Kommentar
06:47 Uhr, 20.01.2026

Citi senkt den Daumen für Europa nach Grönland-Streitereien

Europäische Aktien haben ihre US-Pendants im vergangenen Jahr klar übertroffen, doch aus Sicht der Analysten der Citigroup verschlechtert sich das Chance-Risiko-Profil nun spürbar.

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  • EURO STOXX 50
    ISIN: EU0009658145Kopiert
    Kursstand: 5.920,18 Pkt (TTMzero Indikation) - Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung
  • EURO STOXX 50 - WKN: 965814 - ISIN: EU0009658145 - Kurs: 5.920,18 Pkt (TTMzero Indikation)

Die US-Bank stuft europäische Aktien erstmals seit mehr als einem Jahr von "Übergewichten“ auf "Neutral“ herab. Ausschlaggebend sind die zunehmenden politischen Spannungen zwischen Brüssel und Washington sowie die wachsende Unsicherheit über neue Zölle.

In einer aktuellen Analyse verweisen die Strategen um Beata Manthey auf einen eingetrübten Gewinnausblick. Die jüngste Eskalation im transatlantischen Verhältnis, ausgelöst durch den Vorstoß von US-Präsident Donald Trump im Streit um Grönland, laste auf den kurzfristigen Perspektiven europäischer Unternehmen. Die Ankündigung neuer US-Zölle gegen Staaten, die Dänemark unterstützen, habe die Nervosität an den Märkten spürbar erhöht.

Politische Risiken drücken auf den Ausblick

Die Reaktion an den Börsen folgte prompt. Europäische Aktien gerieten zu Wochenbeginn unter Druck, nachdem die Zollpläne aus Washington publik wurden. Die Europäische Union prüft nach Angaben aus Brüssel Gegenmaßnahmen, darunter mögliche Abgaben auf US-Waren im Umfang von bis zu 108 Mrd. USD. Für Investoren erhöht das die Unsicherheit in einer Phase, in der sich viele Unternehmen ohnehin mit schwachem Wachstum und hohen Kosten auseinandersetzen müssen.

Dabei hatten die Citi-Strategen Europa noch im Oktober 2024 zu den Favoriten gezählt, als viele Anleger der Region den Rücken kehrten. Seitdem legte der Stoxx Europe 600 um rund 17 % zu. Diese Outperformance gegenüber den US-Börsen gilt nun als teilweise ausgereizt, zumindest kurzfristig.

Stattdessen richtet Citi den Fokus neu aus. Japanische Aktien werden von "Neutral“ auf "Übergewichten“ hochgestuft, auch Schwellenländer erscheinen den Strategen attraktiver. Dort sehen sie ein günstigeres Verhältnis von Risiko und Ertrag, gestützt durch strukturelle Faktoren wie Reflation, Reformen und vergleichsweise moderate Bewertungen. Europa verliert damit seinen Platz als bevorzugte Region in der globalen Allokation der US-Bank.

Gleichzeitig mahnt Citi zur Gelassenheit. Die Marktreaktion auf die jüngsten politischen Drohgebärden könnte sich als kurzlebig erweisen, solange keine konkreten Maßnahmen umgesetzt werden. Der von Investoren geprägte "TACO“-Ansatz – Trump Always Chickens Out – könnte größere Verwerfungen verhindern. Zudem sehen die Strategen weiterhin Aufwärtspotenzial für den Stoxx Europe 600 bis Ende 2026.

Fazit: Eine Abstufung nach einem gutem Lauf ist kein Grund zur Panik. Analysten verdienen damit ihr Geld und die Bank will schließlich im Handel verdienen. Kurzfristig wichtig wird wohl, was in dieser Woche dann in Davos geschehen wird, wo zahlreiche Politiker sich die Hand geben werden.

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