Kommentar
11:04 Uhr, 15.03.2026

VW und Porsche unter Druck: So heftig ist die Krise der deutschen Autobauer

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Schockzahlen aus Wolfsburg und Stuttgart: Volkswagen meldet einen Gewinneinbruch von mehr als 50 %, Porsche rutscht operativ fast auf Null ab. Selbst die einstigen Margenmaschinen der deutschen Autoindustrie geraten ins Straucheln.

Zölle, China, Elektroauto-Wende: Gleich mehrere strukturelle Veränderungen treffen die Branche gleichzeitig – und setzen die Geschäftsmodelle der Hersteller massiv unter Druck.

Doch auch die vermeintlichen Gewinner wackeln: Tesla verliert Absatz, BYD kämpft mit sinkenden Marktanteilen in China. Stabil wirkt derzeit vor allem Toyota. Was bedeutet das für Anleger?

Die Nachrichten aus der deutschen Automobilindustrie könnten kaum alarmierender sein. Volkswagen musste zuletzt einen massiven Gewinneinbruch verkraften, während Porsche operativ nahezu auf der Stelle tritt. Für eine Branche, die jahrzehntelang als industrielle Stärke Deutschlands galt, sind das bemerkenswerte Entwicklungen.

In der heutigen Goldesel Topstory werfen wir deshalb einen genaueren Blick auf die Lage der globalen Autobauer. Denn hinter den schwächeren Zahlen steckt mehr als nur ein kurzfristiger Zyklus: Geopolitische Spannungen, neue Zölle, der aggressive Wettbewerb aus China und der schwierige Übergang zur Elektromobilität verändern die Spielregeln der gesamten Branche.

Besonders brisant: Selbst die Herausforderer wie Tesla kämpfen mit Problemen. Für Anleger stellt sich damit eine entscheidende Frage: Wer sind die Gewinner und Verlierer der größten Transformation in der Geschichte der Autoindustrie – und welche Aktien könnten langfristig profitieren?

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Die deutschen Autobauer im Börsen-Check

Quelle: statista

Das aktuelle Drama ist allerdings kein plötzliches Gewitter, sondern das Ergebnis einer jahrelangen Erosion. Ein Blick auf die Produktionszahlen in Deutschland verdeutlicht das strukturelle Dilemma: Das Produktions-Hoch lag bereits im Jahr 2017. Schon 2018, lange vor Pandemie, Lieferkettenstopps oder der Energiekrise, begann die heimische Fertigung zu schrumpfen.

Was wir heute in den Bilanzen von VW und Porsche sehen, ist die Quittung für eine Entwicklung, die sich seit fast einem Jahrzehnt abzeichnet. Die Produktion hat sich inzwischen auf einem Niveau stabilisiert, das rund 25 % unter den Bestmarken vergangener Tage liegt. Für Anleger bedeutet das: Die „alte Welt“ der deutschen Volumengaranten ist Geschichte. Doch wie schlagen sich die einzelnen Player in diesem neuen, geschrumpften Marktumfeld und gibt es Hoffnung auf Besserung?

Volkswagen

Volkswagen ist nicht nur Europas größter Automobilkonzern, sondern mit zehn Marken, über 660.000 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von 322 Milliarden Euro auch ein industrielles Schwergewicht, das wie kaum ein anderes Unternehmen für die Stärke des Standorts Deutschland steht. Doch genau dieses Image bröckelt: Das Geschäftsjahr 2025 hat dem Konzern die schlechtesten Ergebnisse seit dem Dieselskandal beschert.

Das operative Ergebnis brach um 53 % auf 8,9 Milliarden Euro ein, die Marge rutschte von 5,9 % auf magere 2,8 %. Hauptbelastungen waren US-Zölle in Höhe von rund 2,9 Milliarden Euro, Sondereffekte bei der Tochter Porsche und anhaltende Schwäche in China. Konzernweit lieferte VW mit 8,98 Millionen Fahrzeugen rund 0,5 % weniger aus als im Vorjahr. Das Management reagiert mit einem drastischen Sparprogramm: Bis 2030 sollen rund 50.000 Stellen in Deutschland abgebaut werden, deutlich mehr als die ursprünglich vereinbarten 35.000. Die jährlichen Einsparungen sollen 15 Milliarden Euro erreichen.

Ein Lichtblick: Der Netto-Cashflow überraschte mit 6,4 Milliarden Euro positiv, obwohl intern fast mit einer schwarzen Null gerechnet worden war. Auch bei Elektrofahrzeugen zeigt sich VW in Europa mit einem Marktanteil von 27 % robuster als erwartet. Für 2026 plant der Konzern seine bislang größte Produktoffensive in China, wo lokale Hersteller wie BYD den Druck massiv erhöht haben. Der Umsatz soll um 0 bis 3 % wachsen, die Marge auf 4,0 bis 5,5 % steigen.

Die Aktie notiert bei rund 90 Euro und hat seit Jahresbeginn rund 14 % verloren. Auf dem aktuellen Niveau wird der Konzern mit einem KGV von etwa 5,5 und einer Dividendenrendite von rund 5 % bewertet. Die gekürzte Dividende von 5,20 Euro je Vorzugsaktie (zuvor 6,30 Euro) signalisiert, dass das Management die Ausschüttung der Ertragslage anpasst, den Aktionären aber weiterhin eine substanzielle Rendite bieten will. Für Value-Investoren mit Geduld bleibt VW ein Kandidat, allerdings hängt vieles davon ab, ob der Turnaround in China gelingt und die Sparmaßnahmen schnell genug greifen.

Chart

Die VW-Aktie wurde zuletzt wieder massiv abverkauft und steuert stark auf die Unterstützungszone zwischen 86 und 88,50 EUR zu. Mit den sehr schwachen Zahlen könnte dieser Bereich jedoch auch brechen. Anschließend könnte noch das April-Tief oder das Corona-Tief bei knapp unter 80 EUR angelaufen werden.

Porsche

Porsche galt bei seinem Börsengang Ende 2022 als die Margenperle des VW-Konzerns: luxuriös, profitabel, begehrenswert. Knapp drei Jahre später hat sich das Bild komplett gedreht. Der Sportwagenbauer meldete für 2025 einen Einbruch des operativen Ergebnisses in der Autosparte um 98 % auf nur noch 90 Millionen Euro. Zum Vergleich: Im Vorjahr waren es noch 5,3 Milliarden.

Der Grund für den drastischen Rückgang liegt vor allem in Sonderbelastungen von rund 3,9 Milliarden Euro. Der Konzern hat seine ursprüngliche EV-Strategie aufgegeben und die damit verbundenen Investitionen in Batterie- und Plattformprojekte abgeschrieben. Allein die strategische Neuausrichtung kostete 2,4 Milliarden Euro, weitere 700 Millionen entfielen auf Batterie-Aktivitäten und nochmals 700 Millionen auf US-Zölle. Auch operativ lief es schwächer: Die Auslieferungen sanken um 10 %, der Umsatz ging um knapp 10 % auf 36,3 Milliarden Euro zurück. Besonders der Taycan enttäuschte mit nur noch 16.339 verkauften Einheiten, ein deutlicher Rückgang gegenüber dem Spitzenwert von über 41.000 im Jahr 2021.

Seit Januar 2026 führt der neue CEO Michael Leiters den Konzern unter dem Motto „Leaner, faster, desirable“. Konkret bedeutet das: weniger Modellvarianten, schlankere Strukturen, Fokus auf margenstarke Segmente. Porsche will sich stärker als Luxusmarke positionieren und prüft eine Erweiterung des Portfolios nach oben. Die Guidance für 2026 sieht eine operative Gruppenmarge von 5,5 bis 7,5 % vor, ein deutlicher Anstieg gegenüber den 1,1 % des Vorjahres, aber noch weit entfernt von den 14 %, die Porsche beim IPO in Aussicht stellte.

Die Aktie notiert aktuell bei rund 37 Euro und hat damit mehr als die Hälfte ihres Börsengang-Preises von 82,50 Euro eingebüßt. Die Marktkapitalisierung liegt bei etwa 35 Milliarden Euro. Das KGV auf Basis der bereinigten Zahlen ist wenig aussagekräftig, da die Sondereffekte das Ergebnis massiv verzerren. Die Dividende wurde auf 0,37 Euro je Aktie zusammengestrichen (Vorjahr: 2,31 Euro). Für Anleger ist Porsche derzeit eine Wette auf den Turnaround: Gelingt dem neuen CEO die Neupositionierung als echter Luxushersteller, bietet die Aktie erhebliches Aufholpotenzial. Scheitert die Strategie, droht weiterer Druck auf Kurs und Marke.

Chart

Vom einstigen IPO-Hype der Porsche-Aktie ist nicht mehr viel übrig. Selbst die Zone zwischen 39,70 und 40,50 EUR wurde zuletzt ohne größere Gegenwehr gebrochen. Charttechnisch gibt es auf dem aktuellen Niveau keinerlei Unterstützung. Bei einem Rebound fungiert die vorherige Unterstützung ab 39,50 EUR als Widerstand.

BMW

Während Volkswagen und Porsche zuletzt mit deutlich schwächeren Ergebnissen für Schlagzeilen sorgten, präsentiert sich BMW aktuell noch vergleichsweise stabil. Die Münchner haben das Geschäftsjahr 2025 mit robusten Kennzahlen abgeschlossen und konnten sowohl Umsatz als auch Ergebnis steigern.

Der Konzernumsatz legte um 8,5 % auf 165,3 Milliarden EUR zu, das Ergebnis vor Steuern stieg um 5,2 % auf 18,1 Milliarden EUR. Besonders dynamisch entwickelte sich erneut das Elektrogeschäft: Die Auslieferungen vollelektrischer Fahrzeuge kletterten um rund 75 % auf etwa 550.000 Einheiten. Trotz leicht rückläufiger Profitabilität blieb die operative Marge im Automobilsegment mit 9,3 % auf einem für die Branche weiterhin sehr soliden Niveau.

Für das laufende Jahr zeigt sich das Management allerdings vorsichtiger. BMW erwartet für 2026 lediglich ein leichtes Wachstum bei den weltweiten Auslieferungen. Gleichzeitig soll sich die EBIT-Marge im Automobilsegment in einer Spanne von 8 % bis 10 % bewegen.

Ein Grund dafür sind die enormen Investitionen in neue Technologien. Mit der kommenden Plattform „Neue Klasse“ arbeitet BMW an einer vollständig neuen Generation von Elektrofahrzeugen, die ab Mitte des Jahrzehnts Effizienz, Reichweite und Digitalisierung deutlich verbessern soll. Gleichzeitig bleibt der Wettbewerb in China eine zentrale Herausforderung. Lokale Hersteller wie BYD oder Nio erhöhen dort den Druck.

Aus Bewertungssicht bleibt BMW dennoch attraktiv: Die Aktie wird derzeit mit einem KGV von rund 7 gehandelt und bietet eine Dividendenrendite von etwa 5,3 %.

Chart

BMW macht aktuell auch charttechnisch noch den besten Eindruck unter allen vorgestellten Aktien. Die Unterstützungszone um 78 EUR hat zuletzt gehalten und bei weiterer relativer Stärke im Vergleich zum Sektor könnte man über 82 EUR mit einem Trade folgen. Bei etwa 83,60 EUR könnte die Aktie aber auf etwas Widerstand stoßen, ehe auch die 200-Tagelinie überwunden werden müsste. Allgemein liegt sehr viel Volumen über dem aktuellen Kursniveau.

Mercedes-Benz

Lange Zeit schien die Strategie von Konzernchef Ola Källenius unantastbar: „Economics of Desire“. Mercedes-Benz sollte weg vom Volumenmodell und hin zur absoluten Luxusmarke transformiert werden. Das Ziel war klar: Weniger Autos verkaufen, dafür pro Fahrzeug deutlich höhere Margen erzielen. Doch das Geschäftsjahr 2025 hat gezeigt, dass selbst der prestigeträchtige Stern nicht immun gegen den deutschen Abwärtstrend ist.

Der Nettogewinn brach um 49 % ein, während der Umsatz um 9 % auf rund 139,2 Milliarden Euro sank. Das Problem: Die Luxus-Strategie verfängt derzeit in China nicht mehr. Wohlhabende Kunden im wichtigsten Einzelmarkt greifen zunehmend zu hochtechnologisierten Modellen einheimischer Konkurrenten wie Nio oder den Top-Modellen von BYD, anstatt den Aufpreis für ein deutsches Statussymbol zu zahlen. Mercedes musste daher mit massiven Rabatten gegensteuern, was die operative Marge im Automobilgeschäft auf rund 6 % drückte, weit entfernt von den einstigen zweistelligen Zielwerten.

Zudem erweist sich die technologische Wette als kostspielig. Die ursprüngliche „Electric Only“-Vision wurde angesichts der weltweit schwächeren Nachfrage nach reinen teuren Stromern aus Deutschland in ein flexibleres „Electric Also“ korrigiert. Das bedeutet: Mercedes muss weiterhin zweigleisig in Verbrenner und modernste Elektroplattformen investieren, was die Fixkosten belastet. Dennoch bleibt die finanzielle Substanz des Konzerns beachtlich. Mercedes nutzt seine Cash-Reserven für massive Aktienrückkäufe, um den Kurs zu stützen.

Für Anleger bleibt die Aktie eine Dividenden-Story. Bei einem aktuellen Kurs von rund 54 Euro und einer erwarteten Dividendenrendite von ca. 7 % ist Mercedes im Branchenvergleich ein attraktiver Zahler. Das KGV von etwa 8 signalisiert jedoch, dass der Markt skeptisch bleibt, ob die Rückkehr zu alten Luxus-Margen in einem von Zöllen und Preiskämpfen geprägten Umfeld zeitnah gelingen kann. Mercedes ist aktuell eine Wette darauf, dass der Stern seinen Glanz in China zurückgewinnt und die Marke ihre Preismacht über das schiere Volumen retten kann.

Chart

Die Aktie von Mercedes ist zuletzt immer wieder am Widerstandsbereich um die 62-EUR-Marke gescheitert und testet aktuell wieder die aufwärtsgerichtete Trendlinie, die seit dem April-Tief 2025 bestand hat. Zuletzt ist auch die 200-Tagelinie nach unten durchbrochen worden und sollte nun auch noch die Trendlinie fallen, drohen weitere Kursverluste ohne klare charttechnische Auffangzonen.

Trading-Szenario: Bei einem Bruch der Trendlinie oder mit einem Break-and-Retest-Szenario short unter der Trendlinie bzw. dem letzten Tief bei 53,50 EUR mit Stop über der 200-Tagelinie bei aktuell rund 55 EUR. Das vorgestellte Szenario könnte auch mit einem K.O.-Zertifikat der DZ-Bank, WKN: DU59FW (2,47er Hebel) umgesetzt werden.

Warum China den Markt aufrollt

Noch vor fünf Jahren galten chinesische Autobauer in Europa als Exoten. Heute verkauft BYD weltweit mehr Elektrofahrzeuge als Tesla, Xiaomi setzt in China auf Anhieb doppelt so viele SUVs ab wie Teslas Model Y, und Geely besitzt mit Volvo und Polestar längst europäische Traditionsmarken. Der Vorsprung basiert auf drei Faktoren: jahrelanger staatlicher Förderung, einem brutalen Heimatmarkt, der die Unternehmen extrem effizient gemacht hat, und einer Innovationsgeschwindigkeit bei Batterietechnologie und Software, mit der europäische Hersteller nicht mithalten können.

Die Herausforderer: Besser dran, aber nicht ohne Probleme

BYD

BYD hat sich 2025 zum weltweit größten Hersteller von Elektrofahrzeugen entwickelt und damit erstmals Tesla überholt. Der chinesische Konzern profitiert weiterhin vom globalen Boom der Elektromobilität und erwartet für 2026 einen Umsatz von rund 198,65 Milliarden USD, was einem Wachstum von etwa 10 % entsprechen würde. An der Börse wird BYD aktuell mit einem KGV von etwa 13 günstig bewertet.

Allerdings mehren sich zuletzt erste Anzeichen einer Abschwächung im Heimatmarkt. In China hat sich das Wachstum im NEV-Segment deutlich verlangsamt. Preiskämpfe zwischen Herstellern, auslaufende staatliche Subventionen und neue Steuern setzen die Margen unter Druck. In den ersten beiden Monaten des Jahres 2026 lagen die Fahrzeugverkäufe von BYD rund 35 % unter dem Vorjahresniveau, während einige Konkurrenten besser ablieferten.

Strategisch reagiert der Konzern darauf mit einer stärkeren Internationalisierung. Immer mehr Fahrzeuge gehen in den Export, Europa, Südostasien und Lateinamerika sollen künftig eine größere Rolle spielen. Gleichzeitig hat BYD einen strukturellen Vorteil: Neben dem Fahrzeuggeschäft zählt das Unternehmen auch zu den größten Herstellern von EV-Batterien und Energiespeicherlösungen weltweit.

Chart

BYD hat von den Hochs des Jahres 2025 deutlich nachgegeben. Die 200-Tagelinie ist bereits seit längerem gefallen, während die 50-Tagelinie aktuell noch unterstützend wirkt.

Tesla

Tesla durchlebt derzeit eine schmerzhafte Identitätskrise: Erstmals in der Unternehmensgeschichte sank der Absatz im Jahr 2025 um rund 9 %, während der Markenwert um etwa 15 Milliarden USD einbrach. Der einstige Pionier verliert vor allem in Europa und China massiv an Boden gegen die technologisch aufschließende Konkurrenz von BYD und Xiaomi. Zudem wird der „Musk-Faktor“ zunehmend zum Bremsklotz: Die politische Polarisierung des CEOs belastet die Markenloyalität in Kernmärkten wie Kalifornien oder Deutschland spürbar.

Dass die Aktie trotz fallender Margen und schwächelnder Auslieferungszahlen bei einem astronomischen KGV von 377 notiert, zeigt deutlich: Tesla wird an der Börse längst nicht mehr als Autohersteller bewertet. Das Unternehmen ist zu einer reinen Wette auf „Physical AI“ mutiert. Anleger kaufen hier kein klassisches Substanz-Unternehmen, sondern eine extrem teure Zukunftsvision. Wer investiert, setzt alles auf den finalen Durchbruch der Robotaxis und die Marktreife des humanoiden Roboters Optimus. Solange diese Fantasie lebt, bleibt der Kurs gestützt, doch das fundamentale Kerngeschäft auf Rädern gleicht derzeit eher einem wackeligen Luftschloss als einem soliden Fundament.

Chart

Tesla kämpft aktuell um die 200-Tagelinie und handelt damit knapp über einer starken Unterstützung, die zwischen 367,50 und 383 USD verläuft. Kurzfristig ist der Trend klar abwärts gerichtet, übergeordnet bricht der Aufwärtstrend aber erst unter 383 USD. Bei einer positiven Reaktion an der 200-Tagelinie oder im Unterstützungsbereich könnte man einen Einstieg in Betracht ziehen.

Toyota

Während die Konkurrenz in Wolfsburg und Stuttgart mit den Volatilitäten der reinen Elektro-Strategie kämpft, erweist sich Toyota als der Fels in der Brandung. Die Japaner wurden jahrelang für ihr zögerliches Verhalten beim E-Auto belächelt – doch heute wirkt ihre „Multi-Pathway“-Strategie wie eine Versicherungspolice gegen den Marktabschwung.

Mit einer operativen Marge von über 11 % im Jahr 2025 deklassiert Toyota die meisten europäischen Massenhersteller. Die Story dahinter: Toyota hat den Hybrid-Trend perfekt antizipiert. Da viele Kunden weltweit aufgrund lückenhafter Infrastruktur vor reinen Stromern zurückschrecken, greifen sie massenhaft zum Hybrid. Das Ergebnis sind Rekordumsätze und -gewinne, die dem Konzern noch mehr finanzielle Stabilität verleihen.

Ein weiterer entscheidender Vorteil ist die geografische Balance: Toyota ist deutlich weniger abhängig vom kriselnden China-Geschäft als die deutschen OEMs. In den USA feiert der Konzern dagegen Absatzrekorde, getrieben durch einen regelrechten Hybrid-Boom. Für Anleger ist Toyota damit die „Sicherheits-Wette“ im Sektor: Langweilig im Design, aber eine hochprofitable Cash-Maschine mit einem fairen KGV von 10.

Chart

Toyota steuert auf eine Unterstützung zwischen 17,80 und 18,20 EUR zu. hier hat die Aktie bereits Ende Januar reagiert, allerdings damals noch unterstützt von der 50-Tagelinie – welche mittlerweile gebrochen wurde. Auch ein weiterer Rücklauf in Richtung der 200-Tagelinie ist ein denkbares Szenario, auch wenn der RSI bereits etwas überverkauft ist. Die aufsteigende Trendlinie seit dem April-Tief 2025 ist bislang noch intakt.

VW Porsche BMW Mercedes BYD Tesla Toyota
Marktkapitalisierung ~44 Mrd. € ~35 Mrd. € ~55 Mrd. € ~57 Mrd. € ~97 Mrd. $* ~1.300 Mrd. $ ~288 Mrd. $
KGV (TTM) ~6 verzerrt** ~7 ~8 ~13 ~377 ~10
Operative Marge (2025) 2,8 % 1,1 % 9,3 % ~6 % ~5 % ~7 % ~11 %
Umsatzwachstum (YoY) -0,8 % -9,5 % +8,5 % -9,2 % ~+13 %*** -6 % ~+6 %
EV-Anteil am Absatz ~27 % (EU) ~15 % ~22 % ~16 % ~50 % (BEV) 100 % ~3 %
Dividendenrendite ~5 % ~1 %**** ~5,3 % ~7 % <1 % 0 % ~3 %
Kurs YTD 2026 ~-14 % ~-15 % ~-7 % ~-10 % ~-12 % ~-8 % ~-5 %
BYD in HKD gehandelt, Marktkapitalisierung umgerechnet | ** Porsche-KGV durch Sonderbelastungen (€3,9 Mrd. Abschreibungen) nicht aussagekräftig | *** BYD 9M 2025, FY-Zahlen erscheinen Ende März | **** Porsche hat die Dividende massiv gekürzt (von 2,31 € auf 0,37 €)

Warum stecken die deutschen Autobauer in der Krise?

Die Branche wird gleichzeitig von mehreren Faktoren getroffen: US-Zölle von 25 % auf importierte Fahrzeuge belasten die Margen, chinesische Hersteller wie BYD unterbieten bei Preis und Technologie, und der Übergang vom Verbrenner zum Elektroantrieb verschlingt Milliarden an Investitionen, ohne dass die neuen Modelle bislang ausreichend Gewinne abwerfen. Dazu kommt eine Nachfrageschwäche in China, dem für viele deutsche OEMs wichtigsten Einzelmarkt.

Ist Volkswagen jetzt ein Kauf?

VW wird mit einem KGV von rund 5,5 und einer Dividendenrendite von etwa 5 % historisch günstig bewertet. Der Cashflow hat sich zuletzt überraschend stabil gezeigt. Allerdings bleibt die Unsicherheit hoch: Der Erfolg des Sparprogramms, die China-Offensive und die Frage, ob die Marge wieder über 5 % klettern kann, sind allesamt offene Punkte. Anleger sollten einen langen Atem mitbringen.

Warum ist Porsche so stark gefallen?

Porsche hat 2025 rund 3,9 Milliarden Euro an Sonderkosten verbucht, um seine ursprüngliche EV-Strategie abzuschreiben. Die Marge in der Autosparte fiel dadurch auf 0,3 %. Gleichzeitig schwächelten die Auslieferungen weltweit, besonders in China. Der neue CEO setzt auf eine Neupositionierung als Luxusmarke, doch Investoren warten noch auf erste Erfolge.

Ist BYD die bessere Alternative zu den deutschen Autobauern?

BYD hat 2025 Tesla als weltgrößter EV-Hersteller abgelöst und wächst in Europa rasant. Allerdings zeigt sich Anfang 2026 eine Schwäche im Heimatmarkt China, wo die Konkurrenz durch Xiaomi, Geely und andere zunimmt. Die Aktie ist mit einem KGV von etwa 13 moderat bewertet, birgt aber politische Risiken durch mögliche EU-Zölle auf chinesische E-Autos und eine hohe Abhängigkeit vom Binnenmarkt.

Fazit

Die deutsche Automobilindustrie steckt in der tiefsten Krise seit Jahren. Volkswagens Gewinnhalbierung, Porsches fast vollständiger Margenverlust und die branchenweiten Stellenstreichungen zeigen, dass es sich nicht um ein vorübergehendes Tief handelt, sondern um eine strukturelle Verschiebung: Die Kombination aus Zöllen, China-Konkurrenz und dem teuren Umstieg auf Elektromobilität trifft die Geschäftsmodelle im Kern. Gleichzeitig kämpfen auch die vermeintlichen Gewinner mit eigenen Problemen. Tesla verliert Absatz und Markenwert, BYD spürt zunehmend den Preiskampf im Heimatmarkt.

  • Substanz-Investoren finden bei BMW (KGV ~7, Marge 9,3 %, Dividende ~5,3 %) derzeit die solideste Kombination aus Bewertung und operativer Stärke unter den deutschen Herstellern.
  • Turnaround-Wetten könnten Volkswagen (KGV ~5,5, Dividende ~5 %) oder Porsche (Kurs 55 % unter IPO-Preis) sein, erfordern aber Geduld und Vertrauen in den Restrukturierungskurs.
  • Wer auf den globalen Wandel setzen will, sollte sich Toyota genauer ansehen: Die Hybrid-Strategie liefert stabile Gewinne, die Bewertung ist mit einem KGV von rund 10 fair, und die Abhängigkeit von China ist deutlich geringer als bei den europäischen OEMs.

Risiken und Ausblick

Anleger sollten allerdings die gesamte Branche mit Vorsicht betrachten. Der Iran-Krieg und die damit verbundenen Ölpreissprünge belasten die Nachfrage zusätzlich, neue Zollrunden sind nicht ausgeschlossen, und der Preiskampf bei Elektrofahrzeugen dürfte sich weiter verschärfen. Auch die Bewertungen signalisieren kein Schnäppchenniveau: Viele Autoaktien sind nicht trotz, sondern wegen der Probleme so günstig bewertet, weil der Markt eine Normalisierung der Gewinne auf das alte Niveau bezweifelt. Wer dennoch investieren will, sollte selektiv vorgehen und sich auf Hersteller konzentrieren, die ihre Kosten im Griff haben, technologisch mithalten und finanziell die Reserven besitzen, um diese Transformation durchzustehen. In einem Markt, der sich so schnell verändert wie nie zuvor, werden nicht alle überleben.

Offenlegung wegen möglicher Interessenkonflikte

Keiner der Autoren dieses Beitrages ist in einem der besprochenen Wertpapieren bzw. Basiswerten zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieser Analyse investiert.

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