Peter Thiel vs ASML: USA greifen Europas Chip-Champion an!
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ASML hat bei modernster EUV-Lithografie praktisch ein Monopol. Taiwan Semiconductor (TSMC) dominiert die Auftragsfertigung der leistungsfähigsten Chips. 2 Unternehmen, ohne die im KI-Zeitalter kaum noch etwas läuft. Und ausgerechnet diese Machtverhältnisse will ein Startup aus San Francisco aufbrechen.
Es heißt Substrate, wurde 2022 von den Brüdern James und Oliver Proud gegründet und hat mehr als 100 Mio. USD eingesammelt, bei einer Bewertung von über 1 Mrd. USD. Zu den Geldgebern gehört Peter Thiels Founders Fund. James Proud wiederum war bereits 2011 einer der ersten Thiel Fellows. Neben Founders Fund sind unter anderem General Catalyst, Valor Equity Partners und In-Q-Tel beteiligt, ein strategischer Investor aus dem Umfeld der amerikanischen Nachrichtendienste. Substrate hat sich einiges vorgenommen. Statt wie ASML mit EUV-Licht bei 13,5 Nanometern zu arbeiten, setzt das Unternehmen auf Röntgenlithografie mit einer teilchenbeschleunigerbasierten Strahlungsquelle. Die kürzere Wellenlänge soll noch feinere Strukturen ermöglichen und vor allem die Zahl aufwendiger Belichtungsschritte reduzieren. Das wäre ein gewaltiger Hebel für die Produktionskosten.
Erste Ergebnisse gibt es tatsächlich. Substrate hat Strukturen mit 12 Nanometern kritischer Breite demonstriert und im April weitere komplexe Metallstrukturen vorgestellt, die nach Unternehmensangaben mit nur einer Belichtung erzeugt wurden. Hinzu kommt eine Zusammenarbeit mit Google DeepMind: Dessen KI-System AlphaEvolve beschleunigt die rechenintensive Optimierung der Lithografieprozesse erheblich.
Substrate will gar nicht nur eine Konkurrenzmaschine zu ASML verkaufen. Das Unternehmen möchte eigene Chipfabriken in den USA errichten und dort mit seiner Technologie fertigen. Damit nimmt es perspektivisch auch TSMC ins Visier. Die erklärte Ambition, modernste Chips deutlich günstiger produzieren. Substrate stellt langfristig Waferkosten von etwa 10.000 USD in Aussicht. Das ist allerdings eine Unternehmensprognose, kein nachgewiesener Produktionspreis.
Ok, ein paar beeindruckende Strukturen unter dem Elektronenmikroskop sind noch lange keine funktionierende Chipfabrik. Kein Thema, Panik muss niemand schieben. Entscheidend sind Durchsatz, Präzision, Fehlerquoten und vor allem der Yield, also wie viele tatsächlich brauchbare Chips am Ende herauskommen. Zu diesen wirtschaftlich entscheidenden Kennzahlen fehlen bislang belastbare öffentliche Daten.
ASML-Chef Christophe Fouquet sieht deshalb auch noch keinen unmittelbaren Konkurrenten. Ein Bild zu erzeugen ist das eine, Milliarden Strukturen zuverlässig, schnell und wirtschaftlich zu fertigen, eine völlig andere Hausnummer. ASML hat dafür Jahrzehnte gebraucht.
Substrate peilt dennoch eine erste Chipproduktion um 2028 an. Ziemlich sportlich, wenn man bedenkt, dass bislang weder eine konkrete Serienfabrik noch namhafte Foundry-Kunden öffentlich bekannt sind. Und die Finanzierung von gut 100 Mio. USD? Für ein Startup beachtlich. Für den Aufbau einer modernen Halbleiterfertigung eher Kleingeld. Hier sprechen wir perspektivisch über viele Milliarden.
Warum ist die Geschichte trotzdem so brisant? Weil es längst nicht mehr nur um eine neue Lithografietechnologie geht. Die USA wollen ihre Abhängigkeit von niederländischer Chipausrüstung und taiwanischer Spitzenfertigung reduzieren. Und offenbar fließt zunehmend Risikokapital in genau jene Technologien, die diese Abhängigkeiten irgendwann durchbrechen könnten.
Substrate ist dabei nicht allein. Das US-Unternehmen xLight entwickelt eine alternative EUV-Lichtquelle und erhielt im Juni eine staatliche Förderzusage über 150 Mio. USD. Auch andere Ansätze, etwa die Atomstrahl-Lithografie von Lace, werden vorangetrieben. Noch ist keiner davon eine ernsthafte industrielle Alternative zu ASML.
Für Anleger ist das eine spannende Konstellation. ASML und TSMC profitieren derzeit massiv vom KI-Investitionsboom und bauen ihre technologische Führung weiter aus. Gleichzeitig entsteht in den USA eine neue Generation von Unternehmen, die genau diese Vormachtstellung langfristig infrage stellen will.
Die eigentliche Pointe. Substrate muss ASML gar nicht verdrängen, um die Branche durcheinanderzubringen. Schon eine Technologie, die einzelne kritische Fertigungsschritte erheblich günstiger macht, könnte die Spielregeln verändern.
Ob Peter Thiels Umfeld hier den nächsten großen Halbleiterdurchbruch finanziert oder ein extrem teures Technologieexperiment, ist völlig offen. Aber die Wette ist bemerkenswert. Ein vergleichsweise kleines Startup will gleich 2 der mächtigsten Unternehmen der globalen Chipindustrie herausfordern.
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