Kommentar
09:02 Uhr, 25.02.2026

Japan: Ex-Notenbankchef fordert Zinserhöhungen und warnt vor expansiver Fiskalpolitik

Der Architekt der "Abenomics" Haruhiko Kuroda plädiert angesichts eines robusten Wirtschaftswachstums für eine restriktivere Geld- und Fiskalpolitik in Japan.

Der Leitzins liegt aktuell bei 0,75 % und erreicht in den kommenden Jahren voraussichtlich ein neutrales Niveau von 1,5 % bis 1,75 %. Im Jahr 2024 beendete die Notenbank ihre jahrelange Nullzinspolitik nach einem nachhaltigen Übertreffen des Inflationsziels von 2 %. Mehrere Zinsanhebungen folgten, zuletzt im Dezember des vergangenen Jahres.

Abkehr von den Abenomics

Haruhiko Kuroda rechnet für die Jahre 2026 und 2027 mit jeweils zwei Leitzinsanhebungen pro Jahr. Der ehemalige Notenbankchef beendet damit rhetorisch die Ära der ultralockeren Geldpolitik, die er ab 2013 maßgeblich prägte.

Die damalige Deflation und der starke Yen erforderten drastische Maßnahmen, während die heutige ökonomische Realität von Inflation und einer schwachen Währung dominiert wird. "Die BOJ muss die Zinssätze schrittweise auf ein Niveau anheben, das für die Wirtschaft als neutral gilt. Auch die Fiskalpolitik muss gestrafft werden", sagt Kuroda. Er bewertet das derzeitige Yen-Niveau als zu niedrig für die konjunkturelle Stärke Japans. Währungsinterventionen ordnet er lediglich als temporäres Instrument ein, das keinen nachhaltigen Effekt garantiert.

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Politischer Gegenwind

Die aktuellen Äußerungen Kurodas stehen im direkten Kontrast zur Fiskalpolitik der japanischen Premierministerin Sanae Takaichi. Nach ihrem Wahlsieg im Februar 2026 forciert Takaichi eine Ausweitung der Staatsausgaben und plant eine zweijährige Aussetzung der Lebensmittelsteuer in Höhe von 8 %.

Diese Maßnahmen sollen die privaten Haushalte entlasten. Kuroda dagegen sieht in dieser Strategie eine Fehlkalkulation, die den Inflationsdruck anheizt und die Anleiherenditen treibt. Subventionen zur Dämpfung der Lebenshaltungskosten wirken laut Kuroda kontraproduktiv. Ein internationaler Vergleich der fiskalischen Impulse in den G7-Staaten verdeutlicht die Brisanz solcher Regierungsprogramme in einem ohnehin inflationären Marktumfeld. Der schwelende Konflikt zwischen der Regierungsebene und dem aktuellen Notenbankgouverneur Kazuo Ueda über das Timing der Zinsschritte belastet den Yen zusätzlich.

Rückkehr zur geldpolitischen Normalität

Der Übergang zu einer normalen Geldpolitik erfordert Fingerspitzengefühl, Märkte reagieren leicht nervös. Die Notenbank bereitet die Märkte auf Zinsanhebungen vor, ohne wirtschaftliche Verwerfungen zu provozieren. Kuroda lobt die zurückhaltende Kommunikation Uedas, die einen bewussten Kontrast zu seiner eigenen Schocktherapie-Rhetorik der Vergangenheit bildet. "Wenn sie die Zinsen schrittweise in Richtung Neutralität anhebt, muss die BOJ nicht so viel reden", erklärt Kuroda. Eine unaufgeregte Vorgehensweise stützt die Normalisierung der Märkte. "Es ist sinnvoller, sich zurückzuhalten. Die Kommunikation von Gouverneur Ueda erscheint mir angemessen."

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