Kampf um das digitale Gold: Wie Londons Finanzplatz seine globale Vorherrschaft verteidigt
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Erwähnte Instrumente
- Gold - WKN: 965515 - ISIN: XC0009655157 - Kurs: 4.353,33 $/oz. (GBE brokers)
Die britische Finanzaufsicht (FCA) verhandelt aktuell mit Großbanken über die Zukunft von tokenisiertem Gold. London soll als Zentrum des globalen Edelmetallhandels dadurch gestärkt werden, der britische Markt muss seine Dominanz durch die Digitalisierung von Handels- und Abwicklungsprozessen verteidigen. Andernfalls werden Handelsplätze wie Shanghai und Hongkong Oberwasser gewinnen.
Veraltete Tresore, Druck aus Asien
London kontrolliert heute vorwiegend durch den Over-the-Counter-Markt (OTC) rund 70 % des weltweiten Handelsvolumens. Dies belegen auch Daten des World Gold Council.
Das System basiert auf dem Transfer physischer 400-Unzen-Barren in den Hochsicherheitstresoren kommerzieller Verwahrer und der Bank of England. Diese Struktur im digitalen Zeitalter als schwerfällig zu bezeichnen dürfte noch untertrieben sein. Derweil hat sich Chinas Shanghai Gold Exchange (SGE) als physischer Handelsplatz etabliert und strebt nach der Position des primären Großhandelszentrums. Londony muss die Abwicklung effizienter gestalten, um institutionelles Kapital in Europa zu halten.
"Atomic Settlement" ersetzt den physischen Transfer
Die Lösung der City of London lautet Tokenisierung.
Bei diesem Verfahren emittieren Akteure digitale Token auf einer Blockchain. Die Token fungieren als verbriefte Eigentumsrechte an physischem Gold. Der Basiswert verbleibt als Sicherheit in den Tresoren des Emittenten.
Die Tokenisierung entkoppelt die Eigentumsübertragung von physischen Restriktionen wie Barrengrößen oder Tresorstandorten. "Atomic Settlement", also die sofortige, zeitgleiche und unwiderrufliche Abwicklung von Transaktionen, überwindet folglich die stark fragmentierte bisherige Abwicklungsinfrastruktur.
Regulierungsrahmen als Flaschenhals
Hier setzt das geplante Regelwerk der FCA und der Bank of England (Prudential Regulation Authority) an. Die britische Aufsicht reguliert den Handel mit physischem Gold nicht direkt, kontrolliert jedoch goldbasierte Derivate und börsengehandelte Produkte. Der Vorstoß in tokenisierte Assets erzwingt eine Neuausrichtung, die Behörden loten derzeit aus, wie Finanzakteure tokenisiertes Gold künftig als zulässige Sicherheit im Wholesale-Markt einsetzen können.
Diese regulatorische Klarheit ist die entscheidende Hürde für institutionelle Marktteilnehmer. Sie benötigen zwingend Rechtssicherheit, bevor sie DLT-basierte Infrastrukturen (Distributed Ledger Technology) auf breiter Basis adaptieren.
Die makroökonomische Tragweite dieser Digitalisierungsoffensive ist höher, als man zunächst vermuten würde. Chris Woolard, der Beauftragte des britischen Finanzministeriums für digitale Großhandelsmärkte, beziffert den potenziellen wirtschaftlichen Schub durch die übergreifende Digitalisierung der britischen Finanzmärkte auf rund 33 Mrd. GBP.
Ein liquiderer, tokenisierter Goldmarkt erhöht die Kapitaleffizienz von Banken erheblich. Wenn die Finanzinstitute Sicherheiten in Echtzeit verschieben können, sinken die Vorhaltekosten für Liquidität.
Risiken der Echtzeitabwicklung
Die Integration von Blockchain-Infrastrukturen in traditionelle Clearing-Mechanismen bringt allerdings neue systemische Risiken mit sich. Technologische Schwachstellen in Smart Contracts oder mangelnde Interoperabilität zwischen verschiedenen privaten Blockchains bergen die Gefahr, im Krisenfall die Liquidität einzufrieren. Ein Zugewinn an Abwicklungsgeschwindigkeit beschleunigt zudem die Ausbreitung von Risiken. In einem "T+0"-Umfeld, also der Echtzeitabwicklung, übertragen sich systemische Schocks ungebremst auf das gesamte Finanzsystem.
Gold ist durchaus volatil und nicht so stabil, wie sein Mythos glauben lässt. Die Preisschwankungen des Edelmetalls sind ein gutes Argument für eine friktionslose Besicherung. Wenn Marktteilnehmer bei abrupten Preisstürzen Nachschusspflichten (Margin Calls) bedienen müssen, ist die reibungslose Sicherheiten-Übertragung stabilitätsfördernd.
London und Shanghai im direkten Vergleich
| Kriterium | London (LBMA, OTC) | Shanghai (SGE) und Hongkong |
|---|---|---|
| Marktanteil und Fokus | Etwa 70 % des globalen Volumens, historisches Zentrum für institutionelles Wholesale-Geschäft | Wachsender physischer Hub, Fokus auf asiatische Binnennachfrage und globale Preisbildung |
| Abwicklung und Struktur | Globaler Referenzpreis, Handel basiert auf physischen 400-Unzen-Barren in etablierten Tresoren | Eigener lokaler Benchmark, zunehmende Emanzipation von westlichen Preismechanismen |
| Digitalisierungsgrad | FCA und PRA erarbeiten aktuell ein Regelwerk für tokenisierte Sicherheiten | Vorreiter-Status im Retail-Segment durch proaktive Krypto-Regulierung |

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Mein Vertrauen in britische Institutionen = 0
Ich würde dort kein Gold mehr lagern, sondern nur noch an Börsen die physisch handeln (Shanghai, Hongkong, Singapur), alles andere ist inakzeptabel. Und vor allem möchte ich nicht so blöd dreinschauen wie Venezuela mit seinem Gold in London das tut.