Analyse
21:00 Uhr, 18.10.2026

Iran-Krieg trifft Ukraine-Krieg: Sturm am Energiemarkt!

Iran-Krieg und Ukraine-Krieg, die Folgen Diesel und Kerosin werden knapp und teuer. Die Bevölkerung in Frankreich, Italien, Portugal und in Deutschland über den Stimmzettel geht auf die Barrikaden ...

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Der neue Energieschock trifft Europa inzwischen mitten im Alltag. Das Problem ist definitiv nicht nur der hohe Ölpreis! Vor allem Diesel, Kerosin und andere Raffinerieprodukte sind extrem knapp und teuer geworden. Diesel kostete im September zeitweise mehr als 200 Dollar je Barrel und damit nahezu doppelt so viel wie Rohöl. Der wichtigste Auslöser ist der Iran-/Nahostkrieg, den Trump zusammen mit Netanjahu begonnen hat. Wir erinnern uns, Trump versprach keine kostspieligen Kriege zu führen. Die Rohölexporte aus dem Golf haben sich zwar teilweise erholt, die Exporte fertiger Ölprodukte aber viel weniger. Im September lagen sie mit 1,9 Mio. Barrel täglich noch immer weit unter den 4,7 Mio. Barrel vor dem Krieg. Raffinerien und Transportwege bleiben damit der eigentliche Flaschenhals.

Der Ukrainekrieg verschärft genau dieses Problem. Ukrainische Drohnenangriffe haben russische Raffinerien massiv getroffen. Russland besitzt rund 6,5 Mio. Barrel tägliche Raffineriekapazität, doch der Durchsatz fiel zeitweise auf den niedrigsten Stand seit mehr als 20 Jahren; die Dieselproduktion lag fast 30% unter dem Vorjahr. Damit fällt gleichzeitig ein Teil des russischen Dieselangebots aus. Das Ergebnis ist eine globale Produktknappheit: Die weltweiten Diesel- und Gasoil-Exporte lagen im September rund 700.000 Barrel pro Tag unter dem Vorjahr. Die IEA warnt, dass die angespannte Versorgung bis weit ins Jahr 2027 hineinreichen könnte.

Und damit landet der Krieg direkt beim Verbraucher. Teurer Diesel verteuert Lkw-Transporte, Landwirtschaft und Produktion, Kerosin verteuert Flüge und Logistik, höhere Energiepreise treiben die Inflation und drücken die reale Kaufkraft. Gleichzeitig erschwert die Inflation Zinssenkungen, Kredite und Kapital bleiben teuer, während Verbraucher und Unternehmen ohnehin schon belastet sind. Maximales Bullshit-Szenario!

In Frankreich demonstrierten am Wochenende rund 550.000 Menschen nach Regierungsangaben; genannt werden hohe Lebenshaltungskosten, teurer Kraftstoff und die Verschlechterung öffentlicher Leistungen. Auch Portugal und Italien erlebten Proteste, dort spielen zusätzlich Wohnkosten und andere landesspezifische Probleme eine wichtige Rolle.

Der Iran-Krieg ist also der zentrale neue Energieschock, der Ukrainekrieg wirkt als zusätzlicher Verstärker. Die Proteste haben wesentlich mehr Ursachen als Energie allein, aber wenn Diesel, Lebensmittel, Transport und andere Alltagskosten gleichzeitig steigen, während öffentliche Leistungen unter Druck stehen, wird aus einem geopolitischen Konflikt zunehmend ein wirtschaftliches und gesellschaftliches Problem mitten in Europa.

Die Reaktion der Bevölkerung zeigt sich inzwischen auf 2 Ebenen. Auf der Straße und an der Wahlurne. In Frankreich erleben wir die massivsten Proteste mit Hunderttausenden Demonstranten und schweren Ausschreitungen; auch in Italien, Portugal und Belgien gingen Menschen gegen steigende Lebenshaltungskosten, hohe Wohnkosten, niedrige Löhne und den Druck auf öffentliche Leistungen auf die Straße.

Politisch wächst gleichzeitig die Unterstützung für Parteien außerhalb der traditionellen Mitte. Berlin ist ein besonders markantes Beispiel. Die Linke gewann die Wahl vor allem mit dem Thema Wohnen; Linke, Grüne und SPD verhandeln inzwischen über die Vergesellschaftung großer Wohnungskonzerne ab 10.000 Wohnungen ... rund 160.000 Wohnungen wären betroffen. Enteignung, welcome back im Sozialismus, Kommunismus und dem totalen ökonomischen Zusammenbruch. Eine aktuelle Nachwahlumfrage zeigt gleichzeitig, dass 51% der Berliner diese Vergesellschaftung ablehnen und nur 37% dafür sind. Das ist eine Infratest-dimap-Nachwahlumfrage zur Berliner Abgeordnetenhauswahl vom 20. September 2026, durchgeführt für die ARD/rbb. Die konkrete Aussage, zu der die Befragten Stellung nehmen sollten, lautete: Große private Wohnungsunternehmen sollten gegen Entschädigung vom Land Berlin enteignet werden. Das Ergebnis war tatsächlich: 51% dagegen, 37% dafür. Unter den Linke-Wählern waren dagegen 72% dafür; bei Grünen-Wählern 42%, SPD 29%, AfD 23% und CDU 17%.

Frankreich steht vor einer politischen Richtungsentscheidung. Die Präsidentschaftswahl findet am 18. April 2027, eine mögliche Stichwahl am 2. Mai statt. Einen Sieg Marine Le Pens sollte man nicht als sicher darstellen; aktuelle Umfragen zeigen aber eine starke Position des Rassemblement National. Besonders interessant ist das wirtschaftspolitische Paradox. Während viele Menschen gegen Kaufkraftverlust und Sparpolitik protestieren, verspricht Le Pen im Falle eines Wahlsiegs sogar eine wesentlich stärkere Haushaltskonsolidierung .. netto 140 Mrd. EUR Einsparungen bis 2032, um Defizit und Staatsverschuldung zurückzudrängen. Paradox, die Bevölkerung würde mit dem Rassemblement National erheblich mehr Spardruck wählen.

Steigende Lebenshaltungskosten, Wohnungsnot und der Druck auf öffentliche Leistungen erzeugen wachsenden gesellschaftlichen Frust. Dieser entlädt sich einerseits in Protesten und andererseits in politischen Verschiebungen.

Am 3. November finden in den USA die Zwischenwahlen statt. Laut den Wettmärkten dürften die Republikaner die Mehrheit im Repräsentantenhaus haushoch verlieren und sogar auch im Senat. Ab dann wird sich das Blatt allmählich wenden. Der Preis, den die Republikaner und der Teil der Bevölkerung, der Trump gewählt hat, bezahlt, um eigene Punkte durchgesetzt zu bekommen, ist sehr sehr hoch. Es ist komplettes Chaos, das diese US-Regierung verursacht hat.

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3 Kommentare

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  • masi123
    masi123

    Ich glaube nicht, das der Energiepreisschock bzw. der Irankrieg letztlich entscheidend sind. Das zugrunde liegende Problem sind die seit vielen Jahren stark steigenden Lebenshaltungskosten, v. a. gerade auch die Mieten, die einen immer höheren Kostenblock darstellen. Selbst bei Doppelverdienern muss z. T. ein Einkommen allein für die Miete aufgewendet werden, Studenten können sich nicht einmal ein WG-Zimmer leisten, zumindest nicht ohne Zuschuss der Eltern. Und dieses Problem (asset price inflation -> steigende Immobilienpreise -> steigende Mieten) besteht schon lange und europaweit. In Berlin hat dies inzwischen sogar zum Wahlsieg der LINKEN geführt. Der Irankrieg und seine Folgen sind letztlich nur der Tropen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat. Im Übrigen hatte speziell Deutschland auch schon vorher mit die höchsten Energiepreise (Gründe: Energiewende, Besteuerung (z. B. CO2-Bepreisung)).

    08:55 Uhr, 19.10.
    1 Antwort anzeigen
  • Nyma
    Nyma

    Guten Morgen Harry! Vielen Dank für diese tolle Ausführung! Hab einegute Woche.

    Wer Wind sät, wird Sturm ernten. https://www.chbeck.de/lueders-wind-saet/product/36737752

    Seit Jahrzehnten versuchen die USA, ihregeopolitische Vormachtstellung zu sichern und Chinas Einfluss, auch durch dieKontrolle strategischer Energierouten, zu begrenzen. Die Konfrontation mit demIran ist Teil dieses Machtkampfes. Teheran versucht seinerseits, durch dieAusweitung des Konflikts den wirtschaftlichen Druck auf den Westen zu erhöhen –eine riskante, aber aus iranischer Sicht nachvollziehbare Strategie.

    Als gebürtiger Iraner hätte ich mir von Europaeine eigenständige Außenpolitik und eine aktive Friedensmission gewünscht,statt einer weitgehenden Orientierung an den USA und Israel. Deutschland undder Iran verbindet eine lange Geschichte wirtschaftlicher und kulturellerBeziehungen. Deutschland genoss im Iran lange Zeit ein hohes Ansehen.

    Heute droht Europa zunehmend als politischerVasall der USA und Israels wahrgenommen zu werden und zugleich wirtschaftlichenEinfluss zu verlieren, während sich der Iran technologisch immer stärker Chinazuwendet.

    Europa braucht eine unabhängigeFriedenspolitik – für die Stabilität der Region und seine eigenen strategischenInteressen.

    08:47 Uhr, 19.10.

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