Kommentar
13:00 Uhr, 15.06.2026

"Ich muss die Inflation töten, wenn sie erwacht"

Der Ölpreis bricht nach Verkündung eines Friedens-Deals mit dem Iran ein. EZB-Chefin Christine Lagarde warnt aber heute in einem Interview davor, dass die Inflation auf die gesamte Wirtschaft übergreift.

Die Begründung für den jüngsten Zinsschritt der EZB stützt sich auf einen Mechanismus, der prinzipiell nachvollziehbar ist, für den es aber bislang wenig Belege gibt. Lagarde sagte am Montag in einem französischen Radio-Interview, indirekte Inflationseffekte zeigten sich "seit Wochen mehr oder weniger überall". Sobald Zweitrundeneffekte einsetzten, allen voran höhere Löhne, müsse die Notenbank reagieren. Das wichtigste Frühwarnsignal sei die Kerninflation. Der Lohnindikator der EZB wies für das erste Quartal 2026 ein Wachstum der Tariflöhne von 2,46 % gegenüber dem Vorjahr aus, nach 2,95 % im Vorquartal. Die Löhne ziehen also noch nicht an, aber der Krieg ist auch erst 3 1/2 Monate alt. Von einer Lohn-Preis-Spirale ist in den jüngsten Zahlen daher noch nichts zu sehen. Aber die EZB fürchte genau das.

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