Analyse
12:40 Uhr, 05.09.2026

KI-Jobapokalypse bleibt aus!

In dieser Woche gab es gleich 2 Artikel mit interessanten Detailinformationen zu dem Thema. KI hat zu mehr Einstellungen geführt. Allerdings: KI vernichtet durchaus bestimmte Tätigkeiten, vor allem repetitive Büroarbeit.

Zunächst Research von Apollo. KI verändert demnach die Arbeitswelt anders als von vielen befürchtet. Dienstleistungsunternehmen reagieren auf den Einsatz von KI vor allem mit Umschulungen ihrer Mitarbeiter und nicht mit Massenentlassungen. Eine von Apollo veröffentlichte Erhebung unter Unternehmen in den USA (es handelt sich um Auswertungen zum US-Arbeitsmarkt!), die KI einsetzen, zeigt für 2026: 34% qualifizieren bestehende Mitarbeiter für die neue Technologie weiter, während lediglich 4% Personal abbauen. Auf ein Unternehmen, das wegen KI-Stellen streicht, kommen damit mehr als 8 Unternehmen, die ihre Mitarbeiter umschulen.

15% der Unternehmen geben in diesem Jahr an, wegen KI weniger neue Mitarbeiter einzustellen. 2025 waren es noch 12%. Unternehmen müssen also gar keine großen Entlassungswellen starten, um ihren Personalbedarf zu reduzieren. Sie können mit derselben Belegschaft produktiver werden, frei werdende Stellen teilweise nicht mehr besetzen und zusätzliches Wachstum mit weniger neuen Mitarbeitern bewältigen.

Gleichzeitig entsteht durch KI aber auch neue Beschäftigung. Ja, den Trend gibts auch! 13% der Unternehmen stellen mehr Mitarbeiter ein, gegenüber 11% im Jahr 2025 und nur 5% im Jahr 2024. Neue Technologien ersetzen also nicht einfach menschliche Arbeit. Sie verändern Tätigkeiten, schaffen neue Qualifikationsanforderungen und ermöglichen Geschäftsfelder, für die wiederum Menschen benötigt werden.

Auch bei den Entlassungen ist bislang kein klarer Aufwärtstrend erkennbar. 2024 nannten noch 10% der Unternehmen Stellenabbau als Reaktion auf KI, 2025 waren es nur 1% und 2026 sind es 4%. Gleichzeitig stieg der Anteil der Unternehmen, die auf Umschulung setzen, von 24% im Jahr 2024 auf 35% im Jahr 2025 und 34% im Jahr 2026. Bislang lautet die Entwicklung wesentlich häufiger „Mensch plus KI“ als „KI statt Mensch“. US-Arbeitsmarkttrends kommen ebenso wie Produkttrends meist auch bei uns in Europa an.

Neben Apollo gab es einen ausführlichen Artikel im Economist über das Thema:

KI vernichtet durchaus bestimmte Tätigkeiten, vor allem repetitive Büroarbeit. Aber bislang entstehen an anderer Stelle wesentlich mehr Jobs. Die große KI-Jobapokalypse findet bislang nicht statt. Der Economist kommt zu dem überraschenden Ergebnis, dass KI in den USA bisher netto deutlich mehr Arbeitsplätze geschaffen als vernichtet hat. Trotz spektakulärer KI-Entlassungen bei einzelnen Unternehmen bleibt der Arbeitsmarkt robust: Im August entstanden 162.000 neue Jobs, die Arbeitslosenquote liegt bei nur 4,1 %. Selbst junge Arbeitnehmer, häufig als erste KI-Opfer gehandelt, schlagen sich erstaunlich gut.

Natürlich gibt es Verlierer. Microsoft, Meta, Block oder Intuit bauen Stellen ab oder ersetzen Tätigkeiten durch KI. Seit Anfang 2026 wurden durchschnittlich rund 16.000 KI-bedingte Entlassungen pro Monat angekündigt. Seit Mitte 2023 summiert sich das auf ungefähr 200.000 Stellen. Im riesigen amerikanischen Arbeitsmarkt mit rund 1,7 Mio. Entlassungen in einem normalen Monat ist das bislang jedoch überschaubar.

Auf der anderen Seite steht ein wesentlich größerer Beschäftigungsschub. Der Economist schätzt, dass KI bereits rund 1 Mio. neue US-Jobs geschaffen hat. Ein wesentlicher Motor ist der gigantische KI-Infrastrukturboom.

Dafür werden Elektriker, Techniker, Ingenieure, HVAC Spezialisten und zahlreiche weitere Fachkräfte benötigt. In 5 besonders exponierten Branchen zählt der Economist seit 2023 rund 320.000 zusätzliche Jobs oberhalb des normalen Branchentrends. Die Knappheit ist inzwischen so groß, dass Data Center Jobs teilweise rund 40% höhere Löhne bieten als vergleichbare Tätigkeiten anderswo.

Parallel entsteht eine neue Klasse hochqualifizierter KI-Jobs: AI Engineers, Data Annotators, Forward Deployed Engineers, Heads of AI und andere Spezialisten. Rund 1% aller professionellen US-Jobs könnten mittlerweile unmittelbar KI-Jobs sein, bei Computerberufen und Life Sciences sogar 4 bis 5%. LinkedIn zählt allein zwischen 2023 und 2025 rund 640.000 neu entstandene KI-spezifische Stellen. Bei Ingenieuren, Softwareentwicklern, Mathematikern und Data Scientists entstanden seit 2022 rund 730.000 zusätzliche Jobs über den allgemeinen Beschäftigungstrend hinaus.

Besonders spannend ist der dritte Effekt. KI kann Beschäftigung sogar dort erhöhen, wo sie menschliche Arbeit effizienter macht. Anwälte erstellen Verträge schneller, Analysten durchforsten Finanzberichte in Minuten. Dadurch sinken die Kosten dieser Dienstleistungen, die Nachfrage kann steigen und letztlich werden mehr statt weniger Menschen beschäftigt. Tatsächlich stieg die Beschäftigung von Paralegals zwischen 2023 und 2025 um rund 11%, bei Marktforschungsanalysten um 6%, gegenüber lediglich rund 2,5% im US Durchschnitt.

Allerdings zeichnet sich bereits ziemlich klar ab, welche Tätigkeiten tatsächlich unter die Räder kommen: Beschäftigung im Kundenservice ist seit Anfang 2023 um rund 10% gefallen, bei Sekretariatstätigkeiten und administrativen Tätigkeiten um etwa 15%. Genau dort dominieren repetitive Routineaufgaben, die AI Agents zunehmend hervorragend erledigen. Bis 2035 erwartet die US-Arbeitsmarktbehörde deshalb allein bei Büro und administrativen Unterstützungsjobs den Verlust von 752.000 Stellen.


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