Analyse
17:06 Uhr, 24.09.2026

Weniger China auf dem Etikett, fast genauso viel China im Produkt

Trump tobt. Das ist der entscheidende Unterschied zwischen „Made in China“ und „Made with China“. Auf dem Zollformular steht heute häufiger Vietnam, Mexiko oder Taiwan. In der Produktionskette steckt trotzdem weiterhin überraschend viel China.

Die USA haben ihre direkten Importe aus China drastisch reduziert, ihre wirtschaftliche Abhängigkeit von chinesischer Wertschöpfung aber viel weniger. Die Lieferkette hat teilweise lediglich einen Umweg bekommen. Das ist der entscheidende Unterschied zwischen „Made in China“ und „Made with China“. Auf dem Zollformular steht heute häufiger Vietnam, Mexiko oder Taiwan. In der Produktionskette steckt trotzdem weiterhin überraschend viel China.

Seit Beginn des Handelskonflikts sind Chinas direkte Lieferungen in die USA massiv eingebrochen. Chinas Anteil an den gesamten US-Importen fiel laut Peterson Institute von etwa 18% im Jahr 2017 auf rund 11% 2024 und 2025 sogar auf etwa 9%. Auf den ersten Blick sieht das nach erfolgreichem Decoupling aus. ABER: Schaut man nicht auf das Herkunftsland des fertigen Produkts, sondern darauf, wo die darin enthaltene Wertschöpfung tatsächlich entstanden ist, sieht das Bild völlig anders aus. Der chinesische Wertschöpfungsanteil an den gesamten US-Importen lag 2017 bei knapp 18% und 2024 immer noch bei ungefähr 15 bis 16%. Seit 2017 sank dieser Anteil nach Berechnungen des Peterson Institute lediglich um rund 2 Prozentpunkte, während der direkte chinesische Importanteil um etwa 7 Prozentpunkte zurückging.

Was ist passiert? Ein erheblicher Teil der Lieferketten wurde nicht vollständig aus China herausgelöst, sondern umgeleitet. Chinesische Komponenten, Maschinen, Vorprodukte oder Materialien gehen beispielsweise zunächst nach Vietnam, Taiwan oder Mexiko, werden dort weiterverarbeitet und anschließend als vietnamesischer, taiwanischer oder mexikanischer Export in die USA geliefert. Genau diese Länder gewannen seit 2017 besonders stark Marktanteile an den US-Importen.

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