Inflationssorgen und schwächelnde Dienstleister in den USA
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Auch die Ölpreise mussten herbe Kurseinbußen hinnehmen. Die US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) ist zum Beispiel ab Mitte Januar um fast 15 % eingebrochen, nachdem es zuvor um fast 20 % aufwärts gegangen war. Allein seit Freitag ging es um fast 6 % abwärts.
Zeitgleich hat die Rendite der vom Markt vielbeachteten 10-jährigen US-Staatsanleihen deutlich nachgegeben. Auch hier wurde Mitte Januar ein Hoch markiert, welches sich als Fehlausbruch aus dem Abwärtstrendkanal entpuppt hatte (ich berichtete – siehe „Überschießende Kursbewegungen am Anleihemarkt“). Mitte Februar prallte die Rendite an der oberen Linie des Abwärtstrendkanals ab (siehe roter Pfeil im folgenden Chart) und vor allem in den vergangenen Tagen ist sie deutlich gesunken
Die Parallelen zum Kursverlauf des Ölpreises sind unverkennbar. Aber was hat für die Schwäche gesorgt? Und warum haben sich die Zinssenkungserwartungen der Anleger erhöht? Vor genau zwei Wochen gingen sie noch mehrheitlich davon aus, dass die US-Notenbank im Juni keine Zinssenkung vornehmen würde – die Wahrscheinlichkeit für einen unveränderten Leitzins lag bei 68,7 %. Seitdem hat sich die Stimmung deutlich verändert. Aktuell liegt die Wahrscheinlichkeit für eine Beibehaltung des Zinsniveaus bei nur noch 35,1 %. Eine Erhöhung wird mit 52,6 % erwartet.
Stark sinkende Ölpreise, zunehmende Zinssenkungsfantasien – das riecht nach Konjunktursorgen. Und genau diese wurden durch jüngste US-Konjunkturdaten geschürt.
Konjunkturdaten schüren Inflations- und Konjunktursorgen
Am Dienstag hat das Conference Board seine aktuellen Umfrageergebnisse zum Verbrauchervertrauen veröffentlicht. Und dieses hat sich demnach so stark verschlechtert wie seit August 2021 bzw. 3,5 Jahren nicht mehr. Mit 98,3 Punkten (nach 105,3 im Januar) fiel es im Februar auf den tiefsten Wert seit April vergangenen Jahres.
Dies wäre für sich genommen noch keine Erwähnung wert. Zumal es schon der dritte Rückgang in Folge ist. Allerdings fiel der Erwartungsindex um 9,3 auf 72,9 Punkte. Und er lag damit zum ersten Mal seit Juni 2024 unter der Schwelle von 80, was laut dem Conference Board eine bevorstehende Rezession signalisiert. Hinzu kommt, dass die durchschnittlichen 12-Monats-Inflationserwartungen von 5,2 auf 6 % stiegen.
Passend dazu hatten bereits am Freitag die Umfrageergebnisse der Uni Michigan zum Verbrauchervertrauen deutlich steigende Inflationserwartungen angezeigt. Von 3,3 % im Januar legten sie auf 4,3 % im Februar massiv zu – das höchste Niveau seit Dezember 2023. Trumps Zölle lassen grüßen.
Nun dürften steigende Inflationserwartungen der Verbraucher eigentlich nicht zu steigenden Zinssenkungserwartungen der Anleger führen – im Gegenteil. Doch auch laut der Uni Michigan brach das Verbrauchervertrauen ein – um 6,4 auf 64,7 Punkte und damit das niedrigste Niveau seit November 2023.
Und am selben Tag zeigten auch noch die Einkaufsmanagerdaten von S&P Global einen Schwächeanfall im Service-Sektor der USA. Der entsprechende Index gab von 52,9 Punkten im Januar auf 49,7 im Februar nach und rutschte damit unter die Schwelle von 50 Zählern, ab der zukünftiges Wachstum signalisiert wird.
Das war der zweite deutliche Rückgang in Folge. Und er führte nun auf das niedrigste Niveau seit Dezember 2022. Und weil der Dienstleistungsbereich rund 70 % des US-BIP ausmacht, waren diese Warnsignale zusammengenommen ein Stimmungskiller. Wie oben bereits geschrieben, verlor der Ölpreis seit Freitag mehr als 6 %. Und wie in der gestrigen Börse-Intern-Ausgabe zu sehen war, verlor der Nasdaq 100 im selben Zeitraum mehr als 5 % (siehe „Nasdaq 100: Statt Trendfortsetzung Topbildung?“).
Gehen Trumps Zölle nach hinten los?
Vor diesem Hintergrund muss man nun sehr genau beobachten, wie stark sich die Kurse von diesem Rücksetzer erholen können. Und es gilt in der nächsten Zeit festzustellen, ob die jüngsten Konjunkturdaten eine Überreaktion auf Trumps Zolldrohungen waren oder sich die eingetrübte Konsumlaune in eine Kaufzurückhaltung und somit eine Schwäche der US-Wirtschaft verwandelt. Möglich ist, dass die Verbraucher die steigenden Preise nicht länger hinnehmen und in einen Käuferstreik treten. Das wäre ein Sargnagel für die US-Wirtschaft – und somit den Aufwärtstrend des Aktienmarktes.
Ich will eigentlich nicht schon das Wort Stagflation in den Mund nehmen. Aber wenn die Preise in den USA steigen und dies zu einer wirtschaftlichen Schwäche führt, dann haben wir den Salat. Zumal die US-Notenbank dann in einer Zwickmühle wäre. Sie müsste die Zinsen senken, um der Wirtschaft zu helfen, würde damit aber die Inflation zusätzlich anheizen.
Dow Jones verteidigt das 50%-Fibonacci-Retracement
Noch scheint diese Gefahr aber die Anleger nicht nachhaltig zu beunruhigen. Denn die "buy the dip"-Laune ist offenbar nicht verflogen. Der Dow Jones hält sich dadurch noch ganz gut. Er hat jüngst seinen 8,1-prozentigen Kursanstieg um ca. 50 % korrigiert. Dieses Fibonacci-Retracement wurde viermal angelaufen und sogar knapp unterschritten, es hat aber letztlich als Unterstützung gehalten (siehe grüne Ellipse im folgenden Chart), weil es immer wieder zu Kurserholungen kam.
Seitdem konnte der Index die Tiefs vom 27. Januar und 3. Februar bei 43.767 Punkten zurückerobern. Diese fungierten nach dem Unterschreiten kurzzeitig idealtypisch als horizontaler Widerstand. Doch der Index schaffte den Sprung darüber, so dass nach dem scharfen Rücksetzer aktuell erst einmal Entwarnung angesagt ist. Fallen die Kurse aber zum 50er-Retracement zurück, muss man mit einem Bruch und somit weiter fallenden Kursen rechnen.
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