Kommentar

Mein Masterplan für den Sommer

Der Blick auf unsere heimischen Aktienmärkte könnte eigentlich so schön sein. Der DAX erklimmt ständig neue Höchststände, und Anleger frohlocken. Oder doch nicht? Unter der Haube des Marktes sieht es deutlich schlechter aus.

Erwähnte Instrumente

  • MDAX
    ISIN: DE0008467416Kopiert
    Aktueller Kursstand:  
  • MDAX - WKN: 846741 - ISIN: DE0008467416 - Kurs: 26.641,40 Pkt (XETRA)

Der MDAX beispielsweise notiert rund 27 Prozent unter seinem Höchststand und befindet sich damit in einem klaren Bärenmarkt. Auch bei Nebenwerte-Indizes rund um den Globus ist Ähnliches festzustellen.

Das Gummiband dehnt sich solange…

Dieses Ungleichgewicht zwischen den großen Aktien und den kleineren Small- und Midcaps baut sich seit Monaten auf. Und es wird nicht schwächer, sondern fast täglich größer. So gibt es zahlreiche Nebenwerte zu extrem günstigen Bewertungen zu kaufen, so günstig, wie ich sie persönlich schon lange nicht mehr gesehen habe.

Die Flucht in die vermeintliche Sicherheit der Dickschiffe in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ist dabei nichts Ungewöhnliches. Dieses Phänomen gab es auch schon in vergangenen Jahrzehnten zu beobachten. Es endete immer gleich: Am Ende hatten die Nebenwerte wieder die Nase vorne und haben den Markt langfristig gesehen outperformt.

Jetzt ist es aber nicht unbedingt an der Zeit, sofort den Hebel umzulegen und in diese Aktien zu investieren. Traditionell stehen uns in den Sommermonaten einige Wochen bevor, die für Nebenwerte sehr schwierig sein können. Wenig Liquidität steht zur Verfügung. Bis in den August/September hinein rechne ich sogar eher mit einer Saure-Gurken-Zeit, also nicht mit einer Besserung der Lage.

Der Sommer wird heiß für Antizykliker

Das heißt im Umkehrschluss aber auch, dass es wahrscheinlich, zumindest wenn es nach mir geht, im Juli/August/September die besten Kaufchancen geben könnte. Gehen wir davon aus, dass der Zinszyklus sich seinem Höchststand genähert hat und die Konjunktur schwierig bleibt, dann könnte sich bei einer allmählichen Erholung im Jahr 2024 eine große Hausse bei den Nebenwerten abzeichnen.

Im Allgemeinen neigen Nebenwerte dazu, in den frühen Phasen eines Aufschwungs gut abzuschneiden. Dies liegt daran, dass sie in der Regel ein höheres Wachstumspotenzial als Large-Cap-Unternehmen aufweisen und daher stärker von einer Verbesserung der Wirtschaftsbedingungen profitieren können.

In späteren Phasen des Aufschwungs oder in Zeiten der Konjunkturabschwächung können Nebenwerte jedoch schwächer abschneiden. Dies liegt daran, dass sie in der Regel anfälliger für wirtschaftliche Schwierigkeiten sind und es schwerer haben, Zugang zu Kapital zu erhalten.

Aktien nehmen eine Erholung vorweg

Jetzt müssen Anleger wissen, dass Aktienkurse selten das Hier und Jetzt handeln, sondern das versuchen einzupreisen, wie die Welt in 6 bis 18 Monaten aussehen wird. Kaufen wir also Mitte 2023 deutsche Nebenwerte, setzen wir darauf, dass sich die Konjunktur Mitte 2024 erholt zeigt. Ergibt diese Wette Sinn?

Ja, durchaus, denn auch der Zinszyklus könnte bald enden. Gehen die Notenbanken beispielsweise ab Ende des Jahres dazu über, die Zinsen eher wieder abzusenken, wirken diese Zinssenkungen mit einer Verzögerung von rund 6 Monaten positiv auf die Konjunktur. Auch das würde für eine Erholung und einen frühen Aufschwung im Jahr 2024 sprechen. In frühen Aufschwungphasen zählen Nebenwerte dann traditionell zu den Outperformern.

Fazit: Was die Zukunft bringt, wissen wir nicht. Man kann meinen Text hier also durchaus als Kaffeesatzleserei bezeichnen. Doch was Fakt ist: Die Bewertungen der Nebenwerte sind heute schon günstig, und ich kann mir vorstellen, dass sie noch einmal günstiger werden. Das sind die Kaufchancen, auf die mittelfristig orientierte Anleger dann lange gewartet haben. Im Anschluss könnten dann erst einmal ein oder zwei sehr erfreuliche Aktienjahre auf Nebenwerte-Anleger warten. Der DAX würde dieser Entwicklung dann vermutlich deutlich hinterherhinken. Für mich ist damit klar: Schwäche im Sommer bei Nebenwerten kaufe ich!

MDAX
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Passend zum Thema auch: Was sagt die Small Cap Underperformance über den Gesamtmarkt?

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Sascha Gebhard
Sascha Gebhard
Redakteur

Sascha Gebhard hat nach einer klassischen Ausbildung zum Bankkaufmann im Laufe der Jahre bei verschiedenen Banken gearbeitet. Er absolvierte neben dem Beruf die Studiengänge zum Diplom-Betriebswirt (VWA) sowie den Finanz- und Investment Ökonom (VWA). Von 2008 bis 2016 war er als Eigenhändler auf eigene Rechnung an den Finanzmärkten aktiv. Weiterhin publizierte er für verschiedene Finanzverlage und schrieb zahlreiche Fachartikel rund um das Thema Börse. Die in den jeweiligen Diensten geführten Realgeld- sowie Musterdepots konnte stets überdurchschnittliche Renditen erwirtschaften. Sein Steckenpferd ist seit jeher der deutsche Aktienmarkt, wo er bestens vernetzt ist, und eine Vielzahl an Unternehmen bereits seit mehr als 15 Jahren aktiv verfolgt. Seit 2022 ist Sascha Gebhard fester Bestandteil des Redaktionsteams von stock3. Im Premium-Service Trademate betreut er das Depot "Deutsche Aktien".

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