Ausnahmezustand: Was hinter der historischen Rally in Südkorea steckt
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Der koreanische Leitindex KOSPI gehört aktuell zu den stärksten Aktienmärkten der Welt. Die Rally wurde nahezu vollständig durch den globalen KI-Boom ausgelöst, denn Südkorea sitzt an einer der wichtigsten Stellen der gesamten KI-Wertschöpfungskette: Speicherchip. Samsung Electronics und SK Hynix produzieren die Hochleistungs-Speicherchips, die für KI-Server von Nvidia, Microsoft, Amazon, Google oder Meta benötigt werden. Ohne diese sogenannten HBM Speicherchips würden moderne KI Systeme schlicht nicht funktionieren.
Genau deshalb erleben Samsung und SK Hynix derzeit einen historischen Gewinnschub. SK Hynix kontrollierte zuletzt rund 58% des globalen HBM Marktes und investiert massiv in neue Produktionskapazitäten. Das Unternehmen will seine Waferkapazität in den kommenden 5 Jahren verdoppeln, weil die Nachfrage deutlich schneller wächst als das Angebot. Gleichzeitig bringt Samsung bereits die nächste Generation seiner KI-Speicherchips auf den Markt. Die Aktienkurse sind explodiert. Samsung und SK Hynix überschritten zeitweise sogar die Marke von 1 Billion US-Dollar-Börsenwert. Inzwischen machen die beiden Unternehmen zusammen fast die Hälfte der gesamten KOSPI Marktkapitalisierung aus. Über 70% der diesjährigen Kursgewinne des Gesamtmarktes lassen sich direkt oder indirekt auf diese beiden Konzerne zurückführen.
Weltweit ist Korea damit auf Platz 6 der größten Aktienmärkte aufgerückt:
Thema "Korea Discount". Seit Jahrzehnten werden koreanische Aktien günstiger bewertet als vergleichbare Unternehmen in den USA, Europa oder Japan. Gründe sind schwächere Aktionärsrechte, komplizierte Konzernstrukturen der Chaebols, geringe Ausschüttungen und teilweise mangelhafte Corporate Governance. Die Regierung versucht deshalb seit 2024 mit dem „Corporate Value Up Program“ gegenzusteuern. Unternehmen sollen mehr Dividenden zahlen, Aktien zurückkaufen, Kapital effizienter einsetzen und die Interessen der Aktionäre stärker berücksichtigen. Viele internationale Investoren hoffen, dass sich dadurch die Bewertungsabschläge dauerhaft verringern.
Genau hier liegt derzeit die vielleicht spannendste Investmentthese: Viele Investoren glauben, dass koreanische Aktien trotz der starken Rally immer noch überraschend günstig sind. Goldman Sachs argumentiert beispielsweise, dass der Markt selbst nach dem Kursfeuerwerk noch mit relativ niedrigen Gewinnmultiplikatoren gehandelt wird und die Gewinnschätzungen den KI Boom möglicherweise weiterhin unterschätzen. Südkorea profitiert nicht nur von KI, sondern zunehmend auch von Verteidigungsexporten. Das Land hat sich in den vergangenen Jahren zu einem der wichtigsten Waffenexporteure der Welt entwickelt. Panzer, Artilleriesysteme und Militärtechnik werden unter anderem nach Europa verkauft. Dadurch entsteht neben dem Halbleitersektor ein zweiter strategischer Wachstumsmotor.
Trotz aller Euphorie gibt es erhebliche Risiken. Der Markt ist extrem konzentriert. Wenn die KI-Investitionen der großen Hyperscaler langsamer wachsen oder die Speicherchippreise fallen, würde dies den gesamten koreanischen Aktienmarkt treffen. Viele Analysten weisen darauf hin, dass die aktuelle Hausse in hohem Maße von wenigen Titeln abhängt. Zudem haben die starken Kursanstiege die Schwankungen deutlich erhöht. Der Markt reagiert inzwischen sehr empfindlich auf Nachrichten rund um Nvidia, KI-Infrastruktur oder Speicherchippreise.
Rein technisch bietet sich meiner Meinung nach als eher langfristig ausgerichteter Anleger ein Neueinstieg definitiv nicht an. Der Markt ist zuweit nach oben durchgelaufen, er ist zu stark überkauft. Dieser Beitrag ist nicht als Vorstellung eines neuen Investmentthemas gedacht, sondern als Informationsbild, was sonst noch so auf unserem Planeten technologisch und wirtschaftlich geschieht.
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