Analyse
14:00 Uhr, 03.04.2024

Bei ENDOR wurde die Galgenfrist verlängert

Bis zum 30. Juni geben die Banken Endor Zeit, seine Hausaufgaben zu erledigen und das Unternehmen mithilfe eines Restrukturierungsspezialisten wieder auf die Beine zu stellen.

Erwähnte Instrumente

  • ENDOR AG
    ISIN: DE0005491666Kopiert
    Kursstand: 1,560 € (Stuttgart) - Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung
    VerkaufenKaufen
  • ENDOR AG - WKN: 549166 - ISIN: DE0005491666 - Kurs: 1,560 € (Stuttgart)

Eine Wahnsinnsgeschichte: Aus einem unglaublichen Aufstieg wurde ein ebenso unfassbarer Niedergang. Zuletzt berichtete ich Anfang September über die Lage beim Unternehmen. Die Endor-Aktie steckt im Abwärtsstrudel.

Viel ist zwischenzeitlich passiert

Fassen wir die Ereignisse der letzten sechs Monate einmal kurz zusammen. Zunächst einmal wurde Ende September 2023 der Finanzvorstand ausgetauscht. Jemand mit mehr Erfahrung musste her. Dann gab es einige Gewinn- und Umsatzwarnungen: zunächst im Oktober, dann noch einmal im Januar. In Investoren-Calls versicherte das Unternehmen, dass die Restrukturierung greifen würde, und hat versucht, die Aktionäre zu beruhigen. Es gab sogar eine optimistische Gewinnprognose für 2024.

Das war auch zeitweise gelungen und der Aktienkurs konnte sich merklich erholen, bis dann pünktlich zu den Feiertagen erneut ein dickes Ei in das Osternest der Aktionäre gelegt worden war. So berichtete Endor am 28. März am Nachmittag über die Verhandlung, die Standstill-Vereinbarung mit den Banken, die am 31. März enden würde, zu verlängern. Um fünf vor zwölf am 28. März folgte eine weitere Ad-hoc-Meldung, dass Gründer und Mehrheitsaktionär Thomas Jackermeier abberufen werden soll. Die Banken haben das Vertrauen in den CEO verloren. Gestern folgte dann die Meldung, dass die Banken bis zum 30. Juni an ihrer Standstill-Vereinbarung festhalten wollen, also Kredite nicht fällig stellen und so unweigerlich die Insolvenz auslösen würden.

Endor will 2024 zurück in die Gewinnzone kommen und hatte zuletzt Umsatzerlöse von rund 120 Mio. EUR und eine EBITDA-Marge zwischen 8 und 10 % prognostiziert. Ob das eintreffen wird? Schwer zu sagen. Die Konkurrenz wird derweil stärker und drängt auf das angestammte Betätigungsfeld von Endor. Zudem müssen natürlich Waren bestellt und bezahlt werden. Wer stellt die Liquidität dafür zur Verfügung? Reichen die 8 Mio. EUR, die Endor zuletzt als Cash ausgewiesen hat? Ich würde ja Aufträge nur noch per Vorkasse annehmen.

Investoren hoffen jetzt darauf, dass Endor im ersten Halbjahr ordentliche Zahlen liefern kann und neue Produkte rasanten Absatz finden. Positive Indikationen gibt es dafür durchaus, wie beispielsweise leere Lager und lange Bestellfristen bei einzelnen Produkten. Eine Eigenkapitalspritze könnte aber noch einmal notwendig werden. Gegen die dürfte sich Jackermeier wehren, da er dann absehbar die Mehrheit am Unternehmen verlieren könnte.

Fazit: In Landshut ist ordentlich was los. Das Unternehmen muss lernen, ehrlich zu kommunizieren und nicht jedes Mal aufs Neue unrealistische Prognosen rauszuhauen. Ob genug Geld für die Finanzierung von Waren da ist, darf auch hinterfragt werden. Zudem belastet der Bau der neuen Firmenzentrale enorm die Bilanz. Endor ist eine Wundertüte, aber kein seriöses Investment. Die Chancen stehen wohl fifty-fifty, ob Aktionäre und Unternehmen in der jetzigen Form weitermachen können. Derweil verfügt Endor über eine starke Marke und treue Kundschaft. Ein echtes Asset, welches die Banken aber wohl anders bewerten als Aktionäre und Eigentümer. Für Spannung ist in diesem Wirtschaftskrimi sicherlich weiterhin gesorgt.

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Über den Experten

Sascha Gebhard
Sascha Gebhard
Redakteur

Sascha Gebhard hat nach einer klassischen Ausbildung zum Bankkaufmann im Laufe der Jahre bei verschiedenen Banken gearbeitet. Er absolvierte neben dem Beruf die Studiengänge zum Diplom-Betriebswirt (VWA) sowie den Finanz- und Investment Ökonom (VWA). Von 2008 bis 2016 war er als Eigenhändler auf eigene Rechnung an den Finanzmärkten aktiv. Weiterhin publizierte er für verschiedene Finanzverlage und schrieb zahlreiche Fachartikel rund um das Thema Börse. Die in den jeweiligen Diensten geführten Realgeld- sowie Musterdepots konnte stets überdurchschnittliche Renditen erwirtschaften. Sein Steckenpferd ist seit jeher der deutsche Aktienmarkt, wo er bestens vernetzt ist, und eine Vielzahl an Unternehmen bereits seit mehr als 15 Jahren aktiv verfolgt. Seit 2022 ist Sascha Gebhard fester Bestandteil des Redaktionsteams von stock3. Im Premium-Service Trademate betreut er das Depot "Deutsche Aktien".

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