Analyse
10:15 Uhr, 25.06.2026

H&M bessert die Nahtstellen aus, aber die Zahlen überzeugen noch nicht

Der Befreiungsschlag bleibt aus! Das wäre die Kurzform der heute präsentierten Zahlen. H&M zeigt zwar, dass der Konzern seine Kosten besser im Griff hat und die Lagerbestände deutlich disziplinierter steuert als in früheren Jahren.

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Doch ausgerechnet dort, wo ein echter Turnaround sichtbar werden müsste, bleibt der Fortschritt überschaubar: beim Wachstum. Die jüngsten Quartalszahlen des schwedischen Modekonzerns nähren deshalb erneut Zweifel daran, ob Vorstandschef Daniel Ervér den Wettbewerbsdruck von Zara, Shein und Primark schnell genug beantworten kann.

Im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2026 erzielte H&M einen operativen Gewinn von 5,91 Mrd. SEK. Damit verfehlte der Konzern die durchschnittliche Analystenerwartung von 6,3 Mrd. SEK. Der Umsatz sank um 3,33 % auf 54,83 Mrd. SEK. In lokalen Währungen lagen die Erlöse nach Unternehmensangaben weitgehend auf Vorjahresniveau, blieben damit aber hinter den Erwartungen zurück. Analysten hatten im Schnitt mit stabilem Wachstum gerechnet.

Unter dem Strich blieb der Gewinn nach Steuern mit 3,96 Mrd. SEK nahezu unverändert. Das Ergebnis je Aktie lag bei 2,49 SEK. Die operative Marge verbesserte sich leicht um 0,4 Prozentpunkte auf 10,8 %. Bereinigt um einmalige Kosten für organisatorische Veränderungen in Höhe von 679 Mio. SEK stieg der operative Gewinn um 11 % auf 6,59 Mrd. SEK. Die bereinigte Marge erreichte 12 %, nach 10,4 % im Vorjahresquartal.

Operative Disziplin ersetzt noch kein Wachstum

Die Zahlen zeigen damit ein ambivalentes Bild. H&M verdient wieder besser, verkauft aber nicht überzeugend mehr. Genau darin liegt das Kernproblem des Konzerns. Die Profitabilität profitiert von strikterem Kostenmanagement, weniger Preisnachlässen und einer kontrollierteren Warensteuerung. Doch ein Modehändler kann seine Bewertung langfristig kaum allein über Margenverbesserungen rechtfertigen, wenn die Nachfrage nicht sichtbar anzieht.


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Der operative Cashflow legte um 24 % auf 10,59 Mrd. SEK zu. Besonders deutlich ist der Fortschritt bei den Lagerbeständen: Der Warenbestand sank im Jahresvergleich um 10 % auf 34,94 Mrd. Niedrigere Bestände verringern das Risiko, Ware später mit hohen Rabatten abverkaufen zu müssen. In einer Branche, in der Modezyklen immer kürzer werden und Fehlplanungen schnell teuer werden, ist das ein wichtiger Schritt.

Jefferies-Analyst James Grzinic werten die Bestandskontrolle entsprechend positiv. Sie sehen darin einen Beleg dafür, dass H&M mit operativer Disziplin fehlendes Umsatzwachstum teilweise ausgleichen kann. Auch Robyn Duffy von RSM UK beschreibt die Ergebnisse als zweigeteilt: schwache Nachfrage auf der einen Seite, bessere operative Umsetzung auf der anderen.

Ervérs Turnaround steht unter Bewährungsdruck

Seit seinem Amtsantritt im Jahr 2024 versucht Daniel Ervér, H&M wieder stärker auf Wachstum auszurichten. Die Produktpalette soll attraktiver werden, die Preisarchitektur schärfer, die Lieferzeiten kürzer. H&M muss schneller erkennen, was Kundinnen und Kunden kaufen wollen, und zugleich vermeiden, zu viel Ware am Bedarf vorbei in die Filialen und Onlineshops zu bringen.

Die Margenentwicklung spricht dafür, dass Teile dieses Programms greifen. Doch der Umsatz zeigt bislang kaum Dynamik. Für Juni erwartet H&M in lokalen Währungen lediglich Verkäufe auf Vorjahresniveau. Ervér verwies zudem darauf, dass eine strengere Bestandssteuerung in einzelnen Fällen auch die Nachfrage belastet habe. Das ist plausibel, aber heikel: Wer weniger Ware vorhält, reduziert zwar Abschreibungsrisiken, kann aber zugleich Umsatzchancen verpassen.

Inditex mit der Kernmarke Zara gilt weiterhin als Maßstab für schnelle Kollektionen und eine reaktionsfähige Lieferkette. Shein setzt H&M mit extrem niedrigen Preisen und ultrakurzen Produktzyklen unter Druck. Primark bleibt im stationären Niedrigpreissegment ein aggressiver Wettbewerber. Hinzu kommt ein verändertes Konsumverhalten: Viele Verbraucher kaufen vorsichtiger, preissensibler oder weichen auf Secondhand-Plattformen aus.

Die Börse wartet auf den Umsatzbeweis

Fazit: Für Investoren reichen bessere Lagerkennzahlen und eine stabilere Marge deshalb nur bedingt. Die H&M-Aktie steht nach den Zahlen wieder einmal unter Druck. Mit einem 19er-KGV ist das Ganze auch nicht wirklich billig. Daher abwarten. Die hohe Dividende bleibt der einzige Pluspunkt aktuell.

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Jahr 2025 2026e* 2027e*
Umsatz in Mrd. USD 25,93 23,09 23,72
Ergebnis je Aktie in USD 0,86 0,83 0,88
KGV 19 19 18
Dividende je Aktie in USD 0,81 0,77 0,81
Dividendenrendite 5,06% 4,81% 5,06%

*e = erwartet, Berechnungen basieren bei
US-Unternehmen auf Non-GAAP-Daten

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