Analyse
22:05 Uhr, 12.10.2026

Mehr Öl, trotzdem Krise: Jetzt wird der Transport zur Kostenfalle

Die neue Ölkrise lauert auf dem Seeweg: Der Transport nach China kostet teils mehr als zehnmal so viel wie zu Jahresbeginn. Raffinerien geraten in die Verlustzone, Produktionskürzungen drohen. Ausgerechnet vor dem Winter könnte damit weniger Diesel auf den Markt kommen. Wird der Tankerboom zur Falle für Verbraucher?

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    Kursstand: 1.395,32 $/t (ARIVA Indikation) - Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung
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Öl wird wieder stärker geliefert, aber sein Transport ist inzwischen so teuer, dass Raffinerien ihre Produktion drosseln könnten. Das ist die zentrale Warnung von JP Morgan. Im Frühjahr fehlten vor allem die verfügbaren Rohölmengen. Jetzt verschärfen knappe Tankerkapazitäten und explodierende Frachtkosten die Lage.

Die Ölströme durch die Straße von Hormus stiegen von 7,5 Millionen Barrel täglich im Juli und August auf 12 Millionen im September, ein Plus von 60%. Doch Umladungen zwischen Schiffen können bis zu 10 Tage beanspruchen, und Umwege zur Vermeidung gefährlicher Gebiete verlängern die Reisen. Dadurch schafft jeder Tanker weniger Transporte. Zusätzlich stehen rund 124 iranische Supertanker, etwa 13% der weltweiten Flotte, dem regulären internationalen Markt wegen Sanktionen weitgehend nicht zur Verfügung.

Die Rechnung für den Transport ist regelrecht explodiert. Vom Nahen Osten nach China kostet er laut JPMorgan rund 35 Dollar je Barrel, gegenüber 3 Dollar Anfang 2026. Von der amerikanischen Golfküste nach China sind es 41 statt 6 Dollar vor dem Krieg. Einschließlich Transport kostet ein Barrel aus dem Nahen Osten chinesische Käufer damit ungefähr 143 Dollar, gegenüber 126 Dollar für brasilianisches und 131 Dollar für amerikanisches Öl. Das sind Beschaffungskosten am Zielort, keine Börsennotierungen für Brent oder WTI.

Bei einfach ausgestatteten Raffinerien in Nordwesteuropa fiel die betrachtete Verarbeitungsmarge von plus 8 auf minus 14 Dollar je Barrel. Die teuren Rohöllieferungen lassen sich also nicht mehr ausreichend über die Verkaufspreise der fertigen Produkte verdienen. Die Investmentbank warnt deshalb vor Produktionskürzungen, ausgerechnet bei bereits knappen Dieselmärkten und vor der winterlichen Nachfragesaison. Diese Margenzahl gilt ausdrücklich nicht pauschal für sämtliche europäischen Raffinerien.

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