Machtverschiebung an der Wall Street: Family Offices hängen klassische Fonds ab
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Die 20 weltweit größten Family Offices. Ein Family Office ist eine private Gesellschaft, die ausschließlich mit der Verwaltung des Vermögens und den Investments einer extrem wohlhabenden Familie (Ultra High Net Worth Individuals, kurz UHNWIs) betraut ist. Längst sind diese Vehikel keine passiven Verwahrstellen mehr. Viele agieren als hochaggressive, strategische Marktakteure, die in direkter Konkurrenz zu klassischen Private-Equity- und Venture-Capital-Fonds stehen. Sie finanzieren gezielt globale Spitzenforschung, kaufen gewaltige Immobilienimperien und lenken über Startups die technologische Zukunft der Realwirtschaft.
Ein Blick auf die globale Landkarte dieser Megafonds zeigt eine massive Konzentration in den USA und Westeuropa, ergänzt durch strategische Knotenpunkte in Asien und dem Nahen Osten. In den USA wird die Landschaft vor allem von den Tech-Milliardären der ersten und zweiten Digitalisierungswelle beherrscht. Hierzu gehören Bezos Expeditions von Amazon-Gründer Jeff Bezos, die Ballmer Group des ehemaligen Microsoft-CEOs Steve Ballmer sowie Cascade Investment von Bill Gates. Auch Bayshore Global, das das Vermögen von Google-Mitgründer Sergey Brin steuert, und DFO Management von Michael Dell gehören in diese Riege. Ergänzt wird die US-Dominanz durch Emerson Collective, das Vehikel von Steve Jobs' Witwe Laurene Powell Jobs, das stark auf gesellschaftlichen Impact setzt, sowie durch das Soros Family Office des Hedgefonds-Managers George Soros. Dass auch die Old Economy der USA gigantische Summen bewegt, beweisen Walton Enterprises, die das milliardenschwere Erbe der Walmart-Gründerfamilie Walton verwalten, und das im Agrarsektor verwurzelte Waycrosse Family Office der Familien Cargill und MacMillan.
Im Gegensatz zu den oft technologiegetriebenen US-Fonds wurzeln die europäischen Schwergewichte häufig in jahrzehntealten Konsumgüter, Mode- oder Immobilienimperien. In Spanien steuert Pontegadea Inversiones das Vermögen von Amancio Ortega, dem Kopf hinter dem Zara-Mutterkonzern Inditex. In Frankreich agiert Mousse Partners im Hintergrund für die Familie Wertheimer, die Eigentümer des Luxuslabels Chanel. Die Ferrero-Dynastie in Italien lenkt ihre Milliarden über das Fedesa Family Office, während die dänische Familie Kristiansen, Eigentümer von LEGO, ihr Vermögen in der KIRKBI A/S gebündelt hat. Auch traditionelle Sachwerte spielen in Europa eine immense Rolle: The Grosvenor verwaltet das historische, britische Immobilienimperium des Duke of Westminster.
Ergänzt wird das transatlantische System durch hochspezialisierte Nischen- und Regionalgiganten. In Deutschland sticht die Athos KG der Brüder Strüngmann hervor. Die Hexal-Gründer wurden als Großinvestoren beim Mainzer Impfstoffpionier BioNTech weltbekannt und nutzen ihr Family Office für tiefgehende Investments im Healthcare- und Biotech-Sektor. An der Wall Street wiederum operiert Euclidean Capital, das Family Office des 2024 verstorbenen, legendären Mathematikers James Simons, der mit seinem Hedgefonds Renaissance Technologies die Finanzwelt revolutionierte. Ein weiteres mächtiges Vehikel im angelsächsischen Raum ist die Woodbridge Company der kanadischen Familie Thomson, die den Medien- und Datenkonzern Thomson Reuters kontrolliert. Abgerundet wird die globale Elite durch das Hartono Family Office der indonesischen Brüder Budi und Michael Hartono, deren Macht auf der Bank Central Asia und Tabakbünden beruht, sowie durch die Dubai Holding, einem stark staatlich und herrschaftlich geprägten Vehikel der Herrscherfamilie Al Maktoum aus den Vereinigten Arabischen Emiraten.
Dass diese Akteure heute immer öfter das Etikett "nachhaltiger Impact" und "Legacy" vor sich hertragen, hat handfeste Gründe. Neben echten philanthropischen Absichten dient die Betonung von Nachhaltigkeit und gesellschaftlicher Verantwortung bei derartigen Milliardenkonzentrationen auch dem strategischen Reputationsschutz in Zeiten globaler Ungleichheitsdebatten.

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