Kommentar
13:32 Uhr, 11.05.2026

Exklusive stock3 Plus Analyse: RHEINMETALL - Das belastet die Aktie

Nach den letzten Quartalszahlen kam die ohnehin schon angeschlagene Rheinmetall-Aktie unter Druck. Die extreme Kursrally nach dem Ukrainekrieg bis 2025 hat Erwartungen geweckt, die auch erfüllt werden müssen. Es kommen auch immer mehr Zweifel auf, was das Produktportfolio betrifft.

Wie moderne Kriege geführt werden, kann man in der Ukraine und im Iran beobachten. Der formal Überlegene muss dabei nicht zwingend siegreich vom Platz gehen.


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Der jüngste Satz von Putin, der Krieg in der Ukraine könnte dem Ende entgegen gehen, mag vielleicht wieder eine Finte sein. Er kann aber auch durchaus Resignation bedeuten.

Obwohl die USA sich teilweise vom Land abgewendet haben: dank der europäischen Unterstützung und einer inzwischen starken eigenen Rüstungsindustrie beißt sich Russland die Zähne aus, obwohl große Personalnot herrscht. Wenn auch nur die Hälfte der kursierenden Schätzungen über die russischen Verluste stimmen, dann sterben jeden Monat um die 15 TSD russische Soldaten an der Front. Vorzeigbare Erfolge gab es zuletzt verhältnismäßig wenige.

Besonders erfolgreich ist die Ukraine mit ihren eigenen Drohnen, Rheinmetall-Chef Papperger hatte mit völlig deplatzierten Bemerkungen dazu im April einen verdienten Shitstorm ausgelöst.

Moderne Kriege: Ist das der Fokus von Rheinmetall?

Zwar kann man auch sicher nicht so tun, als seien die Waffen von Rheinmetall von vorgestern, aber der Fokus liegt schon noch eher auf der "alten" Kriegsführung, schwere Panzer etc. Nicht umsonst ist das Drohnen-Startup Helsing trotz noch mickriger Umsätze inzwischen mit 18 Mrd. bewertet. Rheinmetall ist zwar an der Börse dreimal so schwer, aber auch viel, viel größer.

Wenn man nun auch noch den Irankrieg mit betrachtet, wo die USA einen großen Teil ihrer sehr teuren Munition verballert haben, ohne letztlich etwas Vorzeigbares erreicht zu haben (außer dass die Straße von Hormus, die vorher offen war, nun geschlossen ist), dann werden die Zweifel an einer Rüstung lauter, die auf extrem teuren Waffensystemen beruht, deren Produktion auch noch sehr langwierig ist. So schätzt man zum Beispiel, dass es zwei bis drei Jahre dauern könnte, bis die USA ihre Munitionsvorräte wieder aufgefüllt haben!

Ich will damit sicher nicht behaupten, dass eine Armee wie die Bundeswehr nur noch aus Drohnen bestehen sollte. Aber die eine Sache ist Abschreckung durch eine formal starke Armee. Die andere ist der tatsächliche Krieg, in den man vor allem auch schnell und günstig nachproduzieren können muss. Und das ist eben vor allem das Spielfeld der Drohnentechnologie. Alleine die Ukraine produziert derzeit pro Monat mehrere 100 TSD Drohnen, und übrigens nicht nur Hausfrauen, Herr Papperger!

Die teilweise Verlagerung des Fokus auf günstigere, schnell zu produzierende Systeme hat auch einen großen finanziellen Vorteil. Es macht keinen Sinn, zig Mio. Drohnen auf Vorrat zu produzieren, die dann nach einem Jahr veraltet sind. Wichtig ist die Fähigkeit zu haben, schnell und viel zu produzieren.

In diesem Zusammenhang ist es auch so wichtig für Europa, die Ukraine im Boot zu haben, die bewiesen hat, dass sie das kann. Insofern kann ich überhaupt nicht verstehen, warum so viele Menschen die Unterstützung in Zweifel ziehen, auch wenn uns allen klar ist, dass dort viel Korruption herrscht und das ist sehr ärgerlich. Die Unterstützung ist zwar teuer, aber ohne die entschlossene Hilfestellung wäre die Ukraine jetzt vermutlich schon längst in russischer Hand, die Verteidigungs-Probleme der europäischen Staaten viel größer (ein kurzer Blick auf die Karte ist hilfreich). Von der Massenflucht aus dem Land im Besatzungsfall will ich hier gar nicht reden. Diejenigen die der Ukraine das Geld abdrehen wollen sind typischerweise noch stärker gegen den großen Flüchtlingszuzug, der dann folgen würde.

Was bedeutet ein mögliches Ende des Ukraine-Krieges?

Gedacht haben wir das alle wahrscheinlich schon öfter, aber bisher war das vielleicht mit der Idee verbunden, Trump könne irgendwie ein Ende erzwingen. Nun könnte man erstmals annehmen, dass es Putin zu viel wird. Alle paar Tage brennen russische Raffinieren. Um den Sieg noch zu erringen, müsste er womöglich die Mobilisierung ausrufen - das wäre extrem unpopulär. Die meisten Gebiete, die Russland sich formal einverleibt hat, sind ohnehin von russischen Truppen besetzt. Putin könnte behaupten, die Kriegsziele seien weitgehend erreicht, für den Rest lohnt es sich nicht weiterzukämpfen. Bisher ist das nur eine Hoffnung, aber es ist durchaus nicht so unwahrscheinlich.

Für Rüstungsaktien ist ein Kriegsende erstmal immer schlecht. Zum einen fallen konkrete Aufträge weg, vor allem Munition. Und dann wird natürlich das Sentiment belastet. Denn auch wenn sich an der grundsätzlichen Notwendigkeit der Aufrüstung nichts ändern wird, redet man dann vielleicht irgendwann auch wieder kollektiv über Abrüstungsmöglichkeiten, ausschließen kann man das nicht. Vor allem könnten die großen Haushaltsnöte dafür sorgen, dass man die eine oder andere Milliarde dann doch lieber einspart.

Fazit

Die Rheinmetall-Aktie leidet derzeit unter einem Bündel an eher negativen Einflüssen. An der generellen "Story" der Aktie ändert sich allerdings vermutlich vorerst nicht sehr viel. Es geht ja jetzt vor allem auch um das Abarbeiten von Aufträgen. Außerdem wissen wir aus Erfahrung, wie sich über Nacht die Dinge wieder verschärfen können.

Auf den ersten Blick sieht die Bewertung nicht günstig aus, allerdings sollen die Gewinne bis 2030 regelrecht explodieren. Anfang des nächsten Jahrzehnts steht der Konsens bei 124 EUR pro Aktie Gewinn! Das ist übrigens ungefähr der Kurs der Aktie, den sie unmittelbar nach dem russischen Angriff 2022 erreichte.

Im Chart deutet sich eine große Topbildung an. Ich würde aber nicht ausschließen, dass es es ähnlich wie im April 2025 bei der 1000er-Marke eine heftige Gegenbewegung geben wird.

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Anbei die aktuellen Analystenschätzungen. Basis der Angaben ist ein Kurs der Rheinmetall-Aktie von 1180 EUR.

Jahr 2025 2026e 2027e
Umsatz in Mrd. EUR 9,935 14,215 19,054
Gewinn pro Aktie in EUR (bereinigt) 24,56 36,98 54,95
KGV 48 32 21
Dividende pro Aktie in EUR 11,50 15,90 23,64
Dividendenrendite 1,0 % 1,3 % 2,0 %
Börsenwert: 55 Mrd. EUR
Link zur Investor Relations Seite
Rheinmetall AG
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Erstveröffentlichung: 11. Mai 2026 um 11:59 Uhr von Daniel Kühn

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