Fundamentale Nachricht

Goldstandard: Der größte Betrug aller Zeiten?

Mit einem einzigen Federstreich beendete US-Präsident Richard Nixon vor 45 Jahren die Eintauschbarkeit von Dollar gegen Gold zum festen Preis von 35 Dollar je Unze und betrog so Notenbanken in der ganzen Welt um ihre Devisenreserven.

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  • Gold
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Der 15. August 1971 dürfte in den wenigsten Geschichtsbüchern des vergangenen Jahrhunderts eine herausragende Rolle spielen. Aber an genau diesem Tag geschah etwas, das noch heute die Devisenmärkte stärker beeinflusst als fast alle anderen Entscheidungen des 20. Jahrhunderts.

Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs waren die wichtigsten Währungen der Welt im sogenannten Bretton-Woods-System organisiert. Die Siegermächte des Zweiten Weltkriegs hatten im Juli 1944 im Ort Bretton Woods im US-Bundesstaat New Hampshire dieses Währungssystem vereinbart. Das Bretton-Woods-System sollte die Vorteile flexibler Wechselkurse mit denen fester Wechselkurse verbinden.

Kern des Bretton-Woods-System war, dass der US-Dollar als Ankerwährung für alle anderen Währungen dienen sollte. Zwischen dem Dollar und anderen Währungen wurden feste Wechselkurse festgelegt, die aber innerhalb einer bestimmten Bandbreite schwanken durften.

Die ausländischen Notenbanken kauften und verkauften Dollars, um den Wechselkurs innerhalb der vereinbarten Grenzen zum Dollar zu halten. Im Gegenzug verpflichtete sich die US-Notenbank, Gold in unbegrenzten Mengen gegen Dollar zu kaufen und zu verkaufen, und zwar zum festgesetzten Goldpreis von 35 Dollar je Unze.

Eine Folge: Statt selbst Gold zu halten, sollten die ausländischen Notenbanken Dollars in ihren Tresorräumen bunkern. Die Dollars waren schließlich so gut wie Gold: Sie konnten jederzeit gegen das Edelmetall eingetauscht werden. So zumindest das Versprechen, das mehrere Jahrzehnte auch eingehalten wurde.

Doch die Eintauschbarkeit gegen Gold stellte sich immer mehr als Lüge heraus: Weltweit bestand ein immer größerer Bedarf an Dollars - um als Währungsreserven zu dienen, aber auch um Handel mit den USA zu betreiben. Die USA erzielten im Handel mit dem Rest der Welt ein immer größeres Leistungsbilanzdefizit. Im Ausland sammelten sich immer größere Dollarbestände an, die weit größer waren als die US-Goldreserven. Es wäre also schlicht unmöglich gewesen, alle Dollars zum festgelegten Preis gegen Gold einzutauschen. Das Missverhältnis wurde mit der Zeit so groß, dass das Vertrauen in den Dollar immer stärker abnahm und eine Währungskrise drohte. Im Jahr 1968 wurde die Einlösbarkeit von Dollar gegen Gold bereits stark eingeschränkt: Nur noch Notenbanken durften bei der US-Notenbank Fed Dollar gegen Gold tauschen. Aber auch die Dollar-Reserven der ausländischen Notenbanken überstiegen die Goldreserven der US-Notenbank dramatisch: Die US-Notenbank verfügte nur noch über Goldreserven von 12 Mrd. Dollar, während die ausländischen Notenbanken Dollars im Wert von mehr als 50 Mrd. Dollar bunkerten.

Am 15. August 1971 verkündete US-Präsident Richard Nixon schließlich eine Entscheidung, die letztlich zum Zusammenbruch des Bretton-Woods-Systems führte: Nixon hob die Eintauschbarkeit des Dollars gegen Gold auf. Der Dollar konnte nicht mehr zum festgesetzten Preis in Gold umgetauscht werden.

Was eigentlich eine Bankrotterklärung der USA und des Bretton-Woods-System gleichkam, begründete Nixon mit einer angeblichem Stärkung des Dollars, obwohl die Entscheidung genau das Gegenteil, also eine Schwächung des Dollars, bewirkte. Die Schuld an der Vertrauenskrise des Dollars schob Nixon den „internationalen Geldspekulanten“ in die Schuhe:

„Wir müssen die Position des US-Dollar als eines Stützpfeilers der Währungsstabilität überall in der Welt schützen. In den letzten sieben Jahren kam es durchschnittlich jedes Jahr zu einer internationalen Währungskrise. Wer profitiert von solchen Krisen? Nicht der Arbeiter, nicht der Kapitalanleger, nicht die wahren Produzenten von Vermögenswerten. Die Gewinner sind die internationalen Geldspekulanten. Weil sie von Krisen leben, helfen sie mit, Krisen zu schaffen. In den letzten Wochen haben die Spekulanten einen Krieg mit allen Mitteln gegen den amerikanischen Dollar entfacht. Die Stärke der Währung einer Nation beruht auf der Stärke ihrer Wirtschaft – und die amerikanische Wirtschaft ist die bei weitem stärkste der ganzen Welt. Dementsprechend habe ich den Finanzminister beauftragt, die zur Verteidigung des Dollars gegen Spekulanten erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen. Ich habe Finanzminister Connally angewiesen, vorübergehend die Konvertibilität des Dollar in Gold oder andere Reservemittel auszusetzen, ausgenommen bei Beträgen und unter Bedingungen, die als im Interesse der Währungsstabilität und als im besten Interesse der Vereinigten Staaten liegend angesehen werden. [...] Diese Maßnahme wird uns keine Freunde unter den internationalen Geldhändlern einbringen, aber unsere Sorge gilt in erster Linie den amerikanischen Arbeitern und einem fairen Wettbewerb überall auf der Welt. [...] Ich bin entschlossen, dafür zu sorgen, dass der amerikanische Dollar nie wieder ein Spielball in den Händen der internationalen Spekulanten sein wird.“

Um einen plötzlichen Inflationssprung und einen Vertrauensverlust in den Dollar zu verhindern, verkündete Nixon außerdem eine Fixierung aller Löhne und Preise in den USA für eine Dauer von 90 Tagen. Außerdem wurde ein Einfuhrzoll von 10 Prozent auf alle Importwaren verhängt.

Das folgende Youtube-Video zeigt den entscheidenden Abschnitt der Rede von Richard Nixon vom 15. August 1971 (englisch):

Das folgende Youtube-Video zeigt die gesamte Rede (englisch):

Die Aussetzung der Eintauschbarkeit von Dollar gegen Gold wurde von Nixon als vorübergehende Entscheidung bezeichnet, doch die Eintauschbarkeit von Dollar in Gold wurde auch in den kommenden Jahren und Jahrzehnten nicht wieder eingeführt.

Seit dieser Zeit sind Dollar nichts anderes mehr als bedrucktes Papier ohne inneren Wert – eine sogenannte Fiatwährung, wie fast alle Währungen heute. Der Wert der Währungen basiert seit dem Ende des Bretton-Woods-Systems nicht mehr auf irgendwelchen Reserven der Notenbanken, sondern nur noch im Glauben der Menschen, diese hätten eigentlich einen Wert.

Die Entscheidung zur endgültigen Aufhebung des Goldstandards machte die exorbitante Geldmengenausweitung in der ganzen Welt in den Jahren nach der Finanzkrise erst möglich. Die Entscheidung erklärt auch, warum für eine Unze Gold heute nicht mehr 35 US-Dollar, sondern rund 1.300 Dollar bezahlt werden müssen: Ein Dollar ist - gewichtet in Gold - heute nur noch rund 2,7 Prozent so viel wert wie zu Zeiten des Bretton-Woods-Systems.

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  • wolp
    wolp

    Super, die Kommentare von 2016 zu sehen. BTC völlig falsch eingeschätzt. Die üblichen Weltuntergangspropheten total daneben. Aber unbelehrbar. Ich weiß, dass ich nichts weiß....

    17:24 Uhr, 10.05.2018
  • Bigdippagt
    Bigdippagt

    Hey für die 40/50+ Anleger unter uns, Gold ist Tot! Es wird niemals mehr über das hoch bei 1900 doller kommen.. Kein Mensch, jünger der 30 intarsierst sich dafür. Alles ist digital, FIAT und Cryptos regieren. Schon mal jemand im App-Store mit ner Unze bezahlt? Wer hier den Aufschwung von Gold heraufbeschwört, redet die Apokalypse herbei... diese wird nicht kommen. Kommt aus der Bronzezeit im heute an. Muscheln sind auch kein Zahlungsmittel mehr. Der Goldpris wird nur von der Industriellennachfrage bestimmt, mehr nicht. Niemals mehr.

    16:58 Uhr, 10.05.2018
  • 2 Antworten anzeigen
  • motörhead
    motörhead

    Der Goldstandard hat schon in der Weltwirtschaftskrise nicht funktioniert und würde heute auch nicht funktionieren.

    Anfang der 1930er konnte man nicht einfach die Geldmenge erhöhen ohne nicht auch die Menge an Gold erhöhen zu müssen. Ergo koppelte England (damals noch Weltmacht!) das Pfund Sterling 1931 vom Goldstandard ab, was zunächst zu einer masssiven Abwertung des Pfunds geführt hatte. Dadurch verschärfte sich die Lage für das Deutsche Reich, da ihre Währung und Waren sich schlagartig im Ausland verteuerten und die Konkurrenzfähigkeit auf dem Weltmarkt mehr und mehr nachließ. Anstatt den selben Schritt wie die Briten zu vollziehen, verschärfte RK Brüning noch die Sparmaßnahmen und somit den Deflationsdruck, was letzten Endes 1933 in die Wahl Hitlers mündete. Der Rest ist traurige Geschichte. Brüning hat den Goldstandard eingehalten, jedoch um welchen Preis?

    Ich will keinen Goldstandard und auch keine Experimente mit einem neuen Geldsystem.

    Mir reicht schon der Euro, der in den südlichen Ländern der EU quasi wie ein Goldstandard wirkt. Auch hier können Länder wie GR, Italien Spanien oder Portugal nicht mit der Währung flexibel reagieren und ggf. abwerten um konkurrenzfähig zu bleiben. Auch dort wurde ein unbeschreiblicher Deflationsdruck erzeugt.

    Bitcoin? Ist der Goldstandard in grün . Dieses Geldsystem ist so konzipiert, dass nur 21 Millionen an Bitcoins im Umlauf sein dürfen. Der Verbraucher soll so vor Inflation geschützt werden.

    Als wenn Inflation das Problem wäre.

    Nur meine Meinung. Schönen Abend noch.

    21:58 Uhr, 17.08.2016
  • Kasnapoff
    Kasnapoff

    Heute, im August 2016, kreisen die Aktien- und Immobilienmärkte um einen Todesstern namens Anleihemarkt. Wenn die nächste Baisse den geldpolitischen Entscheidungsträgern endlich die Kontrolle über die Anleiherendite und -bewertungen entreißt, werden die Aktien- und Immobilienmärkte implodieren, wenn Derivate in Höhe von hunderten Billionen Dollar plötzlich wertlos werden. Unser Bankensystem wird an nur einem einzigen Tag von "too big to fail" zu "too big to save" werden, doch die gewählten Volksvertreter werden es dennoch versuchen, während die Finanzmedien den besten Kongress bejubeln, den die Wall Street sich kaufen konnte. Dennoch werden sie kläglich scheitern.

    Die aus diesem unvermeidlichen Ereignis resultierende Kapitalflucht wird die Preise von Gold und Silber in die Höhe treiben, weil die Edelmetalle Assets ohne Gegenparteirisiko sind. Die Aktien der Minengesellschaften werden unterdessen auf ein Kursniveau schießen, dass sich heute noch niemand vorstellen kann.

    Dieses Desaster wird nicht auf ein Versagen des Kapitalismus zurückzuführen sein. Es ist vielmehr die Konsequenz aus der Tatsache, dass wir Politikern, Bankern und Akademikern im Laufe des letzten Jahrhunderts erlaubt haben, die Wirtschaft mittels ihrer verdammten Zentralbanken zu kontrollieren. Das ist allerdings nicht die Geschichte, die wir in den Finanzmedien zu lesen bekommen werden.

    18:58 Uhr, 17.08.2016
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Oliver Baron
Oliver Baron
Experte für Anlagestrategien

Oliver Baron ist Finanzjournalist und seit 2007 als Experte für stock3 tätig. Er beschäftigt sich intensiv mit Anlagestrategien, der Fundamentalanalyse von Unternehmen und Märkten sowie der langfristigen Geldanlage mit Aktien und ETFs. An der Börse fasziniert Oliver Baron besonders das freie Spiel der Marktkräfte, das dazu führt, dass der Markt niemals vollständig vorhersagbar ist. Der Aktienmarkt ermöglicht es jedem, sich am wirtschaftlichen Erfolg der besten Unternehmen der Welt zu beteiligen und so langfristig Vermögen aufzubauen. In seinen Artikeln geht Oliver Baron u. a. der Frage nach, mit welchen Strategien und Produkten Privatanleger ihren Börsenerfolg langfristig maximieren können.

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