Reich mit Dividenden: Diese Versicherungsaktien sorgen für Stabilität in volatilen Zeiten
- Lesezeichen für Artikel anlegen
- Artikel Url in die Zwischenablage kopieren
- Artikel per Mail weiterleiten
- Artikel auf X teilen
- Artikel auf WhatsApp teilen
- Ausdrucken oder als PDF speichern
Erwähnte Instrumente
- VerkaufenKaufen
- VerkaufenKaufen
Während viele große US-Technologiewerte 2026 bislang schwächeln, liefern europäische Versicherungsaktien robuste Zahlen. Allianz, Munich Re und AXA meldeten zuletzt Rekordgewinne – und kündigten steigende Dividenden sowie umfangreiche Aktienrückkäufe an.
Damit positionieren sich Dividenden-Aktien aus dem Versicherungssektor als verlässliche Ertragsquelle in einem volatilen Marktumfeld. Titel wie die Allianz-Aktie oder die Munich-Re-Aktie kombinieren stabile Geschäftsmodelle mit wachsenden Ausschüttungen und solider Bilanzqualität.
In unserer heutigen Goldesel Topstory analysieren wir, wie nachhaltig die hohen Dividenden der Versicherer wirklich sind, welche Unterschiede zwischen Erst- und Rückversicherern bestehen und welche Aktien sich für unterschiedliche Anlegertypen eignen könnten.
✓
✕
”
Was ist eine Rückversicherung?
Rückversicherung ist vereinfacht gesagt die „Versicherung für Versicherungen“. Erstversicherer geben einen Teil ihrer Risiken – etwa bei Großschäden oder Naturkatastrophen – an Rückversicherer wie Munich Re, Hannover Re oder Swiss Re weiter. Häufen sich schwere Schäden, steigen in der Regel die Preise für diese Absicherungen, weil das Risiko neu bewertet wird. Da der globale Rückversicherungsmarkt von wenigen großen Anbietern dominiert wird, sorgt diese Oligopol-Struktur häufig für disziplinierte Preisgestaltung und langfristig stabile Margen.
6 Versicherungsaktien im Detail
Erstversicherer: Prämienwachstum und planbare Cashflows
Bevor wir in die Einzelanalysen gehen, werfen wir einen Blick auf das Fundament. Versicherer sind im Kern gigantische Kapital Sammelbecken. Aber wer nutzt seine Größe am effizientesten?
| Allianz | AXA | Generali | |
|---|---|---|---|
| Bilanzsumme [Mrd. EUR] |
1.030 | 654 | 530 |
| Bruttogewinn [Mrd. EUR] |
17,4 | 8,4 | 7,3 |
| Asset-Effizienz |
1,69 % | 1,28 % | 1,38 % |
| Solvabilitäts-Quote |
218 % | 224 % | 210 % |
Das kleine Versicherungs 1×1
Damit wir vom Gleichen sprechen, hier die wichtigsten Begriffe kurz erklärt:
- Bilanzsumme: Das „Gewicht“ des Riesen. Sie umfasst alle Vermögenswerte (Investments, Immobilien, Barreserven). Je größer, desto mehr Kapital arbeitet im Hintergrund, um Gewinne zu generieren.
- Operatives Ergebnis: Der Gewinn aus dem Kerngeschäft (Versicherung & Investment), bevor Steuern oder einmalige Sondereffekte die Sicht vernebeln. Das „echte“ Handwerk.
- Asset-Effizienz: Unsere Vergleichsgröße. Sie zeigt, wie viel Cent operativer Gewinn pro investiertem Euro Bilanzsumme hängen bleiben. Hier trennt sich die Spreu vom Weizen in der Kapitalallokation.
- Solvabilitätsquote: Das Sicherheitspolster. Sie gibt an, über wie viel Eigenkapital ein Versicherer verfügt, um selbst extreme Krisenszenarien (Schwere Naturkatastrophen + Börsencrash) zu überstehen. Ein Wert über 200 % gilt als exzellent.
Warum die Zahlen gerade jetzt glänzen
Die Bilanzsummen der Versicherer wirken wie ein Hebel: Da die Zinsen auf einem stabilen Niveau verharren, werfen die Billionen-schweren Portfolios der Erstversicherer so viel Rendite ab wie seit einem Jahrzehnt nicht mehr. Gleichzeitig erlauben es die „harten Marktbedingungen“, steigende Kosten direkt an die Kunden weiterzugeben. Das Ergebnis: Rekordgewinne bei gleichzeitig defensiver Absicherung.
Werde einer von uns:
Goldesel Premium
- Einblick in alle Premium Trades & Depots
- Baue dir finanziellen Wohlstand auf durch exklusive Lerninhalte, Guides & Video-Kurse
- Monatliches Premiumabo
Allianz
Die Allianz ist der mit Abstand größte Versicherer Europas und verwaltet als Konzern ein Gesamtvermögen von über einer Billion Euro. Das Geschäftsmodell ruht auf drei Säulen: Schaden- und Unfallversicherung (P&C), Lebens- und Krankenversicherung sowie Asset Management über die Töchter PIMCO und Allianz Global Investors. Gerade die Kombination aus Versicherung und Vermögensverwaltung macht den Konzern besonders: Während die Versicherungssparte stabile Prämieneinnahmen liefert, generiert das Asset Management unabhängig vom Schadenverlauf laufende Gebühreneinnahmen.
Für das Geschäftsjahr 2025 meldete die Allianz am 26. Februar ein operatives Rekordergebnis von 17,4 Milliarden Euro, ein Plus von gut 8 % gegenüber dem Vorjahr. Die Combined Ratio im Schaden- und Unfallgeschäft verbesserte sich auf 92,2 %, die Eigenkapitalrendite stieg auf 18,1 %. Gleichzeitig kletterte die Solvency-II-Quote auf 218 %, was dem Konzern reichlich Spielraum für die Kapitalrückführung an Aktionäre lässt.
Genau diesen Spielraum nutzt das Management konsequent: Die Dividende soll um 11 % auf 17,10 Euro je Aktie steigen, das wäre die 16. Erhöhung in Folge ohne zwischenzeitliche Kürzung. Dazu kommt ein frisch angekündigtes Aktienrückkaufprogramm über 2,5 Milliarden Euro, das im März 2026 starten soll. In Summe fließen damit rund 9,5 Milliarden Euro an die Aktionäre zurück. Ein kleiner Wermutstropfen: Die Guidance für 2026 fiel mit 17,4 Milliarden Euro (±1 Mrd.) etwas unter dem Analystenkonsens von 18,1 Milliarden aus. Für Dividendenanleger ändert das wenig. Bei einem KGV von unter 10 und einer Dividendenrendite von rund 4,5 % bleibt die Bewertung trotz der starken Kursrally der vergangenen zwölf Monate (+31 %) erstaunlich moderat.
✓
✕
”
Allianz und KI
Die Allianz hat 2025 eine globale Partnerschaft mit dem KI-Unternehmen Anthropic gestartet, um künstliche Intelligenz konzernweit in Underwriting, Schadenbearbeitung und Kundenservice einzusetzen. Das Ziel: schnellere Policen-Ausstellung, präzisere Risikoeinschätzung und langfristig niedrigere Verwaltungskosten.
Chart
Die Allianz ist wie viele defensive Titel zuletzt gut gelaufen und die Trendlinie seit Anfang November hat den Kurs der Aktie weiter gen Norden geführt. Zuletzt bildet die Allianz-Aktie allerdings mehrere tiefere Hochs und der Bereich zwischen 380 und 392 stellt einen Widerstand dar. Bei einem Ausbruch über 392 könnte man prozyklisch Folgen. Bei dem zuletzt guten Lauf der Aktie bietet sich allerdings eher ein antizyklischer Einstieg bei einem Test der Trendlinie an. Bricht dieses Niveau, könnte zunächst eine Korretkur ins Hause stehen.
AXA
AXA zählt zu den größten Erstversicherern Europas mit starker Position im Schaden- und Unfallgeschäft sowie im Gesundheits- und Firmenkundensegment. Für 2025 meldete der Konzern ein Underlying EPS von 3,86 EUR, ein Plus von 8 % gegenüber dem Vorjahr. Damit setzt AXA den profitablen Wachstumskurs fort und profitiert von diszipliniertem Pricing sowie einer soliden operativen Entwicklung im P&C-Bereich.
Die Dividende soll auf 2,32 EUR je Aktie steigen, ebenfalls ein Plus von 8 % gegenüber 2024 (2,15 EUR). Zusätzlich plant AXA ein Aktienrückkaufprogramm von 1,25 Milliarden EUR. Ein weiterer Sonderrückkauf in Höhe von 3,8 Milliarden EUR aus dem Verkauf von AXA IM wurde bereits abgeschlossen. Mit einer Solvency-II-Quote von 224 % verfügt der Konzern über eine sehr starke Kapitalbasis.
Bewertungstechnisch liegt das KGV auf TTM-Basis bei rund 11,8. Bei einem Kursniveau von etwa 41 EUR ergibt sich eine Dividendenrendite von rund 5,6 %. Risiken bleiben Naturkatastrophen sowie Kapitalmarktschwankungen, insbesondere bei starken Zins- oder Marktbewegungen. Insgesamt bietet AXA jedoch eine attraktive Kombination aus defensiver Qualität, solider Bilanz und verlässlichem Dividendenwachstum.
Chart
Bei Axa hat der Unterstützungsbereich zwischen 37,20 und 38,15 EUR zuletzt gehalten und die Aktie konnte einen Doppelboden ausbilden. Aktuell scheint sogar der Widerstand zwischen 40,75 und 41,40 EUR überwunden zu werden. Nächster Halt: die Allzeithochs zwischen 43 und 43,40 EUR. Bei einem kleinen Rücksetzer zur 200-Tagelinie könnt man hier den Einstieg suchen.
Generali
Die Generali ist nicht nur der größte Versicherer Italiens, sondern ein europäisches Schwergewicht mit einer besonders starken Präsenz in Deutschland und Frankreich. Während Konkurrenten oft globaler aufgestellt sind, fokussiert sich die Generali auf ihre Kernmärkte in Europa und baut gezielt durch Übernahmen ihr Asset Management sowie das lukrative Sachversicherungsgeschäft aus. Mit dem neuen Strategieplan „Lifetime Partner 27: Driving Excellence“ setzt der Konzern massiv auf Digitalisierung und KI, um die operative Marge weiter zu steigern.
Die Dividenden-Story: Kontinuierliches Wachstum
Für Cashflow-Investoren ist die Generali wie die meisten Versicherer ein Paradebeispiel für Beständigkeit. Das Management verfolgt eine strikte Dividenden-Politik: Das bedeutet, die Dividende soll pro Aktie jedes Jahr steigen oder zumindest stabil bleiben – Senkungen sind im strategischen Plan nicht vorgesehen.
- Wachstumsziel: Der Konzern strebt eine jährliche Steigerung der Dividende (CAGR) von über 10 % bis 2027 an.
- Cash-Generierung: Im Zeitraum 2025–2027 plant Generali insgesamt über 7 Mrd. € an Dividenden auszuschütten.
- Zusatz-Turbo: Neben der Dividende nutzt Generali aktiv Aktienrückkäufe (aktuell läuft ein Programm über 500 Mio. €), was den Gewinn pro Aktie und damit das Potenzial für weitere Erhöhungen stützt.
Mit einer historisch Dividendenrendite von aktuell knapp 4 % ist die Aktie ein klassischer „Value-Anker“ für jedes Depot, der besonders in seitwärts laufenden Märkten seine Stärken ausspielt.
Chart
Die Generali-Aktie hat eine unterstützende Trendlinie seit dem April-Tief 2025 ausgebildet. In Kombination mit der 200-Tagelinie hangelte sich die Aktie zuletzt wieder ans Jahreshoch bei 36,40 EUR, wurde hier jedoch erneut abgewiesen. Es besteht die Gefahr eines Doppeltops. Bei einem Ausbruch über 36,40 EUR könnten allerdings die Allzeithochs aus dem Jahr 2000 zwischen 38,60 und 39,30 EUR in Angriff genommen werden.
Rückversicherer: Profiteure der harten Marktphase
Während Erstversicherer direkt mit Privat- und Firmenkunden arbeiten, agieren Rückversicherer eine Ebene dahinter. Ihr Geschäftsmodell basiert darauf, Erstversicherern gegen eine Prämie einen Teil des Risikos abzunehmen. Was dieses Segment besonders attraktiv macht: Der Markt wird weltweit von nur einer Handvoll Anbietern dominiert, die über ausreichend Kapital verfügen, um Milliarden-Risiken zu schultern. Das schafft hohe Eintrittsbarrieren und sorgt für eine Preisdisziplin, die sich in überdurchschnittlichen Eigenkapitalrenditen widerspiegelt. In der aktuellen Marktphase profitieren Munich Re, Hannover Re und Swiss Re zusätzlich von gestiegenen Prämien und starken Kapitalerträgen.
Munich Re
Die Munich Re ist weit mehr als nur ein Versicherer für Versicherungen. Sie agiert als globaler Wissens-Hub und „Lender of Last Resort“ für komplexe Risiken. Wenn Erstversicherer wie die Allianz an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen, sei es bei Jahrhundert-Fluten oder gigantischen Industrie-Ausschreibungen, kommt die Munich Re ins Spiel. Durch ihr enormes Kapitalpolster und ihre mathematische Expertise setzt sie oft die Preise für den gesamten Weltmarkt fest.
Die Rekordzahlen 2025 (frisch vom 26.02.2026)
- Nettoergebnis: 6,1 Mrd. €, damit wurde das eigene Ziel (5 Mrd. €) massiv übertroffen. Es ist das fünfte Jahr in Folge, in dem die Munich Re ihre Prognose geschlagen hat.
- Eigenkapitalrendite (RoE): Starke 18,3 %, was die hohe Effizienz der Kapitalverwendung unterstreicht.
- Ausblick 2026: Das Management ist optimistisch und peilt für das laufende Jahr bereits einen Gewinn von 6,3 Mrd. € an.
Spezialrisiken & Lloyd’s: Wo Algorithmen an ihre Grenzen stoßen
Die Munich Re ist der unangefochtene Vorreiter im Bereich Cyber-Versicherungen. In einem Markt, der bis 2030 sein Volumen verdoppeln soll, sichert sich München die lukrativsten Segmente, da sie über die besten Datenmodelle zur Berechnung von Hacker-Angriffen verfügen.
Zudem ist der Konzern wie auch die beiden anderen Rückversicherungen über das Munich Re Syndicate 457 ein prominenter Akteur am Lloyd’s of London. Auf diesem legendären Marktplatz zeichnet die Munich Re hochspezialisierte Risiken (von Satellitenstarts bis hin zu Pandemie-Schutz-Lösungen), die fernab vom klassischen Standardgeschäft für „unkorrelierte“ – also börsenunabhängige – Erträge sorgen.
Der Dividenden-Hammer: 24 Euro für die Aktionäre
Wenn es eine Aktie gibt, die das Wort „Dividendenwachstum“ verkörpert, dann ist es die Munich Re. Die aktuelle Ankündigung hat den Markt diese Woche elektrisiert:
- Dividenden-Sprung: Für das Geschäftsjahr 2025 schlägt der Vorstand eine Dividende von 24,00 € pro Aktie vor (nach 20,00 € im Vorjahr). Das liegt über den Erwartungen der Analysten und impliziert damit eine aktuelle Dividendenrendite von 4,5 %
- Aktienrückkäufe: Zusätzlich zur Dividende wurde ein neues Rückkaufprogramm im Volumen von bis zu 2,25 Mrd. € beschlossen.
- Gesamtrendite: Allein durch Dividenden und Rückkäufe fließen im kommenden Jahr rund 5,3 Mrd. € an die Aktionäre zurück.
Chart
Die Aktie der Munich Re bildet zuletzt tiefere Hochs und tiefere Tiefs aus, sodass sich ein Einstieg hier nicht aufdrängt. Sollte die 200-Tagelinie jetzt allerdings gehalten und das Hoch bei 565,80 EUR überwunden werden, hellt sich das Chartbild wieder etwas auf. Über 575 EUR und damit über dem Widerstandsbereich könnte man hier wieder einsteigen. Antizyklisch wäre ein Rücklauf in Richtung der runden 500 EUR Marke spannend.
Hannover Re
Hannover Re zählt zu den weltweit führenden Rückversicherern und profitiert von einer disziplinierten Zeichnungspolitik sowie langjährigen Kundenbeziehungen. Für das Geschäftsjahr 2025 meldete der Konzern einen vorläufigen Gewinn von 2,64 Milliarden EUR und übertraf damit die zuletzt angehobene Prognose. Gleichzeitig konnte das Prämienvolumen in der wichtigen Erneuerungsrunde zum 1. Januar um 3,3 % gesteigert werden. Für 2026 stellt der Vorstand einen Konzerngewinn von mindestens 2,7 Milliarden EUR in Aussicht.
Besonders hervorzuheben ist die vorsorgliche Stärkung der Schadenreserven, die die Bilanzqualität weiter verbessert. In einem Marktumfeld, das sich nach den Boom-Jahren etwas normalisiert, bleibt das Preisniveau historisch betrachtet weiterhin attraktiv. Analysten reagierten entsprechend positiv und hoben ihre Kursziele an. Das Management beweist damit, dass auch bei zunehmendem Wettbewerb profitables Wachstum möglich ist.
Bewertungstechnisch liegt das KGV auf TTM-Basis bei 10,99, für 2025 bei 12,16. Die Dividende für 2026 wird mit 12,59 EUR ausgewiesen, was einer Rendite von rund 2,75 % entspricht. Risiken ergeben sich vor allem aus unvorhersehbaren Großschäden sowie zunehmendem Preisdruck im Rückversicherungsmarkt. Insgesamt bleibt Hannover Re jedoch ein qualitativ hochwertiger Dividendenwert mit solider Ertragsbasis und defensivem Profil innerhalb des Finanzsektors.
Chart
Die Aktie der Hannover Rück ist zuletzt an der 200-Tagelinie gescheitert, nachdem das Papier zuvor auf die Unterstützung zwischen 232 und 240 EUR positiv reagiert hatte. Die 50-Tagelinie liegt stützend unter dem aktuellen Kurs. Bei 270 EUR lauert der nächste Widertand.
Werde einer von uns:
Goldesel Premium
- Einblick in alle Premium Trades & Depots
- Baue dir finanziellen Wohlstand auf durch exklusive Lerninhalte, Guides & Video-Kurse
- Monatliches Premiumabo
Swiss RE
Die Swiss Re ist der zweitgrößte Rückversicherer der Welt und in drei Bereichen aktiv: Schaden- und Unfall-Rückversicherung (P&C Re), Lebens- und Kranken-Rückversicherung (L&H Re) sowie Corporate Solutions, dem Direktversicherungsarm für Großunternehmen. Nach schwächeren Jahren, in denen Altlasten aus der Lebensrückversicherung und Großschäden die Ergebnisse belasteten, hat das Unternehmen unter CEO Andreas Berger einen konsequenten Turnaround vollzogen und unrentable Portfolios bereinigt.
Die Zahlen für 2025, die am 27. Februar 2026 veröffentlicht wurden, bestätigen den Erfolg eindrucksvoll: Der Konzerngewinn sprang um 47 % auf ein Rekordniveau von 4,8 Milliarden US-Dollar und übertraf damit das eigene Ziel von 4,4 Milliarden deutlich. Die Eigenkapitalrendite kletterte auf 19,6 % nach 15 % im Vorjahr, und die P&C-Rückversicherung erzielte mit einer Combined Ratio von 79,4 % ein herausragendes Ergebnis. Einziger Makel: Die Lebens- und Kranken-Rückversicherung verfehlte ihr Gewinnziel wegen einer 650-Millionen-Dollar-Bereinigung, die laut Management nun aber abgeschlossen ist.
Bei der Kapitalrückführung überraschte Swiss Re den Markt positiv: Die Dividende steigt um 9 % auf 8,00 US-Dollar je Aktie (Auszahlung erfolgt in Schweizer Franken, der genaue CHF-Betrag wird am 14. April festgelegt). Hinzu kommt ein Aktienrückkaufprogramm über 1,5 Milliarden US-Dollar, dreimal mehr als von Analysten erwartet. In Summe fließen rund 3,9 Milliarden Dollar an die Aktionäre, etwa 80 % des Jahresgewinns. Die Solvenzquote (SST) liegt bei soliden 250 %.
Wichtig für Anleger: Swiss Re bilanziert in US-Dollar, die Aktie wird jedoch in Schweizer Franken an der Börse Zürich gehandelt. Für 2026 peilt der Konzern einen Nettogewinn von 4,5 Milliarden Dollar an und will die Dividende weiterhin um mindestens 7 % jährlich steigern. Die neue Strategie „Built to Lead“ setzt auf diszipliniertes Underwriting, KI-gestützte Risikomodelle und gezielte Kostensenkungen. Mit einem Forward-KGV von rund 10 bietet Swiss Re unter den Rückversicherern das interessanteste Chance-Risiko-Verhältnis für Anleger, die auf Erholungspotenzial und steigende Ausschüttungen setzen.
Chart
Die Aktie der Swiss RE ist vom Unterstützungsbereich um die 120 EUR zuletzt wieder deutlich angestiegen. Zwischen 133,75 und 138 EUR liegt jedoch ein Widerstandsbereich, der von der 200-Tagelinie bei aktuell rund 140 EUR unterstützt wird. Bei einem Ausbruch über 140 EUR könnte der nächste Widerstand um das Allzeithoch zwischen 153 und 156 EUR angelaufen werden.
✓
✕
”
Harter vs. weicher Markt
Die Versicherungsbranche schwankt zwischen „harten“ und „weichen“ Marktphasen. In harten Phasen steigen die Prämien, weil Großschäden die Rücklagen belasten. Genau in einer solchen Phase befinden wir uns aktuell. Zusammen mit hohen Kapitalanlagerenditen ist das der Hauptgrund für die Rekordgewinne quer durch die Branche. Historisch folgt auf solche Boom-Phasen eine Normalisierung, wenn frisches Kapital in den Markt strömt und die Preise wieder unter Druck geraten.
Tabelle: Direkter Vergleich
| Allianz | AXA | Generali | Munich Re | Hannover Re | Swiss Re | |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Typ | Erstversicherer | Erstversicherer | Erstversicherer | Rückversicherer | Rückversicherer | Rückversicherer |
| Marktkapitalisierung | ~146 Mrd. € | ~82 Mrd. € | ~54 Mrd. € | ~68 Mrd. € | ~31 Mrd. € | ~40 Mrd. CHF |
| KGV (TTM) | ~10 | ~12 | ~14 | ~11 | ~12 | ~13 |
| Dividende je Aktie | 17,10 € | 2,32 € | offen* | 24,00 € | offen* | 8,00 USD** |
| Dividendenrendite | ~4,5 % | ~5,6 % | ~4,0 % | ~4,4 % | ~2,8 % | ~5,3 % |
| RoE (2025) | 18,1 % | ~15 % | offen* | 18,3 % | ~22 %*** | 19,6 % |
| Solvenzquote | 218 % | 224 % | offen* | 298 % | ~259 %*** | 250 % |
| Buyback 2026 | 2,5 Mrd. € | 1,25 Mrd. € | 0,5 Mrd. € | 2,25 Mrd. € | — | 1,5 Mrd. USD |
Fazit
Europäische Versicherer erleben gerade ihre goldene Phase: Die Kombination aus attraktiven Zinsen und steigenden Prämien beschert der Branche Rekordgewinne und ermöglicht Dividendenerhöhungen, wie sie selbst langjährige Aktionäre selten gesehen haben. In einem Marktumfeld, in dem die US-Technologieriesen geschlossen im Minus liegen, bieten Versicherungsaktien genau das, was viele Depots derzeit brauchen: defensive Qualität mit planbaren Erträgen.
- Dividendenjäger finden bei Munich Re (24,00 € je Aktie, +20 %) und der Allianz (17,10 €, +11 %) die zuverlässigsten Zahler mit langjähriger Steigerungshistorie.
- Value-Investoren sollten sich AXA (Dividendenrendite ~5,6 %, KGV unter 12) und Generali (Bewertungsdiscount, geplante Dividenden-CAGR >10 %) genauer ansehen.
- Turnaround-Potenzial bietet Swiss Re: Der Gewinnsprung von 47 %, das neue Rückkaufprogramm und ein Forward-KGV von rund 10 machen die Aktie unter den Rückversicherern zum spannendsten Aufholkandidaten.
Risiken und Ausblick
Die Party muss nicht ewig dauern. Sollte sich der Rückversicherungsmarkt ab 2027 weiter normalisieren und die Prämien unter Druck geraten, dürften die Rekordmargen nicht zu halten sein. Hinzu kommen steigende Schadenfrequenzen durch den Klimawandel – allein die Waldbrände in Los Angeles Anfang 2025 kosteten die Branche Milliarden – sowie das Risiko einer erneuten Zinswende nach unten, die die Kapitalerträge schmälern würde. Wer Versicherungsaktien als langfristigen Dividendenanker im Depot sieht und die branchentypische Zyklizität akzeptiert, findet in dieser Topstory aber gleich sechs starke Kandidaten, die mit robusten Bilanzen, disziplinierter Kapitalrückführung und Bewertungen deutlich unter dem breiten Markt überzeugen können.
Offenlegung wegen möglicher Interessenkonflikte
Keiner der Autoren dieses Beitrages ist in einem der besprochenen Wertpapieren bzw. Basiswerten zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieser Analyse investiert.
