SHEIN - Peking macht den Weg frei für Börsengang in Hongkong
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Nach Angaben von Insidern könnte die Notierung bereits im dritten Quartal erfolgen, angestrebt wird eine Bewertung von mehr als 40 Mrd. USD. Zum Vergleich: Auf dem Höhepunkt des Onlineshopping-Booms wurde Shein 2022 mit bis zu 100 Mrd. USD bewertet, eine Finanzierungsrunde im Mai 2023 ergab noch 66 Mrd. USD.
Laut CSRC-Mitteilung will Shein 341,6 Mio. H-Aktien ausgeben. Die Behörde setzt dafür eine Frist von zwölf Monaten, innerhalb derer der gesamte Emissions- und Notierungsprozess abgeschlossen sein muss. Mit der Genehmigung kann das Unternehmen nun Investoren-Roadshows organisieren und sich auf die Anhörung vor dem Zulassungsausschuss der Hongkonger Börse vorbereiten, die für alle IPO-Kandidaten vorgeschrieben ist.
Odyssee über drei Kontinente
Shein wollte ursprünglich in den USA an die Börse. Der Plan scheiterte 2024 am Widerstand amerikanischer Politiker und Aufsichtsbehörden, die die Lieferketten- und Arbeitspraktiken des Konzerns in China ins Visier nahmen. Der Ausweichplan London kam ebenfalls nicht zustande. Zwar genehmigte die britische Finanzaufsicht FCA einen Prospektentwurf, doch die CSRC verweigerte ihre Zustimmung und blockierte die Notierung damit faktisch. Zusätzlich trafen die Zölle der Trump-Regierung und das Ende der sogenannten De-minimis-Regel, die zollfreie Einfuhren von Kleinpaketen in die USA erlaubte, das Geschäftsmodell im Kern.
Dass Peking überhaupt mitentscheidet, liegt an der Struktur des Unternehmens. Shein verlegte seinen Hauptsitz zwar bereits vor Jahren nach Singapur und verkauft keine Ware an chinesische Kunden. Die Produktion aber stammt von Tausenden Vertragsfabriken in China, die das riesige Sortiment an Billigmode in hohem Tempo an wechselnde Kundenwünsche anpassen. Neue CSRC-Regeln aus dem Jahr 2023 geben der Behörde die Befugnis, Auslandsbörsengänge zu prüfen und Angebote zu blockieren, die als den nationalen Interessen zuwiderlaufend gelten. Nach Informationen aus dem Umfeld des Unternehmens wurde der Fall auf höchster Ebene der Kommunistischen Partei geprüft. Die Führung in Peking galt als besorgt, dass Shein nach einem Skandal um Sexpuppen in Frankreich und Berichten über schlechte Arbeitsbedingungen bei Zulieferern weitere Peinlichkeiten verursachen könnte.
Bewertung im Sinkflug
Der angepeilte Emissionspreis zeigt, wie stark der Wert des Konzerns geschrumpft ist. Verantwortlich dafür sind das Abflauen des pandemiebedingten Onlineshopping-Booms, der Wegfall der Zollprivilegien in den USA und der aggressive Wettbewerb durch Temu, die Auslandsplattform von PDD Holdings.
| Zeitpunkt | Bewertung | Anlass |
|---|---|---|
| 2022 | bis zu 100 Mrd. USD | Höhepunkt des E-Commerce-Booms |
| Mai 2023 | 66 Mrd. USD | letzte Finanzierungsrunde |
| Juli 2026 | 40 bis 50 Mrd. USD | angestrebte IPO-Bewertung |
Dem Vernehmen nach könnte Shein bis zu 8 % seiner Anteile platzieren, wobei der tatsächlich verkaufte Anteil wohl niedriger ausfallen dürfte. Der Erlös läge damit im niedrigen einstelligen Milliardenbereich. Zu den Geldgebern zählen unter anderem General Atlantic, IDG Capital, HSG (früher Sequoia Capital China) und der Staatsfonds Mubadala aus Abu Dhabi.
Zurück zu den chinesischen Wurzeln
Jahrelang versuchte Shein, sich von seiner chinesischen Herkunft zu distanzieren, um westliche Regulierer und Investoren zu beruhigen. Unter wachsendem Außendruck hat der Konzern diese Strategie umgekehrt und die Beziehungen in der Heimat gezielt gefestigt. Firmengründer und Konzernchef Sky Xu, der öffentliche Auftritte sonst meidet, kündigte im Februar in einer seltenen Rede Investitionen von über 10 Mrd. CNY, umgerechnet rund 1,5 Mrd. USD, in die Lieferkette in der südchinesischen Provinz Guangdong an, wo die meisten Vertragsfertiger sitzen. "Statt seine China-Präsenz zu reduzieren, wie es westliche Modekonzerne tun, hat Shein seine Lieferkette in China weiter ausgebaut", sagt Sheng Lu, Professor für Mode- und Bekleidungsstudien an der University of Delaware. Parallel diversifiziert das Unternehmen, das in mehr als 160 Länder verkauft, seine Produktion und arbeitet inzwischen auch mit Fabriken in Brasilien und der Türkei.
Rückenwind für Hongkong
Für Hongkong kommt der Börsengang zur rechten Zeit. Die Stadt hat sich in diesem Jahr wieder zu einem der weltweit aktivsten Börsenplätze für Neuemissionen entwickelt. Die CSRC hat in den vergangenen zwölf Monaten mehr als 180 weitere Auslandsbörsengänge genehmigt und damit zur Belebung der dortigen Aktienkapitalmärkte beigetragen. Ein prominenter Konsumtitel wie Shein dürfte zusätzliches internationales Kapital anziehen, gerade weil viele Konsummarken ihre IPO-Pläne wegen der schwachen Anlegerstimmung derzeit auf Eis gelegt haben.
Risikofrei ist die Aktie deshalb ganz bestimmt nicht. Französische Behörden haben gegen Shein bereits Strafen von mehr als 200 Mio. EUR wegen des Umgangs mit Verbraucherdaten und irreführender Rabatte verhängt, die EU-Kommission eröffnete im Februar ein förmliches Verfahren wegen des Verkaufs illegaler Produkte. Dazu kommen der anhaltende Preiskampf mit Temu und die Frage, wie profitabel das Modell ohne Zollprivilegien im wichtigsten Markt USA noch ist.
Shein ist nicht nur ein Problem für Temu und andersherum, man konkurriert natürlich letztlich auch mit Branchengrößen wie H&M und Inditex, auch wenn die Preisstruktur eine andere ist. Insofern wird der Börsengang auch spannend für diese Aktien.


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