Fed-Protokoll: Zinssenkungen werden unsicherer
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Beim Zinsentscheid am 18. März hatte die US-Notenbank den Leitzins wie erwartet konstant gehalten. Das Zielband für die Fed Funds Rate wurde bei 3,50 % bis 3,75 % belassen. Bis Jahresende stellten die Mitglieder des Offenmarktausschusses im Median unverändert eine Zinssenkung um 25 Basispunkte in Aussicht. Allerdings können angesichts der veränderten Lage auch Zinserhöhungen nicht ausgeschlossen werden, wie das nun veröffentlichte Protokoll zum Zinsentscheid zeigt.
Breiter Konsens für unveränderten Leitzins
Im Protokoll zeigt sich, dass die Mitglieder des Offenmarktausschusses überwiegend eine abwartende Haltung mit Blick auf mögliche Zinssenkungen befürworten. Angesichts der erhöhten Unsicherheit sei es wichtig, mit Blick auf künftige Entscheidungen "flexibel zu bleiben". Dabei bleiben Zinssenkungen das Basisszenario: "Viele Teilnehmer urteilten, dass es mit der Zeit voraussichtlich angemessen sein dürfte, die Zielspanne für den Federal Funds Rate zu senken, falls die Inflation im Einklang mit ihren Erwartungen zurückgehen sollte", heißt es im Protokoll. "Einige dieser Teilnehmer hoben hervor, dass sie in ihrer Projektion für den angemessenen Pfad des Leitzinses ihre Einschätzung des wahrscheinlichsten Zeitpunkts für Zinssenkungen angesichts der jüngsten Inflationsdaten weiter in die Zukunft verschoben hätten."
Auch Zinserhöhungen sollten nach Einschätzung einiger Mitglieder des Offenmarktausschusses allerdings nicht ausgeschlossen werden: "Einige Teilnehmer sahen (...) gute Gründe für eine zweiseitige Beschreibung (...), um der Möglichkeit Rechnung zu tragen, dass Anhebungen der Zielspanne für den Federal Funds Rate angemessen sein könnten, falls die Inflation über dem Zielniveau verharren sollte. Alle Teilnehmer waren sich einig, dass die Geldpolitik keinem vorab festgelegten Kurs folgt und von Sitzung zu Sitzung entschieden wird."
Mit Blick auf die Krise im Nahen Osten merkten die Teilnehmer an, "dass es noch zu früh sei, um zu beurteilen, wie sich die Entwicklungen im Nahen Osten auf die US-Wirtschaft auswirken würden, und hielten es für angemessen, die Lage weiterhin zu beobachten und die Implikationen für die angemessene Ausrichtung der Geldpolitik zu bewerten."
"Die Teilnehmer stellten fest, dass die Inflation weiterhin über dem Zielwert des Ausschusses von 2 % lag und dass die verfügbaren Indikatoren darauf hindeuteten, dass die wirtschaftliche Aktivität in einem soliden Tempo expandierte. Sie beobachteten, dass die Beschäftigungszuwächse gering geblieben waren und dass sich die Arbeitslosenquote in den letzten Monaten kaum verändert hatte. Die Teilnehmer waren sich einig, dass die Unsicherheit hinsichtlich des wirtschaftlichen Ausblicks weiterhin erhöht blieb und dass der Konflikt im Nahen Osten eine zusätzliche Unsicherheitsquelle darstellt", heißt es im Protokoll.
"Vor diesem Hintergrund unterstützte nahezu alle Teilnehmer, die aktuelle Zielspanne für den Federal Funds Rate bei dieser Sitzung unverändert zu belassen. Nachdem der Leitzins in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres um 75 Basispunkte gesenkt worden war, betrachteten diese Teilnehmer den Leitzins im Allgemeinen als innerhalb einer Bandbreite plausibler Schätzungen seines neutralen Niveaus liegend. Sie urteilten, dass das Belassen des Leitzinses auf dem aktuellen Niveau den Ausschuss in eine gute Position versetze, um das Ausmaß und den Zeitpunkt weiterer Anpassungen des Leitzinses auf Grundlage der eingehenden Daten, des sich entwickelnden Ausblicks sowie der Risikobalance zu bestimmen."
Mit Blick auf den Arbeitsmarkt überwiegen nach Einschätzung der Fed die Abwärtsrisiken. "Die überwiegende Mehrheit der Teilnehmer kam zu dem Schluss, dass die Risiken für die beschäftigungsbezogene Seite des Mandats nach unten gerichtet sind", heißt es im Protokoll. "Insbesondere warnten viele Teilnehmer, dass unter den aktuellen Bedingungen eines geringen Nettobeschäftigungsaufbaus der Arbeitsmarkt anfällig für negative Schocks erscheine."
Mit Stephen Miran stimmte ein FOMC-Mitglied für eine Zinssenkung. "Ein Teilnehmer sprach sich dafür aus, die Zielspanne für den Federal Funds Rate um 25 Basispunkte zu senken, und äußerte die Sorge, dass die derzeitige geldpolitische Ausrichtung weiterhin restriktiv sei und zu einer schwachen Arbeitskräftenachfrage sowie erhöhten Abwärtsrisiken für den Arbeitsmarkt beitrage", heißt es im Protokoll zum Zinsentscheid.
Fazit: Das Protokoll bestätigt, dass die meisten Mitglieder des Offenmarktausschusses angesichts der Unsicherheiten eine abwartende Haltung befürworten. Während mindestens eine Zinssenkung laut Fed noch das Basisszenario bleibt, hat sich der Zeitpunkt für die erwartete Lockerung der Geldpolitik weiter in die Zukunft verschoben. Angesichts der neuen Inflationsgefahren wollten einige Mitglieder des Offenmarktausschusses aber auch eine Zinserhöhung für die kommenden Monate und Quartale nicht ausschließen. Angesichts der sich schnell verändernden Lage könnten die im Protokoll festgehaltenen Einschätzungen der Mitglieder des Offenmarktausschusses allerdings auch schnell wieder überholt sein und sollten nicht überbewertet werden.

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