Darüber spricht der Markt: Merck-Rally und Halbleiter
- Lesezeichen für Artikel anlegen
- Artikel Url in die Zwischenablage kopieren
- Artikel per Mail weiterleiten
- Artikel auf X teilen
- Artikel auf WhatsApp teilen
- Ausdrucken oder als PDF speichern
Erwähnte Instrumente
- VerkaufenKaufen
Schnell. Sicher. Direkt.Trading über stock3 war noch nie so einfach.
Mehr erfahren Nein, danke - VerkaufenKaufen
Makro: Konsum spaltet sich K-förmig auf
Die These vom gespaltenen amerikanischen Konsumenten bekommt an diesem Tag neuen Nachdruck: Einkommensstarke Haushalte shoppen unbeirrt weiter, während der Druck auf die untere Einkommenshälfte wächst. Die Atlanta Fed sieht das laufende Quartal wachstumsseitig weiterhin robust – die eigentliche Frage ist, wie lange sich diese Zweiteilung fortsetzen lässt, ohne auf die Breite der Wirtschaft durchzuschlagen. Ein Nebenschauplatz mit realer Brisanz: Texas beherbergt mittlerweile mehr Rechenzentren als jeder andere Bundesstaat außer Virginia, die mögliche Stromnachfrage übersteigt den bisherigen Netz-Höchstwert um mehr als das Fünffache. Gouverneur Abbott hat deshalb neue Netzanschluss-Genehmigungen vorerst pausiert – ein Fingerzeig darauf, dass die Infrastruktur mit dem Investitionstempo kaum Schritt hält.
Für Südkorea wird derweil ein Übergang beschrieben: von der schnellen, konzentrierten Erholung nach dem Ausverkauf zu einer breiteren, qualitätsgetriebenen Rally. Zwei Quartale mit realem BIP-Wachstum über 3 % und eine Tourismusbranche über Vorpandemie-Niveau sprechen dafür, dass sich der Aufschwung über die Technologiewerte hinaus ausdehnt. Weniger komfortabel: Die Notenbank hat den Leitzins bereits auf 2,75 % angehoben, ein Anstieg bis auf 3,5 % im ersten Quartal 2027 wird nicht ausgeschlossen – bei einem Markt, der stark mit geliehenem Geld finanziert ist, keine triviale Größe.
Sektoren: Halbleiter uneinheitlich, Einzelhandel gespalten
Beim Halbleitersektor bleibt der Grundtenor skeptisch, auch wenn einzelne Namen dagegenhalten: Nvidia, Qualcomm und Taiwan Semiconductor notieren im Plus, Marvell profitiert sichtbar vom frisch geschlossenen Google-Deal für kundenspezifische Chips. Die Geschäftsmodelle selbst gelten weiterhin als solide – nur wird die Volatilität inzwischen stärker vom Abbau gehebelter Positionen und von der Korrelation mit langfristigen Anleiherenditen getrieben als von den eigentlichen Geschäftszahlen. Kapital fließt an diesem Tag sichtbar Richtung Gesundheitssektor ab, während der Sprung auf die 7-Nanometer-Fertigung als eine der größten Herausforderungen der kommenden Jahre gilt.
Im Einzelhandel bleibt der Ton nüchterner: Target und Walmart zeigen solide Entwicklung, während die Gesamtumsätze im Juli gesunken sind – teils verzerrt durch Prime-Day-Vorzieheffekte im Monatsvergleich. Starke Händler ziehen Marktanteile von schwächeren Wettbewerbern ab, doch der Verbraucher zögert weiterhin bei jeder größeren, diskretionären Ausgabe. Entscheidend bleiben Wertorientierung und Convenience, nicht der große Einkauf.
Aktien: Merck-Coup trifft auf Lowe's-Warnung
Merck liefert die eindeutigste Geschichte des Tages: Positive Phase-3-Daten für Keytruda in Kombination mit einer individualisierten mRNA-Therapie treiben die Aktie zweistellig und ziehen den Dow mit nach oben. Der neue Behandlungsansatz aktiviert das Immunsystem gezielt gegen Tumore – ein Gegenargument wird in der Debatte kaum laut, der Optimismus bleibt einhellig. Moderna profitiert direkt mit: Die eigene mRNA-Plattform erreicht in der Melanom-Behandlung sowohl primäre als auch sekundäre Endpunkte, auch wenn konkrete Zahlen erst im Herbst folgen sollen und die regulatorische Prüfung noch aussteht.
Bei Target überwiegt trotz eines Kursplus von mehr als 4 % die Vorsicht in der Bewertung: Zwei Quartale mit Umsatzwachstum in Folge sprechen für einen echten Turnaround, doch der Gewinn wurde durch einmalige Zollrückerstattungen von 1,65 USD pro Aktie aufgebläht. Selbst der eigene CEO warnt, zwei starke Quartale seien noch kein Trend. Als technische Marke wird die Unterstützung bei 144 USD genannt.
Lowe's liefert das Gegenbild: Der Gewinn pro Aktie übertraf die Erwartungen, doch der Umsatz verfehlte die Konsensschätzung, und die Jahresprognose wurde wegen des schwachen Wohnungsmarkts gesenkt. Das Pro-Geschäft wächst zwar, doch solange die 30-jährigen Hypothekenzinsen nicht unter 6 % fallen, bleiben größere, diskretionäre Ausgaben verhalten. Als Marken werden genannt: Unterstützung 220 USD, Unterstützung 210 USD, Widerstand 225 USD.
Bei Nvidia bleibt die längerfristige Debatte unverändert positiv gerahmt: anhaltende Nachfrage, Preissetzungsmacht, zweistelliges Wachstum. Dagegen steht die Sorge vor Margendruck ab 2027/2028 und einer wachsenden Entkopplung vom Gesamtmarkt. Genannt werden ein Kursziel von 350 USD sowie eine Unterstützung bei 190 bis 200 USD.
Meta bleibt der juristisch heikelste Fall: Die Verteidigung mit dem ersten Verfassungszusatz gilt als stark, ebenso die lückenhaften wissenschaftlichen Belege für einen kausalen Zusammenhang zwischen Social Media und psychischer Gesundheit. Dem steht ein enorm beziffertes Risiko gegenüber – Bundesstaaten fordern rund 200 Mrd. USD, Meta selbst schätzt das eigene Risiko auf 1,3 bis 1,4 Billionen USD, sollte eine Anordnung Funktionen wie Infinite Scroll oder Autoplay betreffen.
Indizes: Breite trägt, Technologie bremst
Der S&P 500 gewinnt an diesem Tag leicht, getragen von neun der elf Sektoren. Diese Breite ist die eigentliche Stärke des Tages, der Technologiesektor bleibt der Bremsklotz. Die kapitalgewichtete Variante steigt entsprechend schwächer.
Beim KOSPI wird die Erzählung nach dem massiven Einbruch der vergangenen Wochen zunehmend als Übergang beschrieben: von der schnellen Erholung zu einer breiteren, nachhaltigeren Aufwärtsbewegung. Ein KGV unter 5 – der niedrigste Stand seit 2004 – und nachlassender Verkaufsdruck durch Zwangsverkäufe sprechen dafür. Offen bleibt die hohe Sensitivität gegenüber Tech-Capex und Chip-Preisen sowie steigenden Finanzierungskosten für Haushalte und Unternehmen.
Rohstoffe: Öl unter Spannung, Gold im Aufwind
Beim Öl bleibt die geopolitische Prämie das bestimmende Thema: Der Preis steigt über die Marke von 85 USD, getrieben von den Spannungen zwischen den USA und Iran. Long-Positionen setzen auf anhaltendes Angebotsrisiko, die Kehrseite zeigt sich an der Zapfsäule in steigenden Diesel- und Spritpreisen. Als Marke wird ein Widerstand bei 85 USD pro Barrel genannt.
Gold liefert an diesem Tag die deutlichere Bewegung: Der Kurs steigt um 130 USD bzw. 3 % auf 4.550 USD je Unze. Als Inflations- und Unsicherheitsabsicherung profitiert das Edelmetall zusätzlich von einer Debatte um die offizielle Goldbewertung der USA, die ihre Reserven bislang nur mit 42,22 USD pro Unze bilanzieren – bei einem Marktpreis von 4.400 USD wäre der Bestand rund 1,1 Billionen USD wert.
Passende Produkte
| WKN | Long/Short | KO | Hebel | Laufzeit | Bid | Ask |
|---|
