Deshalb performen chinesische Aktien so schlecht
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Chinas Wirtschaft und Chinas Aktienmarkt sind 2 völlig unterschiedliche Geschichten. Die chinesische Wirtschaft ist seit Jahrzehnten gewachsen, aber ein großer Teil dieses Wachstums landete nicht automatisch bei den Aktionären. Viele Unternehmen werden vom Staat beeinflusst, politische Ziele haben oft Vorrang vor der Gewinngenerierung, und Investoren wissen nie genau, wann neue Regulierungen ganze Geschäftsmodelle verändern könnten. Das spektakulärste Beispiel war die harte Regulierung von Internetkonzernen wie Alibaba Group, Tencent oder Baidu, die innerhalb kurzer Zeit Hunderte Milliarden Dollar Börsenwert verloren.
Viele chinesische Unternehmen sind zwar groß, verdienen aber gemessen an ihrer Größe oft weniger Geld als vergleichbare US-Konzerne. In den USA dominieren Unternehmen wie NVIDIA, Microsoft oder Apple ganze Weltmärkte und erzielen enorme Margen. In China herrscht dagegen häufig ein brutaler Wettbewerb. Unternehmen kämpfen um Marktanteile, senken Preise und opfern Gewinne. Das sieht man aktuell besonders im Elektroautomarkt rund um BYD und zahlreiche kleinere Konkurrenten.
Ein weiterer Bremsklotz ist der Immobiliensektor. Jahrzehntelang war Immobilienbesitz die wichtigste Geldanlage der chinesischen Mittelschicht. Als die Immobilienkrise begann und Konzerne wie China Evergrande Group kollabierten, wurde viel Vermögen vernichtet. Das belastet Konsum, Investitionen und die Stimmung der Anleger bis heute. Viele internationale Investoren sehen China deshalb nicht mehr als dynamische Wachstumsstory, sondern als Markt mit strukturellen Problemen.
Dazu kommt die geopolitische Unsicherheit. Handelskonflikte mit den United States, Technologiebeschränkungen, Diskussionen um Taiwan und Sanktionen sorgen dafür, dass viele große Fonds ihre Chinaquoten reduziert haben. Selbst wenn die Unternehmen operativ gut laufen, fließt weniger internationales Kapital in den Markt. Ein Aktienmarkt ohne starke Kapitalzuflüsse hat es schwer, dauerhaft steigende Kurse zu produzieren.
Außerdem besitzen ausländische Anleger viele chinesische Aktien gar nicht direkt. Bei zahlreichen Techwerten kaufen sie sogenannte VIE Konstruktionen über die Cayman Islands. Juristisch besitzen sie damit oft nicht direkt das operative Unternehmen in China. Dieses zusätzliche Risiko drückt die Bewertungen seit Jahren.
Der vielleicht wichtigste Punkt ist jedoch das Vertrauen. Anleger bezahlen hohe Bewertungen nicht für aktuelle Gewinne, sondern für die Erwartung zukünftiger Gewinne. Die USA genießen hier einen enormen Vertrauensvorschuss. Bei China fragen sich viele Investoren: Sind die Zahlen korrekt? Bleibt die Regulierung berechenbar? Werden Minderheitsaktionäre fair behandelt? Solange diese Fragen nicht überzeugend beantwortet werden, bleiben die Bewertungen niedrig.
Deshalb sieht man heute 2 Chinas: Die reale Wirtschaft ist gemessen an Industrieproduktion, Exporten und Technologieentwicklung eine Supermacht. Der Aktienmarkt dagegen leidet unter politischen Risiken, Immobilienproblemen, schwachem Anlegervertrauen, geringer Kapitalzufuhr und oft mäßiger Aktionärsfreundlichkeit. Genau deshalb konnten viele chinesische Aktien trotz beeindruckender Wirtschaftsentwicklung über Jahre kaum Kursgewinne erzielen, während US-Aktien gleichzeitig neue Rekordstände erreichten. Es gibt Ausnahmen wie Tencent, NetEase oder zeitweise Lenovo, aber der breite chinesische Markt kämpft bis heute mit diesem Vertrauensabschlag.
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