Kommentar
10:18 Uhr, 01.03.2022

Hat der Gebert-Indikator seine Aussagekraft verloren?

Unvorhergesehene Ereignisse wie den Corona-Crash oder die Ukraine-Krise kann der Gebert-Indikator nicht vorhersagen, weshalb er auch nicht rechtzeitig zum Ausstieg aus dem DAX geraten hat. Das könnte sich in Zukunft allerdings wieder ändern. Was der Gebert-Indikator für März rät, erfahren Sie in diesem Artikel.

Erwähnte Instrumente

  • DAX
    ISIN: DE0008469008Kopiert
    Aktueller Kursstand:   (XETRA)

Mit dem Gebert-Indikator war in den vergangenen Jahrzehnten langfristig eine deutliche Outperformance gegenüber einer ständigen Investition im DAX möglich, wie die folgende Grafik zeigt. Allerdings hat der Gebert-Indikator auch seine Schwächen: Vor unvorhergesehenen Ereignissen wie dem Corona-Crash oder dem Ukraine-Krieg kann der Indikator naturgemäß nicht warnen, da er nur auf den Kriterien Leitzins, Euro-Wechselkurs, Inflation und Saisonalität basiert. Wertet man die langfristige Performance aus, liegt der Anleger, der Market-Timing im DAX mit Hilfe des Gebert-Indikators betreibt, immer noch deutlich vor dem Anleger, der einfach per "Buy and hold" im DAX investiert ist.

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Stellt man den Verlauf in einem logarithmischen Chart dar, so zeigt sich, dass die starke Outperformance vor allem auf die Jahre 2000 bis 2009 zurückzuführen war. Sowohl vor dem Platzen der Internetblase als auch vor der Finanzkrise lieferte der Gebert-Indikator nämlich rechtzeitig ein Ausstiegssignal. Anleger, die dem Gebert-System folgten, konnten rechtzeitig ihre Gewinne mitnehmen und dann später wieder deutlich günstiger einsteigen.

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Seit 2009 laufen beide Kurven relativ parallel. Mal funktioniert der Gebert-Strategie etwas besser, mal "Buy and hold", einen großen Performanceunterschied hat es durch die Nutzung der Gebert-Strategie aber nicht mehr gegeben. Der Vorteil des Gebert-Anlegers basiert einfach auf der Outperformance der Vergangenheit und der dadurch bedingten höheren Kapitalbasis.

Für die Zukunft abschreiben sollte man die Gebert-Strategie aber wohl trotzdem noch nicht. Kommt es wieder zu einer Zeit, in der die Börse weniger stark von unvorhergesehenen Ereignissen dominiert wird, könnte die Gebert-Strategie womöglich wieder besser funktionieren als Buy and hold. Der folgende Abschnitt zeigt, was der Gebert-Indikator für März rät.

Der aktuelle Stand des Gebert-Indikators

Den aktuellen Stand der einzelnen Komponenten des Gebert-Indikators zeigt die folgende Übersicht:

  • Leitzins: Da die letzte Leitzinsveränderung der EZB eine Zinssenkung war, gibt es für dieses Kriterium unverändert einen Punkt. Bei diesem Kriterium zählen ausschließlich Änderungen beim sogenannten Hauptrefinanzierungssatz. Die letzte Zinsveränderung ist hier eine Leitzinssenkung im Jahr 2016. Änderungen etwa beim Einlagezins (zuletzt im September 2019 gesenkt) werden nicht berücksichtigt, ebenso wenig die Anleihenkäufe der EZB. Ergebnis: 1 Punkt.
  • Inflationsrate: Die HICP-Inflationsrate für die Eurozone lag im Januar (dem letzten Monat, für den endgültige Daten vorliegen) bei 5,1 Prozent und damit höher als ein Jahr vorher (0,9 Prozent). Damit gibt es für dieses Kriterium weiterhin keinen Punkt. (Vorläufige Inflationsdaten werden bei der Auswertung des Kriteriums ignoriert.) Ergebnis: 0 Punkte.
  • EUR/USD-Wechselkurs: Der Euro-Dollar-Wechselkurs stand zuletzt bei 1,1221 und damit niedriger als ein Jahr zuvor (1,2074). Damit gibt es für das Wechselkurskriterium des Gebert-Indikators weiter einen Punkt. Ergebnis: 1 Punkt.
  • Saisonalität: Da wir uns innerhalb des Zeitraums zwischen 1. November und 30. April befinden, gibt es für den Teilindikator Saisonalität einen Punkt. Ergebnis: 1 Punkte.

Damit ergibt sich für März wie bereits in den Vormonaten ein Stand von drei Punkten. Nach den Regeln des Gebert-Systems würden Anleger also im März im DAX investiert bleiben. Das letzte Kaufsignal trat Anfang November auf, damals stand der DAX bei 15.764,55 Punkten.

Monat Gebert-Punkte Signal DAX-Stand (Anfang des Monats)
September 2021 2 weiter flat 15.978,89
Oktober 2021 2 weiter flat 15.041,60
November 2021 3 NEUES KAUFSIGNAL! 15.764,55
Dezember 2021 3 weiter long 15.233,37
Januar 2022 3 weiter long 15.947,44
Februar 2022 3 weiter long 15.620,56
März 2022 3 weiter long 14.404,22

Das aktuelle Long-Signal dürfte mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit bis mindestens Ende April Bestand haben. Denn um ein neues Verkaufssignal zu liefern, müsste die Gesamtpunktezahl auf eins sinken (bei zwei Punkten wird die bisherige Positionierung beibehalten). Beim Teilindikator Saisonalität fällt der Punkt erst ab Mai wieder weg. Beim Leitzins-Kriterium ist der Wegfall des Punktes für die kommenden Monate unwahrscheinlich, da die EZB den Leitzins (trotz hoher Inflation) zumindest vor dem Sommer nicht anheben dürfte. Damit dürfte ein Punktestand von mindestens zwei bis Ende April gewährleistet sein.

Fazit

Der Gebert-Indikator bleibt für März bei einem Stand von drei Punkten. Anleger, die dem Gebert-System folgen, würden ihre Long-Position beibehalten. Das Signal dürfte mit hoher Wahrscheinlichkeit noch bis mindestens Ende April Bestand haben.

Zuletzt hat das Gebert-System nicht mehr zu einer Outperformance gegenüber einer ständigen Investitionen im DAX geführt. Der jüngste Kursrutsch hat Anleger, die dem Gebert-System folgen, genau so stark erwischt wie Buy-and-Hold-Anleger. Dass die Strategie in Zukunft wieder besser funktioniert, ist aber zumindest nicht ausgeschlossen.


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Über den Experten

Oliver Baron
Oliver Baron
Experte für Anlagestrategien

Oliver Baron ist Finanzjournalist und seit 2007 als Experte für stock3 tätig. Er beschäftigt sich intensiv mit Anlagestrategien, der Fundamentalanalyse von Unternehmen und Märkten sowie der langfristigen Geldanlage mit Aktien und ETFs. An der Börse fasziniert Oliver Baron besonders das freie Spiel der Marktkräfte, das dazu führt, dass der Markt niemals vollständig vorhersagbar ist. Der Aktienmarkt ermöglicht es jedem, sich am wirtschaftlichen Erfolg der besten Unternehmen der Welt zu beteiligen und so langfristig Vermögen aufzubauen. In seinen Artikeln geht Oliver Baron u. a. der Frage nach, mit welchen Strategien und Produkten Privatanleger ihren Börsenerfolg langfristig maximieren können.

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