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12:55 Uhr, 13.09.2026

Wasserstoff-Aktien 2026: Sieben Werte, drei Lager und ein Erdgas-Paradox

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Der Wasserstoff-Hype ist eigentlich schon lange vorbei – und ausgerechnet jetzt kommt wieder Bewegung in den Sektor. Bloom Energy zieht am 21. September in den S&P 500 ein, während Öl und Gas infolge des Iran-Konflikts wieder deutlich teurer geworden sind und Energieunabhängigkeit plötzlich ganz oben auf der politischen Agenda steht. Für Wasserstoff-Aktien klingt das zunächst nach perfektem Rückenwind. Doch wer genauer hinschaut, entdeckt einen Widerspruch: Die Unternehmen, die heute mit Wasserstoff verlässlich Geld verdienen, hängen besonders stark am Erdgas.

Von einem Comeback der gesamten Branche kann deshalb keine Rede sein. In dieser Goldesel Topstory zeigen wir, warum sich der Sektor in Gewinner, Sanierungsfälle und Hoffnungsträger aufgespalten hat – und bei welchen Aktien hinter dem Wasserstoff-Etikett tatsächlich ein tragfähiges Geschäft steckt.

Warum Wasserstoff-Aktien 2026 wieder gefragt sind

Mehrere Entwicklungen bringen Wasserstoff-Aktien gerade zurück in den Fokus. Ein flächendeckendes Comeback der Branche ist das trotzdem nicht.

Energieschock: Brent kostet wieder mehr als 100 USD, zugleich sind die europäischen Gaspreise kräftig gestiegen. Damit gewinnt die Frage nach Energieunabhängigkeit wieder an Bedeutung. Gerade grüner Wasserstoff wird dadurch langfristig interessanter – auch wenn viele Projekte noch Jahre von einem profitablen Betrieb entfernt sind.

KI-Strom: Der stärkste kurzfristige Treiber kommt ausgerechnet nicht aus der Wasserstoffwirtschaft. Rechenzentren brauchen Strom schneller, als neue Netze entstehen. Davon profitiert vor allem Bloom Energy, das große Kapazitäten für Oracle und andere Rechenzentrumskunden bereitstellt. Die Pointe: Bloom verkauft Geschwindigkeit, nicht Wasserstoff.

Politik: Förderprogramme in den USA, Großbritannien und Europa halten Investitionen in Elektrolyseure und Wasserstoff-Infrastruktur am Laufen. Das schafft Nachfrage, ersetzt aber keine profitablen Geschäftsmodelle.

Gleichzeitig wird die Finanzierung schwieriger. Steigende Zinsen treffen vor allem Unternehmen, die noch Verluste schreiben und regelmäßig frisches Kapital brauchen. Genau deshalb trennt sich der Sektor inzwischen stärker denn je in Gewinner und Unternehmen, die weiter auf den Durchbruch warten.

Grau, blau, grün: Wasserstoff stammt heute noch aus Erdgas!

Der weitaus größte Teil des weltweit produzierten Wasserstoffs wird per Dampfreformierung aus fossilem Erdgas gewonnen („grau“) – wird das anfallende CO₂ abgeschieden und gespeichert, gilt er als „blau“. Laut der Internationalen Energieagentur (IEA) macht grüner Wasserstoff aus der Elektrolyse mit Ökostrom bislang weniger als ein Prozent der globalen Produktion aus. Wer heute verlässlich an Wasserstoff verdient, profitiert folglich primär am Erdgasgeschäft – während die Hersteller von Elektrolyseuren auf einen Markt warten, der erst noch entstehen muss.

Nachfrage der Sektoren

Weltweite Wasserstoffnachfrage nach Sektoren bis 2050 in Millionen Tonnen H-Äquivalent. | Quelle: Statista

Die langfristigen Nachfrageprojektionen verdeutlichen, wo das künftige Volumen für den Markt liegt: Laut Erhebungen von Deloitte und Statista vervierfacht sich der weltweite Wasserstoffbedarf von 172 Millionen Tonnen im Jahr 2030 auf knapp 600 Millionen Tonnen bis 2050. Der mit Abstand stärkste Wachstumstreiber ist der Mobilitäts- und Transportsektor, dessen Bedarf von anfänglich 28 Millionen Tonnen auf 215 Millionen Tonnen im Jahr 2050 ansteigt – mehr als ein Drittel des gesamten Marktes.

Zweiter Pfeiler ist die Schwerindustrie: Allein die Dekarbonisierung der Eisen- und Stahlproduktion soll 2050 rund 135 Millionen Tonnen abnehmen, gefolgt von der Energieversorgung mit 125 Millionen Tonnen. Der Gebäudesektor hingegen bleibt mit lediglich 5 Millionen Tonnen eine vernachlässigbare Randnotiz. Für Anleger zeigt die Verteilung die zeitliche Hürde: Die industrielle Großnachfrage aus Stahl und Transport greift substanziell erst ab Mitte der 2030er-Jahre – bis dahin müssen Hersteller von Elektrolyseuren und Brennstoffzellen mit deutlich kleineren Projektvolumina wirtschaften.

Eine Branche, zwei Welten

Ein Blick auf die Kursentwicklung seit Jahresbeginn zeigt das Ausmaß der Zerrüttung: Während Bloom Energy mit einem dreistelligen Kursplus davonzieht und Linde gewohnt solide im Plus notiert, verharren Plug Power und Ballard Power meilenweit unter ihren Allzeithochs. Nel ASA und thyssenkrupp nucera treten seit Monaten auf der Stelle oder notieren seit Jahresbeginn klar im Minus.

Die Grafik räumt mit der Annahme auf, Wasserstoff sei ein homogener Sektor, der im Gleichschritt steigt oder fällt. Die Reihenfolge der Balken folgt nicht der Technologie, sondern dem Geschäftsmodell. Oben stehen die Unternehmen, die heute Kunden mit Strom oder Gas beliefern, unten die, die auf Aufträge für grünen Wasserstoff warten.

Wer 2026 investiert, sieht keine geschlossene Branche, sondern zwei Welten: Auf der einen Seite Konzerne mit skalierter Produktion und zahlenden Industriekunden, auf der anderen Entwickler, deren Überleben davon abhängt, dass staatliche Fördergelder und private Investitionsentscheidungen zügig freigegeben werden.

Drei Lager statt einer Branche

Daraus ergibt sich eine Dreiteilung des Marktes: Gruppe 1 verdient heute mit bestehender Infrastruktur, Gruppe 2 saniert unter hohem Druck die eigenen Margen, und Gruppe 3 wartet auf Großprojekte. Wer diesen Markt pauschal kauft, stolpert unweigerlich über drei Fallen.

Die erste ist die Etiketten-Falle. Wer „Wasserstoff-Aktie“ liest, denkt an grünen Wasserstoff und saubere Energiewende. Der größte Branchengewinner des Jahres betreibt seine Festoxid-Brennstoffzellen heute jedoch fast ausnahmslos mit fossilem Erdgas. Das ist kein Vorwurf an Bloom Energy, sondern eine Realität, die in kaum einer Kursliste steht: Wasserstoff ist aktuell noch nicht so nachhaltig und zukunftsträchtig, wie viele vermuten.

Die zweite Falle ist die Pennystock-Falle. Plug Power notiert um 1,90 Euro, Nel um 0,20 Euro. Ein optisch niedriger Aktienkurs spiegelt jedoch kein Schnäppchen wider, sondern ist das Resultat jahrelanger, massiver Verwässerung über Neuemissionen. Die Schwankungsbreite bei Plug reichte allein in den vergangenen zwölf Monaten von 1,20 bis 4,04 Euro. Wer hier einsteigt, erwirbt keine Unterbewertung, sondern kauft pure Kursschwankung und das Risiko weiterer Kapitalmaßnahmen.

Die dritte Hürde bildet die Auftrags-Falle: Buchungen und Absichtserklärungen sind noch keine Umsatzerlöse. Nel steigerte den Auftragseingang im zweiten Quartal zwar um 224 Prozent gegenüber dem Vorjahr, der tatsächliche Quartalsumsatz sank im selben Zeitraum dennoch um 12 Prozent. Bei thyssenkrupp nucera flossen im Wasserstoff-Segment im dritten Quartal sogar nur magere 3 Millionen Euro an Neuaufträgen in die Bücher. Zwischen der Ankündigung eines Elektrolyse-Projekts und der finalen Abrechnung vergehen oft Jahre regulatorischer Unsicherheit.

Fangen wir bei den beiden Unternehmen an, die mit Wasserstoff schon heute verlässlich Geld verdienen.

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Die Verdiener: Bloom Energy und Linde

Bloom Energy Aktie: KI-Boom treibt Umsatz und Kurs

Bloom Energy ist ein US-Energietechnikunternehmen aus Kalifornien und derzeit der klare Überflieger unter den Wasserstoff-Aktien. Im zweiten Quartal stieg der Umsatz um 166 % auf 1,07 Milliarden USD. Die Aktie steht bei rund 259 USD und seit Jahresbeginn knapp 200 % im Plus.

Der Boom hat allerdings weniger mit grünem Wasserstoff zu tun als mit dem Stromhunger der KI-Rechenzentren. Blooms Brennstoffzellen können zwar Wasserstoff nutzen, laufen heute aber überwiegend mit Erdgas. Ihr großer Vorteil: Sie liefern Rechenzentren vor Ort Strom, ohne jahrelang auf einen neuen Netzanschluss warten zu müssen. Genau deshalb haben Oracle und andere große Rechenzentrumskunden zuletzt massiv Kapazitäten bei Bloom gebucht.

Am 21. September steigt Bloom zudem in den S&P 500 auf. Das dürfte zusätzliche Aufmerksamkeit bringen, erhöht nach der Kursverdreifachung aber auch die Fallhöhe. Entscheidend wird sein, ob Bloom das hohe Wachstum über die nächsten Quartale halten kann – und ob die großen KI-Projekte tatsächlich so schnell umgesetzt werden wie angekündigt.

Warum der 21. September für Bloom-Aktionäre zweischneidig ist

Mit der Aufnahme in den S&P 500 müssen Indexfonds Bloom Energy künftig im Depot halten und ihre Positionen spätestens zum Handelsschluss am 18. September entsprechend anpassen. Das sorgt für zusätzliche Nachfrage – allerdings wissen Anleger das längst, weshalb ein Teil dieses Effekts schon vor dem eigentlichen Aufnahmetag im Kurs stecken kann. Untersuchungen zu S&P-500-Aufnahmen zeigen zudem, dass Kursgewinne rund um die Aufnahme anschließend teilweise wieder abgegeben werden können.

Bloom Energy Aktie Chartanalyse – Aufwärtstrend intakt

Bloom Energy Aktie Chartanalyse – Tageschart – September 2026

Die Aktie von Bloom Energy befindet sich in einem langfristigen Aufwärtstrend und hat auch kurzfristig eine aufsteigende Trendlinie etabliert. Die gleitenden Durchschnitte SMA50 und SMA200 und die Widerstandszone zwischen 240 und 251 USD wurden zuletzt überschritten, sodass nun das Allzeithoch bei rund 350 USD in den Fokus rücken könnte.

KI-Sektor vor massiver Korrektur?

Alle unsere Chartanalysen in dieser Topstory stehen natürlich unter dem Vorbehalt, dass sich die Märkte am morgigen Tag von den Ereignissen des Wochenendes nicht zu sehr unter Druck setzen lassen. Nachdem Sam Altman von OpenAI, Elon Musk und Dario Amodei CEO von Anthropic gemahnt hatten, das Tempo des KI-Ausbaus zu reduzieren, wird mit einem schwachen Wochenchart im KI-Sektor gerechnet, der insbesondere Bloom Energy unter Druck setzen dürfte.

Linde Aktie: Solides Wachstum mit Wasserstoff-Geschäft

Linde ist der ruhige Gegenpol zu Bloom Energy. Der Industriegasekonzern steigerte den Umsatz im zweiten Quartal um 9 % auf 9,3 Milliarden USD, der bereinigte Gewinn je Aktie legte um 10 % auf 4,50 USD zu. Seit Jahresbeginn liegt die Aktie knapp 10 % im Plus. Für 2026 erwartet der Markt einen Umsatz von rund 36,3 Milliarden USD und ein Ergebnis je Aktie von 16,75 USD.

Auch bei Linde lohnt der Blick hinter das Wasserstoff-Etikett. Der Konzern gehört zu den größten Wasserstoffproduzenten der Welt, stellt den Großteil davon aber weiterhin klassisch aus Erdgas her. Wachstum bringen derzeit vor allem langfristige Verträge mit Chipfabriken, Raffinerien und anderen Industriekunden. Der Auftragsbestand im Gasgeschäft erreichte zuletzt mit 8,1 Milliarden USD einen Rekord.

Damit ist Linde weniger eine Wette auf den Durchbruch von grünem Wasserstoff als ein hochprofitables Industriegase-Geschäft. Das zeigt sich auch an der Bewertung: Für 2026 liegt das erwartete KGV bei rund 26. Wer dagegen darauf setzen will, dass Wasserstoff selbst zum Geschäft wird, landet bei Unternehmen, die gerade erst lernen, damit Geld zu verdienen.

Linde Aktie Chartanalyse – wichtige Zone bereits gefallen

Linde Aktie Chartanalyse – Tageschart – September 2026

Die Aktie von Linde hat bereits vor geraumer Zeit die wichtige Unterstützung zwischen 490 und 496,50 EUR verloren. Auch der SMA200 wurde zuletzt deutlich unterschritten. Das charttechnisch nächste Kursziel liegt nun südwärts bei 390 EUR.

Brennstoffzellen im Umbau: Plug Power und Ballard

Beide Unternehmen arbeiten unter Hochdruck daran, ihre Margen zu stabilisieren. Profitabel ist keines von beiden, und beide verändern gerade grundlegend, womit sie künftig Geld verdienen wollen.

Plug Power Aktie: Sanierung zwischen Notverkäufen und Cash-Burn

Wer darauf setzen will, dass Wasserstoff selbst zum Geschäft wird, landet bei Unternehmen, die gerade erst mühsam lernen, damit Geld zu verdienen. Im zweiten Quartal 2026 erzielte Plug Power einen Umsatz von 178,3 Millionen USD – ein mageres Plus von 2,5 % im Vorjahresvergleich. Die Bruttomarge verbesserte sich immerhin von minus 30,7 % auf minus 0,9 %, der Quartalsabfluss sank auf 61 Millionen USD. An der Börse notiert das Papier um 1,90 Euro und bleibt nach einer 52-Wochen-Spanne von 1,20 bis 4,04 Euro ein extrem volatiler Pennystock.

Dass Plug zuletzt im Windschatten des KI-Hypes genannt wurde, liegt nicht an florierenden Brennstoffzellen-Lieferungen, sondern an Infrastrukturverkäufen. Das Unternehmen verkaufte das Graham-Projekt in Texas samt 164-Megawatt-Netzanschluss für bis zu 76,5 Millionen USD an einen Rechenzentrums-Entwickler, um kurzfristig Liquidität zu sichern. Insgesamt soll das Verkaufsprogramm rund 275 Millionen USD einbringen.

Das fundamentale Risiko bleibt aber akut: Beim Verkauf von flüssigem Wasserstoff-Treibstoff verbrennt Plug mit einer Marge von minus 48 % weiterhin Geld bei jeder Lieferung. Zwar stellt das Management für das vierte Quartal erstmals ein positives bereinigtes EBITDA in Aussicht, die liquiden Mittel von rund 162 Millionen USD reichen ohne weitere Verkäufe jedoch nur knapp drei Quartale. Solange die Gewinnschwelle vor 2028 außer Reichweite liegt, bleibt das Risiko weiterer Verwässerung durch neue Aktien der bestimmende Faktor.

Plug Power Aktie Chartanalyse – Erholung Fehlanzeige

Plug Power Inc. Chartanalyse – Tageschart – September 2026

Plug Power ist von den alten Höchstständen meilenweit entfernt. Die letzten Erholungsversuche scheiterten am Widerstand bei rund 4,50 USD. Seit Juni hat sich zudem eine absteigende Trendlinie etabliert. Frühestens über 2,50 USD könnte man die Aktie für einen erneuten Anstieg in Richtung 4,50 USD auf die Watchlist packen.

Ballard Power Aktie: Strategiewechsel zum Stromanbieter

Auch beim Branchenveteran Ballard Power kommt das operative Geschäft nur schleppend voran. Im zweiten Quartal 2026 stieg der Umsatz um 15 % auf 20,6 Millionen USD und verfehlte damit die Markterwartungen von über 25 Millionen USD deutlich. Einen Lichtblick lieferte die Bruttomarge, die nach minus 8 % im Vorjahr auf plus 20 % drehte. Unter dem Strich stand dennoch ein bereinigter EBITDA-Verlust von 9,8 Millionen USD. Bei Kursen um 2,65 USD notiert das Papier weit unter seinem 52-Wochen-Hoch von 6,57 USD.

Um aus der reinen Komponenten-Nische auszubrechen, vollzieht Ballard einen teuren Strategieschwenk: Für 275 Millionen GBP vorab (rund 400 Millionen USD) übernimmt Ballard das britische Unternehmen GeoPura. Statt ausschließlich Brennstoffzellen an Fahrzeughersteller zu verkaufen – wo Großserien wie bei Daimler Truck auf sich warten lassen und für Unsicherheit sorgen – will Ballard über GeoPura als Anbieter von „Energy as a Service“ mobile Wasserstoff-Generatoren für Baustellen und Events vermieten.

Dieser Zukauf bringt zwar direkten Marktzugang, bindet jedoch einen beträchtlichen Teil der noch komfortablen Barreserven von rund 502 Millionen USD. Ballard erkauft sich damit Zeit und Umsatz, muss die operative Wende aber erst beweisen. Brennstoffzellen brauchen Wasserstoff. Wer ihn grün herstellen will, braucht Elektrolyseure, und deren Hersteller warten auf Projekte, die erst noch finanziert werden müssen.

Ballard Power Aktie Chartanalyse – der klassische Mittelfinger

Ballard Power Chartanalyse – Tageschart – September 2026

Wer kennt ihn nicht – den charttechnischen Mittelfinger. Vom Hoch bei rund 6,50 EUR hat sich die Aktie knapp gedrittelt und notiert aktuell am unteren Ende einer Unterstützung zwischen 2,23 und 2,40 EUR. Darunter befindet sich noch ein Volumencluster. Unter 2 EUR sieht es charttechnisch dann weiter düster aus. Frühestens über 2,50 EUR könnte eine kleine Erholung Form annehmen.

Elektrolyse-Aktien: Nel, ITM Power und thyssenkrupp nucera

Brennstoffzellen brauchen Wasserstoff. Wer ihn grün herstellen will, braucht Elektrolyseure, und deren Hersteller warten auf Projekte, die erst noch finanziert werden müssen. Genau das ist die Lage bei den drei folgenden Werten: Die Auftragsbücher füllen sich, die Umsätze folgen nicht im gleichen Tempo. Entscheidend ist deshalb weniger die Technologie als die Frage, wie lange das Geld reicht.

Nel Aktie: Rekordaufträge, sinkender Umsatz

Nel ASA aus Oslo baut Elektrolyseure und ist der bekannteste Wasserstoff-Wert Europas. Im zweiten Quartal 2026 sammelte das Unternehmen Aufträge über 230 Millionen NOK ein, ein Plus von 224 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Umsatz aus Kundenverträgen fiel im selben Zeitraum jedoch um 12 Prozent auf 153 Millionen NOK. Das EBITDA lag bei minus 155 Millionen NOK, worin eine Belastung von 70 Millionen NOK aus dem Iwatani-Vergleich steckt. Die Aktie schloss am 11. September bei 2,08 NOK und liegt damit seit Jahresbeginn rund 7 Prozent im Minus.

Nel ist das Lehrbuchbeispiel für die Auftrags-Falle. Der Auftragsbestand liegt bei 1,21 Milliarden NOK und damit 9 Prozent über dem Vorquartal, 96 Prozent der neuen Bestellungen entfielen auf die PEM-Technologie. Bis diese Aufträge abgerechnet sind, vergehen allerdings Quartale. In der Zwischenzeit schrumpft die Kasse: 1,33 Milliarden NOK lagen Ende Juni in den Büchern, ein Jahr zuvor waren es noch 1,93 Milliarden NOK.

Dazu kommt eine offene Personalie. CEO Håkon Volldal hat im Juni seinen Rücktritt erklärt und führt das Unternehmen nur noch, bis ein Nachfolger gefunden ist. Seine sechsmonatige Kündigungsfrist läuft im Dezember aus, ein Nachfolger ist bislang nicht benannt. Wer Nel im Depot hat, wettet aktuell darauf, dass die Aufträge schneller zu Umsatz werden, als das Geld knapp wird. Die nächsten Quartalszahlen kommen am 15. Oktober.

Nel ASA Aktie Chartanalyse – massiver Abverkauf

Nel ASA Aktie Chartanalyse – Tageschart – September 2026

Auch die Aktie von Nel steht dem Chart von Ballard Power in nichts nach. Abgesehen davon, dass die Aktie seit ihrem Hype-Hoch im Jahr 2021 über 90 % an Wert verloren hat, mussten Nel Aktionäre auch von der Zwischenerholung im Mai 2026 über 50 % Kursverlust verkraften. Der Bereich rund um die 2 NOK-Marke ist vom Volumen her sehr relevant. Sollte dieser Bereich nachhaltig fallen, gibt es zunächst keine charttechnischen Ziele.

ITM Power Aktie: Der Turnaround mit Staatsbeteiligung

Der britische Elektrolyseur-Hersteller ITM Power ist die Ausnahme in dieser Gruppe. Im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2025/26 erzielte das Unternehmen mit 18 Millionen GBP einen Rekordumsatz, der Bruttoverlust schrumpfte von 10,2 auf 6,5 Millionen GBP. Der Auftragsbestand liegt bei 152 Millionen GBP, und der entscheidende Wert dahinter ist die Qualität: 71 Prozent dieser Verträge gelten als profitabel, im April 2025 waren es erst 60 Prozent. Die Aktie schloss am 11. September bei 103,00 Pence und notiert damit rund 71 Prozent über dem Jahresstart.

Anders als die Wettbewerber hat ITM das Kernproblem der Branche direkt angepackt und alte Verlustverträge abgearbeitet, statt auf Wachstum um jeden Preis zu setzen. Rückendeckung kommt zusätzlich vom Staat: Great British Energy stieg im zweiten Quartal mit rund 40 Millionen GBP ein, hält gut 10 Prozent der Anteile und ist damit zweitgrößter Aktionär. Weitere 46,5 Millionen GBP an Fördermitteln fließen in die automatisierte Fertigung des Elektrolyseurs Chronos. Über eine Kooperation mit Rheinmetall könnten ITM-Anlagen künftig außerdem synthetische Kraftstoffe für NATO-Streitkräfte produzieren.

Die Euphorie hat allerdings Grenzen. Vom 52-Wochen-Hoch aus dem Mai hat die Aktie rund die Hälfte abgegeben, und die Analystenhäuser liegen extrem weit auseinander: Berenberg sieht das Papier bei 200 Pence, JPMorgan bei 80 Pence. Am Dienstag, dem 15. September, legt ITM die Jahreszahlen zum Geschäftsjahr bis Ende April vor. Dann zeigt sich, ob die im Februar angehobene Umsatzprognose von 40 bis 43 Millionen GBP gehalten hat.

ITM Power Chartanalyse – zwischen den SMAs gefangen

ITM Power Chartanalyse – Tageschart – September 2026

Die Aktie von ITM Power hat sich vom Zwischenhoch bei 2,50 EUR im Juni auch mehr als halbiert. Aktuell ist der Titel zwischen der 200- und 50-Tage-Linie gefangen. Ein Ausbruch über 1,30 EUR könnte eine Erholung bedeuten – fällt die Aktie allerdings unter 1,15 EUR droht ein weiterer Verfall in Richtung 0,80 EUR.

thyssenkrupp nucera Aktie: Wasserstoff mit Sicherheitsnetz

Der Dortmunder Anlagenbauer thyssenkrupp nucera ist der einzige deutsche Wert in dieser Runde und zeigt die Spaltung der Branche im eigenen Konzern. Im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2025/26 fiel der Konzernumsatz auf 145 Millionen Euro nach 184 Millionen Euro im Vorjahr. Dahinter verbergen sich zwei völlig unterschiedliche Geschäfte: Die klassische Chlor-Alkali-Sparte steigerte den Umsatz auf 109 Millionen Euro und verdiente 15 Millionen Euro operativ. Das Segment Grüner Wasserstoff kam auf 36 Millionen Euro Umsatz nach 103 Millionen Euro und schrieb 17 Millionen Euro Verlust. Die Aktie schloss am 11. September bei 7,99 Euro, rund 10 Prozent unter dem Jahresstart.

Im August zog das Management Konsequenzen. Der Aufbau einer eigenen Serienfertigung für die Hochtemperatur-Elektrolyse wird nicht weiterverfolgt, was einmalig rund 30 Millionen Euro kostet. Entsprechend wurde die Prognose gesenkt: Für das laufende Geschäftsjahr erwartet nucera nun ein Konzern-EBIT zwischen minus 105 und minus 75 Millionen Euro, zuvor waren es minus 80 bis minus 30 Millionen Euro. Für Anleger ist dieser Rückzug bemerkenswert, weil Bloom Energy genau diese Technologie erfolgreich vermarktet. Was in kalifornischen Rechenzentren als Geschäftsmodell funktioniert, rechnete sich für den deutschen Anlagenbauer nicht.

Der große Unterschied zu Nel liegt in der Bilanz. Mit einem Nettofinanzguthaben von 627 Millionen Euro zum 30. Juni hat nucera kein Liquiditätsproblem, im Vergleich zum Geschäftsjahresbeginn sind gerade einmal 29 Millionen Euro abgeflossen. Das Chlor-Alkali-Geschäft finanziert die Wette auf grünen Wasserstoff. Dass diese Wette noch läuft, zeigt der Auftrag von Moeve über 300 Megawatt für die größte Anlage für grünen Wasserstoff in Südeuropa. Das Geschäftsjahr endet am 30. September, die Jahreszahlen folgen turnusgemäß im Dezember.

Thyssenkrupp Nucera Aktie Chartanalyse – ein weiteres klassisch deutsches IPO

Thyssenkrupp Nucera Aktie Chartanalyse – Tageschart – September 2026

Die Aktie von Thyssenkrupp Nucera ist ein klassisches deutsches IPO. Die Aktie hat seit dem IPO-Kurs um die 20 EUR bereits mehr als 50 % verloren. An den Kerzen erkennt man, dass das Handelsvolumen in der Aktie eher schwach ist, was auch die Price-Action eher unschön macht. Aktuell notiert die Aktie zwischen der SMA50 und SMA200. Sollte die Aktie es nachhaltig über die 200-Tage-Linie schaffen, könnte eine Erholung einsetzen.

Wasserstoff-ETF: Welcher Wasserstoff steckt eigentlich drin?

Wer sich die Auswahl einzelner Werte nicht zutraut, landet schnell bei einem Wasserstoff-ETF. Zwei Produkte sind für deutsche Anleger relevant. Der L&G Hydrogen Economy UCITS ETF ist mit rund 400 Millionen Euro mit Abstand der größte, kostet 0,49 Prozent im Jahr und hält 30 Positionen. Der VanEck Hydrogen Economy UCITS ETF kommt auf etwa 100 Millionen Euro bei 0,55 Prozent Kosten und ist mit 21 Positionen deutlich konzentrierter. Alle weiteren Produkte am Markt liegen unter 100 Millionen Euro. Bei solchen Größen steigt das Risiko, dass ein Anbieter den Fonds mangels Wirtschaftlichkeit schließt. Du verlierst dann zwar kein Geld, bekommst dein Kapital aber möglicherweise zu einem ungünstigen Zeitpunkt ausgezahlt.

Interessant wird es beim Blick in die Depots, denn dort wiederholt sich die Etiketten-Falle aus dem ersten Teil dieser Analyse. Der VanEck-ETF gilt als der striktere der beiden, weil sein Index gezielt Unternehmen mit hohem Wasserstoff-Anteil am Geschäft auswählt. Seine größten Positionen waren Ende Juli trotzdem Mitsubishi Chemical, Nippon Sanso, Bloom Energy, Air Products, Air Liquide und Linde. Das sind fast durchweg Industriegase-Konzerne und ein Brennstoffzellen-Hersteller, dessen Anlagen mit Erdgas laufen, zusammen rund 60 Prozent des Fonds. Die reinen Brennstoffzellen- und Elektrolyse-Werte Plug Power, Ceres Power und Ballard kommen gemeinsam auf rund 17 Prozent.

Kennzahl L&G Hydrogen Economy VanEck Hydrogen Economy
ISIN / WKN IE00BMYDM794 / A2QMAL IE00BMDH1538 / A2QMWR
Kosten p. a. 0,49 % 0,55 %
Fondsvolumen rund 400 Mio. EUR rund 100 Mio. EUR
Positionen 30 21
Seit Jahresbeginn +28,8 % +39,6 %
Seit Auflage 2021 −20,0 % −55,4 %
Quelle: justETF, Stand 09.09.2026. Beide ETFs sind thesaurierend und replizieren physisch.

Die Wertentwicklung verdient eine ehrliche Einordnung. Beide Fonds haben ein starkes Jahr hinter sich, der VanEck-ETF liegt auf Jahressicht über 50 Prozent im Plus. Davor standen bei ihm drei Verlustjahre in Folge: minus 35 Prozent 2022, minus 27 Prozent 2023 und minus 25 Prozent 2024. Auch nach der Erholung liegen beide Produkte seit ihrer Auflage im Jahr 2021 im Minus, beim VanEck-ETF sind es rund 55 Prozent. Der maximale zwischenzeitliche Verlust beim größeren L&G-Fonds lag bei über 62 Prozent. Wer hier einsteigt, sollte das als Beimischung verstehen und nicht als Basisinvestment.

Wie ETFs grundsätzlich funktionieren und woran du einen guten erkennst, erklären wir dir Schritt für Schritt in der Goldesel Akademie.

Die sieben Werte im direkten Vergleich

Aktie Kurs (11.09.) Seit Jahresbeginn Umsatz letztes Quartal Bewertung / Ergebnis
Bloom Energy 275,75 USD +217 % 1,07 Mrd. USD (Q2, +166 %) KGV rund 100
Linde 467,16 USD +11 % 9,30 Mrd. USD (Q2, +9 %) KGV rund 26
Plug Power 2,10 USD +7 % 178,3 Mio. USD (Q2, +3 %) Bruttomarge −0,9 %
Ballard Power 2,26 USD −11 % 20,6 Mio. USD (Q2, +15 %) Bruttomarge +20 %
Nel ASA 2,08 NOK −7 % 153 Mio. NOK (Q2, −12 %) EBITDA −155 Mio. NOK
ITM Power 103,00 Pence +71 % 18 Mio. GBP (H1 25/26) Bruttoverlust 6,5 Mio. GBP
thyssenkrupp nucera 7,99 EUR −10 % 145 Mio. EUR (Q3 25/26, −21 %) EBIT −2 Mio. EUR
Schlusskurse vom 11.09.2026 in der Währung der jeweiligen Hauptbörse, Performance ebenfalls in Heimatwährung. In Euro gerechnet weichen die Werte je nach Wechselkurs ab. ITM Power und thyssenkrupp nucera haben abweichende Geschäftsjahre, die Quartale sind entsprechend gekennzeichnet. Das KGV bezieht sich auf die bereinigte Ergebnisprognose der Unternehmen für 2026. Für die übrigen fünf Werte ist ein KGV nicht aussagekräftig, weil sie Verluste schreiben.

Wasserstoff-Aktien kaufen oder abwarten: Das Fazit

Der Sektor trägt einen gemeinsamen Namen, aber keine gemeinsame Geschäftslogik. Wer heute zuverlässig Geld verdient, verdient es mit Erdgas oder mit Industriegasen für Chipfabriken. Wer auf grünen Wasserstoff setzt, kauft Auftragsbücher und Förderzusagen, deren Umsetzung Jahre dauert. Beides kann funktionieren, aber es sind zwei völlig verschiedene Investments hinter demselben Etikett.

  • Für Solide: Linde funktioniert als Beimischung für alle, die am Wasserstoffgeschäft teilhaben wollen, ohne auf dessen Durchbruch angewiesen zu sein. Die Kehrseite ist eine Premium-Bewertung.
  • Für Wachstum mit Bewertungsrisiko: Bloom Energy bleibt ein Watchlist-Kandidat, allerdings eher für die Zeit nach dem Index-Stichtag. Nach der Kursverdreifachung ist die Fallhöhe beträchtlich.
  • Für Spekulative: Plug Power und Ballard eignen sich nur für Geld, dessen Verlust du verkraften kannst. Bei den Elektrolyseuren ist thyssenkrupp nucera dank Chlor-Alkali-Geschäft die ruhigere Variante, ITM Power die operativ überzeugendere und Nel die Wette mit dem knappsten Zeitfenster.

Risiken und Ausblick

Die kommenden Tage liefern gleich mehrere Prüfsteine. Am 15. September legt ITM Power die Jahreszahlen vor, am 16. September entscheidet die Fed über die Zinsen, und am 21. September zieht Bloom Energy in den S&P 500 ein. Am 15. Oktober folgen die Quartalszahlen von Nel, Ende Oktober die von Bloom und Plug Power. Steigende Zinsen sind für diesen Sektor besonders unangenehm, weil fünf der sieben Werte Verluste schreiben und regelmäßig frisches Kapital brauchen.

Dazu kommt die politische Abhängigkeit: Ein gekipptes Förderprogramm oder eine verschobene Investitionsentscheidung kann bei den Elektrolyse-Werten mehr bewegen als jede Quartalszahl. Und der Blick zurück mahnt zur Vorsicht. Der reine Wasserstoff-Korb hat zwischen 2022 und 2024 drei Verlustjahre in Folge hinter sich gebracht, in denen sich der Wert des VanEck-ETFs fast zwei Drittel reduziert hat. Die aktuelle Erholung ändert nichts daran, dass dieser Markt eine Beimischung bleibt und kein Fundament fürs Depot.

Offenlegung wegen möglicher Interessenkonflikte

Die Autoren sind zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieser Analyse in den erwähnten Wertpapieren nicht investiert.

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