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07:03 Uhr, 04.04.2025

MÄRKTE ASIEN/Zollbeben wirkt weiter - Nikkei-Index rutscht um weitere 3,5% ab

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Von Steffen Gosenheimer

DOW JONES--Die Talfahrt nach dem von US-Präsident Donald Trump ausgelösten Zollschock und den dadurch entfachten Wachstumsängsten geht am Freitag in Ostasien in die zweite Runde. Insbesondere die Börse in Tokio trifft es erneut besonders hart, dort verliert der Nikkei-225-Index weitere rund 3,4 Prozent auf 33.555 Punkte. Wieder verstärkt die Währungsseite den Abwärtsdruck, denn der Dollar verliert weiter an Wert, wodurch sie die Exporte japnischer Unternehmen auf Dollarbasis zusätzlich zu den verfügten Zöllen verteuern. Der Dollar kostet 145,70 Yen, verglichen mit Ständen über 150 Yen vor Bekanntgabe der globalen Vergeltungszölle am späten Mittwoch.

Weiter suchen die Anleger ihr Heil am Anleihemarkt, dort sinken die Renditen weiter. Dazu tragen laut Marktteilnehmern auch Erwartungen bei, dass die japanische Notenbank wegen des Zollschocks für die heimische Witschaft weitere Zinserhöhungen hinauszögern dürfte. "Die Sicht der Notenbank auf die Welt könnte sich infolge der Ankündigung stark verändern", sagt Naomi Muguruma von Mitsubishi UFJ Morgan Stanley Securities.

An der Wall Street waren die Indizes zwischen 4 und 6 Prozent regelrecht abgestürzt und zudem praktisch auf den Tagestiefs aus dem Handel gegangen und ihre Terminkontrakte deuten bereits auf weitere Abgaben zum Start am Freitag hin.

Vor diesem Hintergrund geben die Marktbarometer in Ostasien weiter nach, nachdem sie sich am Vortag in der ersten Reaktion teilweise noch vergleichsweise gut gehalten hatten. Der Kospi in Seoul büßt 1,6 Prozent ein. Zumindest leicht gebremst werden könnte die Talfahrt davon, dass der wegen der Verhängung des Kriegsrechts im Dezember suspendierte südkoreanische Präsident Yoon nun endgültig seines Amtes enthoben wurde, womit politische Unsicherheit entweicht. In Sydney geht es um 2,3 Prozent steil abwärts.

Nicht gehandelt wird wegen eines Feiertags an den chinesischen Aktienmärkten, die sich am Donnerstag besser gehalten hatten als die Nachbarplätze. Die Analysten von Daiwa erklären die verhaltenere Reaktion chinesicher Aktien damit, dass sie weniger zu verlieren hätten als beispielsweise ihre Pendants in Südkorea, Taiwan und anderen ostasiatischen Ländern. Handelsspannungen mit den USA belasteten die chinesischen Aktien nämlich bereits seit Monaten. Daneben halten sich Spekulationen, dass die chinesische Notenbank mit Lockerungsmaßnahmen stützend eingreifen könnte. Bei der DBS Group rechnet man mit einer Senkung des Leitzinses für einjährige Kredite um 30 Basispunkte und einer Senkung des Mindestreservesatzes um 100 Basispunkte sowie der Wiederaufnahme des Programms zum Ankauf von Staatsanleihen. Abwärtsrisiken für die Wirtschaft könnten auch durch eine stärkere fiskalische Unterstützung und das Angebot an chinesischen Staatsanleihen abgefedert werden.

Morgan Stanley weist derweil darauf hin, dass politische Lockerungen in Asien nicht ausreichen dürften, um den Wachstumseinbruch durch die umfassenden Zölle auszugleichen. Sie erwarten, dass die politischen Entscheidungsträger als Reaktion auf die US-Handelspolitik eine stärkere fiskal- und geldpolitische Lockerung einleiten werden. Allerdings sei der fiskalische Spielraum aufgrund höherer Staatsverschuldungen im Verhältnis zum BIP diesmal geringer als in der Ära Trump 1.0 zwischen 2018 und 2019.

Die Ökonomen der australischen ANZ rechnen nun mit drei Zinssenkungen in Down Under bis August, nachdem sie vor dem Zollschock nur von einer einzigen in diesem Zeitraum ausgegagngen waren. Die Ankündigungen der Zölle würden noch verdaut, und die kommenden Wochen dürften mehr Klarheit über den Verhandlungsspielraum und mögliche Reaktionen der US-Handelspartner bringen, heißt es dort.

Unter den Einzelwerten trifft es in Tokio u.a. Auto- und Technologietitel überdurchschnittlich hart. Toyota sacken um 5,3, Honda um 6,7 und Mazda um 7,9 Prozent ab. Advantest knicken um 9,9 und Renesas um über 14 Prozent ein. In Seoul stürzt der Kurs des Halbleiterunternehmens SK Hynix um über 13 Prozent ab. Samsung Electronics halten sich mit einem Minus von 1,5 Prozent deutlich besser. In den USA war der Kurs des großen Konkurrenten Apple um 9,3 Prozent in die Knie gegangen.

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Index (Börse)            zuletzt       +/- %      % YTD       Ende 
S&P/ASX 200 (Sydney)    7.675,90       -2,3%      -2,8%      07:00 
Nikkei-225 (Tokio)     33.554,52       -3,4%     -10,4%      08:00 
Kospi (Seoul)           2.447,55       -1,6%      +2,0%      09:00 
Schanghai-Comp.         Feiertag                  -0,0% 
Hang-Seng (Hongk.)      Feiertag                 +15,7% 
Straits-Times (Sing.)   3.942,23       -0,4%      +4,4%      11:00 
 
DEVISEN                  zuletzt       +/- %      00:00  Do, 09:29   % YTD 
EUR/USD                   1,1088         0,3     1,1052     1,0946   +4,6% 
EUR/JPY                   161,45         0,1     161,26     161,34   -1,1% 
EUR/GBP                   0,8464         0,4     0,8434     0,8352   +0,7% 
GBP/USD                   1,3100        -0,0     1,3103     1,3105   +3,8% 
USD/JPY                   145,60        -0,2     145,92     147,40   -5,5% 
USD/KRW                 1.436,65        -1,0   1.451,68   1.464,52   -0,6% 
USD/CNY                   7,1420        -0,5     7,1751     7,1932   +0,2% 
USD/CNH                   7,2456        -0,5     7,2803     7,3187   -0,5% 
USD/HKD                   7,7758        -0,0     7,7768     7,7799   +0,2% 
AUD/USD                   0,6241        -1,4     0,6327     0,6299   +1,1% 
NZD/USD                   0,5721        -1,2     0,5790     0,5765   +2,3% 
BTC/USD                82.734,15        -0,0  82.747,70  83.279,15   -9,3% 
 
METALLE                  zuletzt      Vortag      +/- %    +/- USD   % YTD 
Gold                    3103,915      3113,9      -0,3%      -9,99  +19,1% 
Silber                     28,49       28,84      -1,2%      -0,35  +11,9% 
Platin                    861,06      865,45      -0,5%      -4,39   +2,5% 
Kupfer                     4,772      4,8285      -1,2%      -0,06  +17,5% 
YTD bezogen auf Schlusskurs des Vortags 
 

Kontakt zum Autor: maerkte.de@dowjones.com

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