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10:36 Uhr, 10.03.2026

Tesla-Aktie 2026: Zwischen Robotaxi-Fantasie und Absatzkrise – was Anleger jetzt wissen müssen

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Tesla lieferte 2025 zum zweiten Mal in Folge weniger Autos aus, während BYD den US-Konzern als größten E-Autobauer der Welt überholt hat. Gleichzeitig rollt in Austin das erste Cybercab vom Band und der Robotaxi-Dienst nimmt Fahrt auf. Was bedeutet das für die Aktie?

Absatz um Absatz: Teslas Verkaufszahlen stagnieren

Das Jahr 2025 war für Tesla in vielerlei Hinsicht ernüchternd. Der Elektroautobauer lieferte insgesamt 1,636 Millionen Fahrzeuge aus, ein Rückgang von rund 9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit verzeichnete Tesla den zweiten Absatzrückgang in Folge, nachdem bereits 2024 ein leichtes Minus von gut einem Prozent zu Buche stand. Den bisherigen Höchstwert hatte Tesla 2023 mit etwas über 1,8 Millionen verkauften Fahrzeugen erreicht.

Besonders das vierte Quartal 2025 fiel schwach aus: Nur 418.227 Fahrzeuge wurden ausgeliefert, 15,6 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Der Hauptgrund war das Auslaufen der US-Steuervergünstigung von 7.500 US-Dollar beim Kauf eines Elektroautos Ende September 2025. Im dritten Quartal hatte dieser Effekt Tesla noch einen Rekord von 497.099 Auslieferungen beschert, danach brach die Nachfrage ein. Von den Modellen Model S, Model X und dem Cybertruck wurden im Q4 lediglich 11.642 Einheiten ausgeliefert, ein Minus von 51 Prozent.

Die Zahlen auf Jahresbasis verdeutlichen das Ausmaß:

  • Gesamtumsatz 2025: 94,8 Milliarden US-Dollar (minus 3 Prozent)
  • Nettogewinn 2025: 3,8 Milliarden US-Dollar (minus 46 Prozent)
  • Nettogewinn Q4 2025: 840 Millionen US-Dollar (minus 61 Prozent)
  • Produktion 2025: 1,655 Millionen Fahrzeuge (minus 7 Prozent)

Für ein Unternehmen, das an der Börse mit einem KGV von rund 190 (Forward, 2026e) bis knapp 340 (Trailing, letzte 12 Monate) bewertet wird, sind das Zahlen, die Fragen aufwerfen.

BYD überholt Tesla: Der neue König der E-Autos

Historisch betrachtet ist 2025 ein Wendepunkt: Tesla wurde erstmals von BYD als weltweit größter Hersteller batterieelektrischer Fahrzeuge abgelöst. Der chinesische Konzern meldete für 2025 rund 2,25 Millionen rein elektrische Fahrzeuge (BEV), ein Plus von 28 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Nimmt man Plug-in-Hybride hinzu, lieferte BYD sogar rund 4,6 Millionen Fahrzeuge aus.

Der Wettlauf der E-Auto-Giganten: BYD hat Tesla 2025 als weltweit größten Elektroautobauer abgelöst. | Bildquelle: Eigene Darstellung, erstellt mit KI (Nano Banana Pro)

Für Tesla ist das ein strukturelles Problem. In China, dem weltweit größten Markt für Elektroautos, wächst der Wettbewerbsdruck durch Hersteller wie BYD, NIO und XPeng immer stärker. Die chinesischen Konkurrenten bieten Modellzyklen von teilweise unter zwei Jahren mit erheblichen technologischen Fortschritten. Teslas Modellpalette wirkt dagegen in die Jahre gekommen. Abgesehen vom Juniper-Facelift des Model Y gab es 2025 wenig Neues. Der Cybertruck hat sich als kommerzieller Flop erwiesen, die Verkaufszahlen bei Model S und Model X gehen stetig zurück.

Tesla hat daraus die Konsequenz gezogen und angekündigt, die Produktion beider Modelle im ersten Quartal 2026 einzustellen. Die einstigen Premium-Flaggschiffe weichen damit den neuen Prioritäten: Cybercab und Optimus.

Auch in Europa hat Tesla zu kämpfen. In Deutschland sanken die Neuzulassungen 2025 um rund 48 Prozent. Ein Grund dafür ist neben der wachsenden Konkurrenz auch Elon Musks politisches Engagement, das in Europa auf breite Ablehnung stößt. Die anhaltende Unterstützung der AfD und Musks Agitation gegen die EU haben dem Markenimage spürbar geschadet.

Warum der E-Auto-Markt für Tesla schwieriger wird

Ende September 2025 lief in den USA die Steuervergünstigung von 7.500 US-Dollar für E-Autos aus. Gleichzeitig setzt die Trump-Regierung politisch eher auf Verbrenner und Hybride als auf reine Elektromobilität. In Europa wiederum schadet Musks politisches Auftreten der Marke, während chinesische Hersteller mit aggressiver Preisgestaltung und kürzeren Modellzyklen Marktanteile gewinnen. Tesla steht damit gleichzeitig auf seinem größten Heimatmarkt und in Europa unter Druck.

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Das Cybercab rollt: Teslas größte Wette aller Zeiten

Während das klassische Autogeschäft schwächelt, setzt Tesla alles auf eine Karte: autonomes Fahren. Am 17. Februar 2026 rollte das erste Produktionsexemplar des Cybercab in der Gigafactory Texas vom Band. Das Fahrzeug hat weder Lenkrad noch Pedale und ist ausschließlich für den autonomen Betrieb konzipiert. Die Serienproduktion soll im April 2026 beginnen, wobei Musk selbst einräumte, dass der Anlauf „quälend langsam“ sein werde.

Parallel dazu betreibt Tesla seit Juni 2025 einen begrenzten Robotaxi-Dienst in Austin, Texas, zunächst mit Model-Y-Fahrzeugen und einem Sicherheitsfahrer an Bord. Am 22. Januar 2026 startete Tesla erstmals Fahrten ohne menschliche Aufsicht im Fahrzeug. Allerdings folgten den autonomen Fahrzeugen in der Praxis sogenannte Sicherheitsfahrzeuge mit Aufpassern darin, was Fragen aufwirft, wie autonom der Dienst tatsächlich ist. Tägliche Kundenfahrten sollen im Laufe des März 2026 zur Routine werden.

Die Zahlen zum aktuellen Stand sind ernüchternd: Tesla betreibt nach Angaben des Branchenportals Electrek rund 40 Robotaxis in Austin. Zum Vergleich: Waymo, die Google-Schwester, hat bereits mehr als 2.500 fahrerlose Fahrzeuge in mehreren US-Städten im Einsatz. Laut Electrek verzeichneten Teslas Robotaxis in Austin rund 14 Unfälle auf geschätzte 800.000 gefahrene Meilen, was einer Rate von einem Unfall alle 57.000 Meilen entspricht. Das ist etwa viermal häufiger als bei menschlichen Fahrern.

Für das Cybercab plant Tesla einen Verkaufspreis von unter 30.000 US-Dollar und langfristig eine Produktionskapazität von einem Fahrzeug alle zehn Sekunden. Das wäre revolutionär, setzt allerdings voraus, dass die Full-Self-Driving-Software (FSD) zuverlässig genug für den vollautonomen Betrieb wird. Musk selbst räumte im Januar 2026 ein, dass Tesla rund zehn Milliarden gefahrene Meilen an Daten benötige, um sicheres unbeaufsichtigtes Fahren zu erreichen. Nach Hochrechnungen von Electrek dürfte dieser Meilenstein frühestens um Juli 2026 erreicht werden, die tatsächliche Validierung und Freigabe der Software noch deutlich länger dauern.

FSD und Autonomes Fahren – wo steht die Regulierung?

Teslas Full Self Driving ist trotz des Namens kein vollautonomes System, sondern nach der internationalen Klassifikation SAE Level 2 (mit Fahrerüberwachung). Für den Einsatz des lenkradlosen Cybercab auf öffentlichen Straßen benötigt Tesla regulatorische Sondergenehmigungen, die bislang nur in Texas vorliegen. In den USA dürfen ohne Ausnahmegenehmigung maximal 2.500 Fahrzeuge ohne konventionelle Steuerungselemente zugelassen werden. In Europa wartet Tesla nach wie vor auf die Freigabe von FSD (Supervised) durch die Behörden.

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Die Aktie: Bewertung, Analystenmeinungen und Iran-Faktor

Die Tesla-Aktie schloss am 9. März 2026 bei 398,68 US-Dollar (rund 342 Euro), nachdem sie im Dezember 2025 noch ein Allzeithoch von 489,88 US-Dollar markiert hatte. Das entspricht einem Rückgang von knapp 19 Prozent seit dem Hoch. Die Marktkapitalisierung liegt bei rund 1,49 Billionen US-Dollar, was Tesla trotz sinkender Gewinne weiterhin zum mit Abstand teuersten Autobauer der Welt macht.

Das durchschnittliche Analystenkursziel liegt bei rund 427 US-Dollar, die Bandbreite reicht von 43 US-Dollar bis 600 US-Dollar. Der Konsens von 55 Analysten steht auf „Halten“. Barclays hat ein 12-Monats-Kursziel von 360 US-Dollar ausgegeben, während Bank of America Anfang März die Beobachtung mit einem „Buy“-Rating wieder aufnahm und vor allem auf das Robotaxi-Potenzial und das wachsende Energiegeschäft verweist – mit einem Kursziel von 460 US-Dollar.

Chartanalyse

Die Tesla-Aktie notiert mit rund 399 US-Dollar direkt an der 200-Tage-Linie (SMA 200), die bei etwa 392 US-Dollar verläuft und damit zur entscheidenden Haltelinie wird. Die 50-Tage-Linie (SMA 50) bei rund 426 US-Dollar liegt bereits darüber und wirkt kurzfristig als Widerstand. Auf der Unterseite bildet die breite Unterstützungszone zwischen 330 und 350 US-Dollar das Auffangnetz, das bereits mehrfach erfolgreich getestet wurde. Erst ein nachhaltiger Ausbruch über die Widerstandszone zwischen 450 und 480 US-Dollar würde den Weg in Richtung des Allzeithochs bei 489,88 US-Dollar freimachen.

Ein zusätzlicher Belastungsfaktor im März 2026 ist die geopolitische Lage. Der Krieg im Nahen Osten und die faktische Blockade der Straße von Hormus haben den Ölpreis auf rund 90 US-Dollar je Barrel getrieben. Für Tesla ist das ein zweischneidiges Schwert: Kurzfristig belasten steigende Energiekosten die Produktion und die Konsumlaune weltweit. Gleichzeitig steigen die Inflationserwartungen, was die erhoffte Zinswende weiter verzögert. Tech-Werte mit hohen Bewertungen wie Tesla leiden unter diesem Umfeld besonders. Langfristig könnten steigende Benzinpreise allerdings die Elektromobilität attraktiver machen und Teslas Absatz stabilisieren. Doch dieser Effekt dürfte erst mit Verzögerung einsetzen.

Optimus, Energiespeicher und die Frage: Was ist Tesla eigentlich wert?

Während der Autoabsatz schwächelt, gibt es Lichtblicke in anderen Geschäftsbereichen. Das Energiespeichergeschäft erzielte im vierten Quartal 2025 mit 14,2 Gigawattstunden einen neuen Rekord. Dieser Bereich wächst dynamisch und dürfte 2026 durch den Megapack 3 weiter an Bedeutung gewinnen. Daneben treibt Tesla die Entwicklung des humanoiden Roboters Optimus voran: Die erste Generation der Produktionslinien wird derzeit installiert. Ob Optimus jemals ein kommerziell relevantes Produkt wird, ist allerdings völlig offen.

Mit liquiden Mitteln von 44,1 Milliarden US-Dollar ist Tesla finanziell gut aufgestellt. CEO Elon Musk steht trotzdem vor einer strategischen Zerreißprobe: Das Kerngeschäft schrumpft, während die Zukunftsprojekte noch nicht genug beitragen, um das Bewertungsniveau zu rechtfertigen. Was Anleger für die kommenden Quartale im Blick behalten sollten:

  • Cybercab-Produktionsstart im April 2026: Schafft Tesla den angekündigten Serienanlauf oder gibt es erneut Verzögerungen?
  • Absatzwende 2026: Analysten erwarten rund 5 Prozent mehr Auslieferungen durch das neue Model Y und günstigere Einstiegsmodelle. Die Zwei-Millionen-Marke wird erst ab 2027 für realistisch gehalten.
  • FSD-Fortschritt: Die Unfallrate der Robotaxis und die Expansion über Austin hinaus werden zeigen, ob Teslas Vision vom autonomen Fahren mehr als ein Versprechen ist.

Die nächsten Quartale werden zeigen, ob Tesla den Spagat zwischen schrumpfendem Autogeschäft und ambitionierter Zukunftswette meistert. Für Anleger bleibt die Aktie ein spekulatives Investment, dessen Erfolg oder Misserfolg maßgeblich davon abhängt, ob das autonome Fahren tatsächlich den Durchbruch schafft.

Offenlegung wegen möglicher Interessenkonflikte

Keiner der Autoren dieses Beitrages ist in einem der besprochenen Wertpapieren bzw. Basiswerten zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieser Analyse investiert.

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