Analyse
11:20 Uhr, 05.01.2026

HANNOVER RÜCK und MUNICH RE unter Druck - Was ist da los?

Die Erneuerungsrunde zum 1. Januar 2026 markiert für die Rückversicherungsbranche einen gewissen Wendepunkt. Nach mehreren Jahren mit steigenden Preisen und strikten Bedingungen haben sich die Kräfteverhältnisse verschoben.

Erwähnte Instrumente

  • Münchener Rück. (Munich Re) AG - WKN: 843002 - ISIN: DE0008430026 - Kurs: 533,600 € (XETRA)
  • Hannover Rück SE - WKN: 840221 - ISIN: DE0008402215 - Kurs: 252,200 € (XETRA)

Die Münchener Rück (Munich RE) und Hannover Rück berichten übereinstimmend von einem wettbewerbsintensiveren Marktumfeld, in dem die Erstversicherer wieder mehr Verhandlungsmacht besitzen.

Im Kern geht es um Preise und Vertragsstrukturen. Für schadenfreie Programme, insbesondere im Bereich der Naturkatastrophendeckungen, sind die risikoadjustierten Preise zum Jahreswechsel vielfach um zehn bis 20 % gesunken. Gleichzeitig blieb die grundsätzliche Struktur der Verträge weitgehend stabil. Höhere Selbstbehalte oder deutliche Einschränkungen des Deckungsumfangs, wie sie in den Vorjahren üblich waren, spielten diesmal eine geringere Rolle.

Wettbewerb nimmt zu, Kapitalausstattung weiter sehr stark

Ursache dieser Entwicklung ist vor allem die hohe Kapitalausstattung der Branche. Rückversicherer haben in den vergangenen Jahren überdurchschnittlich verdient, diese Mittel sind im Markt geblieben oder durch neues Kapital ergänzt worden. Die Folge ist ein Überangebot an Kapazität, speziell in attraktiven Segmenten mit moderater Schadenhistorie. Entsprechend aggressiv wurde in den Verhandlungen um Preise gerungen.

Die Hannover Rück spricht von einem weiterhin "attraktiven Markt“, betont jedoch, dass sich der Wettbewerb deutlich verschärft habe. Preisdruck sei vor allem dort spürbar, wo Programme zuletzt keine oder nur geringe Schäden verzeichneten. In schadenbelasteten Regionen und bei komplexen Risiken konnten Rückversicherer ihre Konditionen hingegen weitgehend verteidigen.

An der Börse sorgt diese Gemengelage für Zurückhaltung. Die Rückversicherungsaktien starten verhalten ins neue Jahr, da Investoren befürchten, dass sinkende Preise mittelfristig die Margen belasten könnten. Zwar liegen die Prämienniveaus weiterhin über dem langfristigen Durchschnitt, der Übergang von einem harten zu einem weicheren Markt erhöht jedoch den Druck auf die Profitabilität.

Die Unternehmen verweisen dagegen auf ihre Disziplin im Underwriting. Sowohl Munich Re als auch Hannover Rück betonen, dass Wachstum nicht um jeden Preis angestrebt werde und unzureichend bepreiste Risiken konsequent gemieden würden. Zudem bietet das weiterhin hohe Zinsniveau Rückenwind auf der Kapitalanlageseite.

Fazit: Ich hatte diese Thematik rund um die Erneuerungsrunden schon mehrfach in früheren Artikeln betont, beispielsweise hier bereits im Mai. Die goldenen Zeiten sind zwar vorbei, es sind aber weiterhin gute Zeiten. Für Panik gibt es keinen Anlass. Die Outperformance der Aktien dürfte aber vorbei sein, bis sich neue Impulse ergeben. Die könnten noch einige Zeit auf sich warten lassen. Korrekturen in den Bereich um 500 EUR bieten bei der Münchener-Rück-Aktie erste Chancen zum Einstieg. Die Dividendenrendite sollte dann wieder stützen, zumindest solange die Gewinnentwicklung nicht stärker leidet.

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Schätzungen für die Münchener Rück (Munich RE)

Jahr 2025e* 2026e* 2027e*
Umsatz in Mrd. EUR 74,42 77,14 80,64
Ergebnis je Aktie in EUR 48,22 51,07 53,43
KGV 11 10 10
Dividende je Aktie in EUR 22,32 23,74 25,76
Dividendenrendite 4,19% 4,45% 4,83%

*e = erwartet, Berechnungen basieren bei
US-Unternehmen auf Non-GAAP-Daten

Münchener Rück. (Munich Re) AG-Aktie
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