Analyse
21:47 Uhr, 06.05.2026

Steuer auf Buchgewinne kommt in den Niederlanden

Ganz harter Tobak! Steigt dein Depot, verlangt der Staat sofort bis zu 36% selbst ohne Verkauf. Das bringt Buy and Hold ins Wanken und schafft ein massives Liquiditätsproblem.

Die Niederlande stehen vor einem tiefgreifenden Umbau ihrer Vermögensbesteuerung und der hat es in sich. Mit dem geplanten Gesetz „Wet werkelijk rendement box 3“ reagiert die Regierung auf ein Urteil des obersten Gerichts, das das bisherige System fiktiver Renditen kassiert hat. Künftig soll nicht mehr geschätzt, sondern die tatsächliche Wertentwicklung besteuert werden. Klingt zunächst fair, trifft Anleger in der Praxis jedoch an einem sensiblen Punkt.

Denn für liquide Anlagen wie Aktien, ETFs oder Kryptowährungen bedeutet das: Nicht nur realisierte Gewinne werden steuerpflichtig, sondern auch Buchgewinne. Steigt ein Depotwert im Laufe eines Jahres, fällt darauf Steuer an und zwar unabhängig davon, ob überhaupt verkauft wurde. Der geplante Steuersatz bewegt sich um die 34 bis 36%. Ein Beispiel: Wer 10.000 € Kursgewinn erzielt, könnte rund 3.600 € Steuer schulden, ohne einen einzigen Euro Liquidität geschaffen zu haben.

Genau hier liegt der systemische Sprengstoff. Anleger geraten in ein klassisches Liquiditätsdilemma. Entweder sie finanzieren die Steuer aus anderem Einkommen oder sie sind gezwungen, Teile ihres Portfolios zu verkaufen, nur um die Steuer auf nicht realisierte Gewinne zu begleichen. Das untergräbt einen der zentralen Mechanismen langfristigen Vermögensaufbaus: Den Zinseszinseffekt. Der bleibt zwar grundsätzlich erhalten, wird aber spürbar abgeschwächt, weil dem Kapital Jahr für Jahr Mittel entzogen werden.

Hinzu kommt ein weiteres Risiko, das in der Praxis schwer wiegt: Die Asymmetrie zwischen Besteuerung und Marktentwicklung. Steigen Kurse stark, greift der Fiskus sofort zu. Fallen sie im Folgejahr, ist das Vermögen geschrumpft, die zuvor gezahlte Steuer bleibt jedoch bestehen. Zwar sollen Verluste verrechenbar sein, doch das Timing-Problem lässt sich damit nicht vollständig lösen. Im Extremfall zahlen Anleger Steuern auf Gewinne, die sich im Nachhinein als temporäre Übertreibung entpuppen.

Nicht alle Anlageklassen sind gleichermaßen betroffen. Für Immobilien und Beteiligungen an nicht börsennotierten Unternehmen ist vorgesehen, die Besteuerung weiterhin an den Verkaufszeitpunkt zu knüpfen. Damit entsteht ein zweigeteiltes System, das liquide Kapitalanlagen klar benachteiligt und potenziell Kapitalströme umlenkt.

Meine Stimme aus dem Off: Ziemlicher Wahnsinn.


Ok, was anderes.

Ich kommentiere in stock3 Select Weygand und Stock3 Ultimate zusätzlich (!) zu dem bekannten klassischen Weygand-Musterdepot ein privates mit 1 Mio. Euro kapitalisiertes Echtgelddepot. Das Echtgelddepot bildet das Gros der Trades im Weygand-Depot nach. Ich trade privat also das, was ich öffentlich bespreche. Außerdem zeige ich auf, dass ich dieses Depot mit unserer Handelsplattform konnektiert habe und über unsere Plattform handele. Wer Lust hat, folgt mir dort und sieht immer sofort, was ich kaufe oder verkaufe. Ich handele vor allem Indizes, liquide Aktien, Rohstoffe, Währungen und Kryptowährungen. Haltedauer: Tage, Wochen, Monate. Gut für Berufstätige nachbildbar.

5 Kommentare

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  • Howi007
    Howi007

    Steuer auf fiktive Gewinne, 🤡👺, allerdings keine Auszahlung bei fiktiven Verlusten. D.h. wer Verluste macht bekommt garnix wenn er die nicht mit Gewinnen verrechnen kann. Verheerend bei einem Bärenmarkt, wo auch mal starke Kursteigerungen nur verübergehend (Buchgewinne) entstehen. Am Ende muss man praktisch das Tafelsilber im Depot verkaufen um die Steuer zu begleichen. Also der Irrsinn kann garnicht gerecht sein! Das ist praktisch Enteignung per Gesetz. Das geht bei einem Geldmarktfonds , aber nicht an der Börse bei Aktien, ETFs, etc pp.

    22:18 Uhr, 06.05.
  • Stocky01
    Stocky01

    Hoffentlich kassiert das selbe Gericht die neu Lösung aufgrund von Schwachsinn. :-)

    22:16 Uhr, 06.05.
  • Schneckenklette
    Schneckenklette

    Ich wette das kommt auch bei uns..... schnelles geld für den fiskus....
    wenn ich niederländer wäre und abhauen könnte, würde ich das tun.

    22:14 Uhr, 06.05.
  • okont
    okont

    War das nicht schon wieder vom Tisch? Hatte der Finanzminister das nicht gecancelt im Februar bzw. eine Überarbeitung zugesagt?

    21:52 Uhr, 06.05.
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