBS sieht HBM bis 2030 und möglicherweise darüber hinaus strukturell unterversorgt. Bank of America geht noch einen Schritt weiter und skizziert für 2027 unter entsprechenden ASP- und Bit-Wachstumsannahmen sogar mehr als 80 % Wachstum im globalen DRAM-Markt. Memory macht gerade wirklich alles dafür, nicht mehr wie ein normaler Zykliker behandelt zu werden.
Noch spannender finde ich aber, wie man aktuell an der Architektur arbeitet. Compute skaliert schneller als die Speicherbandbreite. So können bei einem typischen GPU-System bis zu 90 % der Siliziumfläche auf Memory entfallen. So wird seit einigen Wochen bei kommenden Nvidia-Generationen über weniger HBM je Beschleuniger diskutiert. Klingt im ersten Moment bearish für Memory. Ist es aber nicht automatisch. Weniger HBM pro GPU kann höhere Stückzahlen ermöglichen, während Datenbewegung, CXL, Scale-up-Networking und optisch angebundene Memory-Pools wichtiger werden. Plötzlich hängen Memory, Networking, Advanced Packaging und Optics noch enger zusammen als ohnehin schon.
Marvell lieferte dazu am Donnerstag Abend praktisch das passende Anschauungsmaterial. 2,74 Mrd. Dollar Umsatz (+37 % YoY, für das nächste Quartal dann +50 %, Custom AI soll im FY2028 mehr als 100 % wachsen, dazu Google, CXL, 1.6T, Scale-up und Optics. Und was macht die Aktie nachbörslich? Erst einmal 10 % runter. Aber es gibt einen klaren Termin, der der nächste Katalysator wird - Analyse lesen. Fundamentaldaten und Kursreaktion sind eben zwei unterschiedliche Dinge.
Auch abseits von Halbleitern war einiges los. Salesforce meldete „okaye“ Zahlen und eine Anthropic Kooperation mit „Claudeforce“ und die SaaSpocalype war endgültig vergessen. Die Tatsache, dass man damit gerade das Front-End und damit den direkten Kundenzugang aufgegeben hat, ist zweitrangig. Short Squeeze und Markttechnik die Haupttreiber. Okta wurde bereits 5 Minuten vor Börsenschluss geleaked und konnte entspannt für 20 % mitgenommen werden. Generell geht Cybersecurity nach dem angeblichen Untergang im Frühjahr durch die Decke. Ich hatte Euch unzählige Male auf die Gelegenheiten hingewiesen.
Wer also weiterhin darauf wartet, dass sich KI-Nachfrage irgendwann in echte Enterprise-Umsätze übersetzt: Sie tut es längst.
Im AktienPuls360 schaue ich mir einen neuen KI-Bear-Case an. Nachdem ich erst ein Video debunked habe hier, geht es darin um folgenden Video-Podcast (verlinkt). In der aktuellen Folge von „The Compound and Friends“ (TCAf 257, „Die vier Reiter der KI-Apokalypse“) sitzt Ed Zitron bei Josh Brown und Michael Batnick und trägt seinen Bear Case für KI vor. Vier Argumente, die angeblich zeigen, dass die gesamte KI-Infrastruktur-Story auf Sand gebaut ist. Ich liebe jeden Bear Case, aber ein Bear Case muss falsifizierbar sein, sonst ist er nur ein Vehikel für Confirmation Bias.
✅ Der Ed Zitron KI-Bear-Case im Faktencheck
Und dann Kevin Warsh. Nach all dem KI-Feuerwerk kam am Freitag wieder der Mann, der uns daran erinnert, dass Aktien nicht im zinsfreien Vakuum handeln. Die besseren Inflationsdaten des Sommers reichen ihm noch nicht, um von einem nachhaltig veränderten Inflationstrend zu sprechen. Das 2 % PCE-Ziel bleibt fest, Konsum und Arbeitsmarkt bezeichnet er weiter als robust und die Finanzierungsbedingungen würde er kaum als restriktiv einstufen. Was eine Überraschung?! Non-Event. Man kennt die Platte doch längst: „Das sind unsere Mandate, denen wir verpflichtet sind.“ Fertig.
Der Iran blieb parallel wie gewohnt der geopolitische Nebenschauplatz mit wechselnden Meldungen zu Sanktionen, Hormus, Minenräumung und möglichen temporären Schifffahrtskorridoren. Mittlerweile schon Hintergrundrauschen, bis es das plötzlich wieder nicht mehr ist. Dips jeglicher Art sind hier Chancen.
Unterm Strich war es für mich eine dieser Wochen, in denen man kaum weiß, welches KI-Infra-Thema zuerst in die Market Insights gehört. Und während fundamental weiter eine Meldung nach der anderen reinkommt, beginnt jetzt ausgerechnet die saisonal schwierigste Phase des Jahres. September.
Perfektes Timing also für Market Insights. Schauen wir uns zuerst die Markttechnik an. Denn genau dort setzt diese saisonale Schwäche jetzt ein.
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Reminder: Market Timing
JP Morgan zeigt für den Zeitraum von Januar 2006 bis Ende 2025, wie stark das Verpassen weniger besonders guter Handelstage die langfristige Rendite beeinflusst.
- Aus einer durchgehend investierten Anlage von 10.000 USD wurden 80.619 USD bei einer annualisierten Rendite von 11 %.
- Wer lediglich die 10 besten Börsentage verpasste, kam nur auf 35.866 USD beziehungsweise 6,6 % p.a.
- Ohne die 20 besten Tage sank das Endvermögen auf 21.177 USD bei 3,8 % p.a.
Dabei lagen 6 der 10 besten S&P 500 Tage innerhalb von zwei Wochen zu einem der 10 schlechtesten Tage.
5 dieser 6 starken Tage folgten unmittelbar auf besonders schwache Handelstage. Ein Beispiel war 2020. Auf den zweitschlechtesten Handelstag des Jahres am 12. März folgte direkt der zweitbeste
Markttechnik, Saisonalität & Sentiment
📌 7 rote Intraday-Tage in Folge
Der S&P500 schloss zuletzt erst 7 Handelstage in Folge unter seinem jeweiligen Eröffnungskurs. Das, obwohl der Index weiter quasi am Allzeithoch notiert.
In den 11 vergleichbaren Fällen seit 2010 stand der Markt 3 Monate später in 10 Fällen höher, bei einem Medianplus von 5 %.
Der durchschnittliche maximale Drawdown in den folgenden 3 Monaten lag bei rund 6,5 %. Im Nasdaq haben wir auf jeden Fall noch ein offenes Gap um 30.000
📌 Jetzt beginnt saisonal die schwierigste Phase des Jahres
Der S&P 500 tritt im Midterm-Wahljahr historisch ab Mitte August in seine schwächste saisonale Phase ein.
Für die kommenden 10 Handelstage (erste Monatshälfte) liegt die durchschnittliche Rendite bei -1,18 %, auf Monatssicht bei -1,54 %. Besonders der September fällt mit durchschnittlich -1,48 % auf, bevor sich das Muster ab Oktober deutlich verbessert.
Wer darin das Verkaufssignal sieht, hat nicht verstanden, worauf Saisonaliäten basieren. Ferner, diese Statistiken sind kein Geheimnis.
📌 September ist saisonal schwach, aber dieses Setup war historisch deutlich freundlicher
So geht der S&P 500 mit zweistelliger Redite und einem positiven August in den September. Das ändert die Ausgangslage.
In den 11 vergleichbaren Fällen seit 1945, in denen der Markt Ende August zwischen 10 % und 17,5 % im Plus lag und der August selbst positiv war, stiegen die Kurse über die letzten 4 Monate des Jahres in 10 von 11 Fällen, im Schnitt um 5,6 %.
In 9 der 10 schwächsten September seit 1950 lag der S&P 500 bereits Ende August im Jahresminus. Also ein völlig anderes Ausgangsszenario als aktuell.
„September ist historisch schwach“ pauschal auf jedes Jahr anzuwenden, unabhängig davon, mit welcher Ausgangslage der Monat startet, ist falsch.
Seit 1950 ist der September im S&P 500 der schwächste Monat des Jahres, und dieses Muster gilt auch über die vergangenen zehn und zwanzig Jahre. Selbst in Midterm-Wahljahren fällt der September saisonal klar ab und gehört dort zu den drei schwächsten Monaten.
📌 Nach Jackson Hole war der S&P 500 historisch meist höher
Seit 2000 lag der S&P 500 drei Monate nach dem Jackson-Hole-Symposium in 84,6 % der Fälle höher, bei einem Medianplus von 3,5 %.
Der durchschnittliche maximale Rückgang innerhalb dieser 3 Monate lag trotzdem bei rund 6,5 %.
Die Medien machen natürlich folgendes daraus „schlechteste Börsenreaktion auf Jackson Hole ever“. Weltuntergangsstimmung. Panik. Lauft. Verkauft.
Mir tun die Medien Leid.
📌 Doppelstelliges Plus bis August war historisch selten der Auftakt zur großen Korrektur
Wenn der S&P 500 Ende August zwischen 10 % und 20 % im Jahresplus lag, stieg er von September bis Dezember in 90 % der vergleichbaren Fälle weiter, im Schnitt um 6 %.
Unter den 20 historischen Fällen seit 1950 kam es nur einmal zu einem Rückgang von mehr als 10 %, der maximale Drawdown lag damals bei 10,2 %.
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Spannende Earnings diese Woche
Am Montag:
☀️
🌙
Am Dienstag geht es weiter mit:
☀️Medtronic, Nio
🌙 DELL, Palo Alto, Credo, MongoDB, Gitlab
Zur Wochenmitte warten:
☀️–
🌙 Broadcom, Costco, Snowflake, HPE, Argan, PVH, C3ai, Five Below
Am Donnerstag folgen
☀️ Ciena, Flatex
🌙 Zscaler, Samsara, Lululemon, UiPath, Planet Labs, Docusign, Ambarella, ServiceTitan
Zum Wochenabschluss:
☀️Fastenal, UMC
🌙 -
Ich wünsche euch einen erfolgreichen Wochenstart! Euer Valentin
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