Analyse
14:45 Uhr, 11.01.2023

SMARTBROKER – Aktie endlich unten angekommen?

Als Anleger oder Investor könnte man durchaus etwas polemisch sein, wenn man das Geschehen rund um den Smartbroker mitverfolgt hat.

Erwähnte Instrumente

  • Smartbroker Holding AG - WKN: A2GS60 - ISIN: DE000A2GS609 - Kurs: 6,120 € (XETRA)

Anleger beschweren sich praktisch seit dem Start über vorsintflutliche Technik und eine fehlende App. Dafür bot der Broker im Gegenzug niedrige Kosten. Für Trader war das eher nichts, und so zog der Smartbroker auch eher eine besser betuchte Klientel im gesetzteren Alter an. Das muss nicht schlecht sein. Doch was dann folgte war eine Blamage. Die Neuentwicklung eines kundenfreundlichen Frontends ist gescheitert, auch bei der App-Entwicklung blieben die Berliner erfolglos. Das, was heute eigentlich selbstverständlich ist, gelang dem Unternehmen, trotz erfahrener Geschäftsführung einfach nicht.

Seit Dezember auf Neustart programmiert

Im Dezember wurde dann alles Bisherige über den Haufen geworfen und dem Broker ein Neustart verordnet. Zusammen mit der Baader Bank startet der Smartbroker eine Kooperation und nimmt diese als neue Partnerbank mit ins Depot. Die Baader Bank ist künftig für die Transaktionsabwicklung zuständig. Depot und Konto werden dort geführt werden.

Die Baader Bank unterstützt den Smartbroker bei der Anbindung des Frontends und der Entwicklung der passenden App. Zudem übernimmt die Bank zahlreiche administrative Aufgaben. Ein Teil der Erlösstrecke gibt der Smartbroker damit an Dritte ab, weshalb Analysten insbesondere weniger Monetarisierungsmöglichkeiten bemängeln. Der Smartbroker verfüge über rund 28 Mio. EUR Barmittel und setzt weitere 5 Mio. EUR für Investitionen frei. Ein großer Vorteil: Der Smartbroker ist sehr solide finanziert und hat ja nebenbei auch noch das Community-Geschäft mit den bekannten Portalen wallstreet:online und Ariva.

Auf diesen Plattformen hat das Unternehmen einerseits zahlreiche Marketingmöglichkeiten und andererseits eine breite Userbasis. Gleichzeitig verdient das Unternehmen durch mehr oder auch weniger seriöse Anzeigen sein Geld. Gegen Geld werden da auch gerne mal kanadische Pennystocks gelobt. Sowas muss man abkönnen und am besten auch mal überlesen. Das Anzeigengeschäft ist sicherlich zyklisch, liefert aber hohe Margen.

Break-even im laufenden Jahr?

Spannend wird es jetzt nach vorne gesehen. Bislang erwarten alle Analysten einen stattlichen Gewinn im laufenden Jahr. So wie die Aktie zuletzt läuft dürfte das aber eher Wunschdenken sein. 2023 muss der Smartbroker noch viel Geld in die Hand nehmen. Zudem sind zahlreiche Kunden sicherlich erzürnt über die schleppende Entwicklung.

Auf die Zahlen im Einzelnen möchte ich an dieser Stelle gar nicht so stark eingehen. Die letzten Zahlen vom Smartbroker waren die Halbjahreszahlen 2022. Da lag der Broker deutlich im Minus und hoffte auf eine Besserung im zweiten Halbjahr.

Viel wichtiger ist der Blick nach vorne. Aktuell wiegt das Papier noch rund 100 Mio. EUR an der Börse. Das stark profitable Mediengeschäft und die Kundenbasis im Brokerage bieten sicherlich mehr Potenzial als diese Summe derzeit anzeigt. Die (bezahlten) Analysten sind natürlich alle positiv gestimmt, doch auch kritischer geworden. Bis Mitte 2023 dürfte die Entwicklung eher stagnieren. Der Smartbroker ist wohl auch nicht allzu scharf darauf, noch viele Neukunden auf die alte Plattform zu holen.

Mit der Baader Bank hat der Smartbroker ein sehr erfahrenes Unternehmen an der Seite, das genau weiß, was es tut. Vorstand André Kolbinger ist zudem ein alter Hase im Geschäft. Den Insideraktivitäten nach steht dieser aktuell auf der Käuferseite. Die Aktie könnte auf dem aktuellen Niveau langsam aber sicher einen Boden finden. Von den noch sehr hohen Analystenschätzungen für das Jahr 2023 würde ich aber gedanklich eher Abstand nehmen.

Fazit: Anleger, die einerseits spekulativ und andererseits mittelfristig unterwegs sind, können auf dem aktuellen Niveau mit einer ersten Tranche zugreifen. Es dürfte aber vermutlich noch eine eher zähere Phase vor dem Unternehmen stehen. Mit besseren News ist Richtung Jahresmitte dann zu rechnen. Zocker könnten die Aktie auch schnell wieder eine Etage höher treiben, wenn sich das allgemeine Marktgeschehen beruhigt.

- aktuelle Konsensschätzungen, die ich für viel zu optimistisch halte -

Jahr 2022e* 2023e* 2024e*
Umsatz in Mio. EUR 55,88 72,00 85,00
Ergebnis je Aktie in EUR 0,17 0,39 0,80
KGV 36 16 8
Dividende je Aktie in EUR 0,00 0,00 0,00
Dividendenrendite 0,00 % 0,00 % 0,00 %

*e = erwartet, Berechnungen basieren bei
US-Unternehmen auf Non-GAAP-Daten

Smartbroker Holding AG
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Über den Experten

Sascha Gebhard
Sascha Gebhard
Redakteur

Sascha Gebhard hat nach einer klassischen Ausbildung zum Bankkaufmann im Laufe der Jahre bei verschiedenen Banken gearbeitet. Er absolvierte neben dem Beruf die Studiengänge zum Diplom-Betriebswirt (VWA) sowie den Finanz- und Investment Ökonom (VWA). Von 2008 bis 2016 war er als Eigenhändler auf eigene Rechnung an den Finanzmärkten aktiv. Weiterhin publizierte er für verschiedene Finanzverlage und schrieb zahlreiche Fachartikel rund um das Thema Börse. Die in den jeweiligen Diensten geführten Realgeld- sowie Musterdepots konnte stets überdurchschnittliche Renditen erwirtschaften. Sein Steckenpferd ist seit jeher der deutsche Aktienmarkt, wo er bestens vernetzt ist, und eine Vielzahl an Unternehmen bereits seit mehr als 15 Jahren aktiv verfolgt. Seit 2022 ist Sascha Gebhard fester Bestandteil des Redaktionsteams von stock3. Im Premium-Service Trademate betreut er das Depot "Deutsche Aktien".

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